Eine eigene Blockchain galt lange als Königsweg für Krypto-Unternehmen, die ihre Infrastruktur vollständig selbst kontrollieren wollen. Auch Ondo Finance kündigte Anfang 2025 mit Ondo Chain eine Layer-1 Lösung für institutionelle Real World Assets an. Jetzt folgt die Kehrwende.
Warum Ondo seine Layer-1 Pläne neu denkt
Beim Aufbau der Derivateplattform Ondo Perps ist nach Unternehmensangaben deutlich geworden, dass eine klassische Blockchain das entscheidende Problem bei institutionellen Finanzanwendungen nicht lösen kann. Sensible Handelsdaten sollen nicht vollständig öffentlich einsehbar sein, gleichzeitig müssen Liquidationen und Margenberechnungen in Echtzeit erfolgen.
Auf einer Blockchain würden die Prozesse jedoch vollständig nachvollziehbar sein und neben Einbußen bei der Geschwindigkeit auch Mängel bei der Privatsphäre mit sich bringen. Deshalb findet die schnelle Handelsausführung künftig außerhalb der Chain statt und erst die endgültige Übertragung der Vermögenswerte wird auf der öffentlichen Blockchain abgewickelt. Beide Prozesse waren bislang miteinander verbunden.
Was aus Ondo Chain wird
Vollständig aufgegeben hat Ondo seine ursprünglichen Blockchain-Plane jedoch nicht. Das neue Ondo Network soll jetzt vielmehr die Weiterentwicklung von Ondo Chain werden. Da sie derzeit ohne Konsensmechanismus und ohne eigenes dezentrales Netzwerk an Validatoren auskommt, handelt es sich nach Unternehmensangaben allerdings nicht um eine Blockchain.
Langfristig will Ondo Finance das System schrittweise weiter dezentralisieren. Neben zusätzlichen Prüfern, die sicherstellen, dass ausschließlich der zuvor veröffentlichte Code ausgeführt wird, könnten auch externe Beobachter integriert werden. Ob aus der Weiterentwicklung irgendwann doch noch eine vollständige Blockchain entsteht, lässt das Unternehmen ausdrücklich offen. Spätestens mit der Einführung eines bereits diskutierten Proof-of-Stake-Konsensmechanismus würde sich das Ondo-Netzwerk dem ursprünglichen Modell wieder deutlich annähern.