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Novogratz schreibt Geschichte: Galaxy ermöglicht Aktionärsstimmen per Blockchain

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Immer häufiger hört man, dass die Blockchain, die technologische Grundlage der Krypto-Industrie, traditionelle Finanzmärkte revolutionieren könnte. Dank des Börsenunternehmens Galaxy rückt diese Vision ein Stück näher. Das Kryptounternehmen des Milliardärs Mike Novogratz wird als erstes börsennotiertes Unternehmen weltweit seinen Aktionären erlauben, über die Blockchain abzustimmen.

Abstimmung über die digitale Wallet

Galaxy ist das erste börsennotierte Unternehmen in den USA, das seine eigenen Aktien als digitale Tokens auf einer öffentlichen Blockchain ausgegeben hat.

Das unterscheidet sich von Plattformen wie Ondo Global Markets. Dort kauft ein Vermittler die Aktien und verpackt sie in Tokens, die den Kurs abbilden. Bei Galaxy gibt das Unternehmen die Tokens selbst aus, sodass die Inhaber die gleichen gesetzlichen Rechte wie traditionelle Aktionäre besitzen, einschließlich Stimmrecht.

Im Mai können die Inhaber dieser tokenisierten Aktien erstmals auf der jährlichen Hauptversammlung abstimmen, wie gestern in einer Pressemitteilung verkündet wurde. Dies geschieht über die Plattform von Broadridge, einem Fintech-Unternehmen, das monatlich bereits 8 Billionen Dollar an tokenisierten Vermögenswerten verarbeitet.

Der Abstimmungsprozess wird auf einer eigenen Blockchain festgehalten, die auf dem Avalanche-Netzwerk läuft. Investoren erhalten die Sitzungsunterlagen in ihrer digitalen Wallet, bestätigen ihren Besitz und geben ihre Stimme ab. Alles ist transparent und verifizierbar.

„Stimmrecht ist ein wesentlicher Bestandteil des Aktienbesitzes, und die On-Chain-Umsetzung für ein börsennotiertes Unternehmen ist keine Theorie mehr“, so Novogratz.

Mehr als nur Aktien

Tokenisierung bedeutet, Vermögenswerte in digitale Tokens auf einer Blockchain umzuwandeln, eine Art digitales Zertifikat, das Eigentum festhält. Das kann alles Mögliche sein: Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe oder sogar Kunst.

Der große Vorteil ist, dass Transaktionen schneller, günstiger und transparenter sind. Wo der traditionelle Aktienhandel heute noch einen Tag zur Abwicklung benötigt, kann dies über die Blockchain in Sekunden geschehen. Zudem können teure Investitionen in kleinere Einheiten aufgeteilt werden, wodurch sie für Kleinanleger zugänglicher werden.

Laut Daten von RWA.xyz sind mittlerweile fast 28 Milliarden Dollar an tokenisierten Vermögenswerten auf der Blockchain erfasst. Der Großteil besteht aus amerikanischen Schuldpapieren wie Staatsanleihen, die etwa 13 Milliarden Dollar ausmachen.

Diese Kategorie wird von großen Namen dominiert. BlackRock hat mit seinem BUIDL-Fonds das weltweit größte tokenisierte Geldmarktfonds aufgebaut. Das Fonds investiert in amerikanische Staatsanleihen und Repo-Geschäfte und hat inzwischen einen Wert von rund 2,85 Milliarden Dollar.

Auch JPMorgan und Franklin Templeton haben eigene tokenisierte Fonds auf der Blockchain etabliert. Franklin Templeton war 2021 sogar der erste Vermögensverwalter in den USA, der diesen Schritt ging und verwaltet inzwischen über 1 Milliarde Dollar durch sein BENJI-Fonds.

Tokenisierte Aktien stellen bislang ein kleineres Segment mit einem Wert von etwas über 1 Milliarde Dollar dar. Doch die Zahl der Produkte wächst schnell. Ondo Global Markets bietet mittlerweile über hundert tokenisierte US-Aktien und ETFs an, von Apple bis Nvidia.

Vom Experiment zum Billionenmarkt

Letzten Monat erteilte die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) der Nasdaq die Genehmigung, tokenisierte Aktien in einem Pilotprogramm zu handeln. Dies gilt für große Aktien aus der Russell 1000-Index und bekannte Börsenfonds.

BlackRock-CEO Larry Fink verglich die Tokenisierung in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre mit dem Aufstieg des Internets 1996. Seiner Ansicht nach handelt es sich nicht um einen Hype, sondern um eine strukturelle Veränderung der Funktionsweise der Märkte. Mit einer digitalen Wallet auf dem Smartphone könnte man künftig genauso einfach investieren wie eine Zahlung tätigen, so Fink.

Die Erwartungen sind enorm hoch. Schätzungen von JPMorgan zufolge könnte der Markt für tokenisierte Vermögenswerte bis 2030 auf 13 Billionen Dollar anwachsen. BCG prognostiziert sogar einen Wachstumsfaktor von fünfzig und spricht von einer Chance von 16,1 Billionen Dollar.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte letzte Woche jedoch davor, dass die blitzschnelle Abwicklung von tokenisierten Transaktionen eine Finanzkrise verschärfen könnte, da Aufsichtsbehörden nicht schnell genug eingreifen können.

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