Crosby verweist dabei auf BlackRock. Der Vermögensverwalter hatte einen Bitcoin-Anteil von ein bis zwei Prozent als angemessene Bandbreite für Multi-Asset-Portfolios bezeichnet und zugleich vor einem überproportional steigenden Risikobeitrag bei höheren Gewichtungen gewarnt. Diese Portfolioüberlegung ist jedoch nicht mit einer erwarteten Umschichtung von einem Prozent des gesamten globalen Kapitals gleichzusetzen.
Die derzeit wenig dynamische Kursentwicklung bewertet Crosby unterdessen positiv: Eine Seitwärtsphase könne überhöhte Anlegererwartungen zurücksetzen und damit gesund für den Markt sein.
Bitcoin-ETFs nehmen innerhalb von zwei Handelstagen 550 Millionen Dollar auf
Konkrete Hinweise auf zusätzliche Nachfrage liefern die US-Bitcoin-Spot-ETFs. Nach den zitierten Daten von SoSoValue verzeichneten sie am 20. Oktober Nettozuflüsse von 23,16 Millionen Dollar. In der vorherigen Handelssitzung waren es 526,60 Millionen Dollar gewesen. Zusammen ergibt das knapp 550 Millionen Dollar, wobei sich die Zuflüsse am zweiten Tag deutlich abschwächten.
Eine weitere mögliche Kapitalquelle sieht Jeff Walton, Chief Risk Officer bei Strive, in den Kreditmärkten. Diese könnten seiner Einschätzung nach die nächste Billion Dollar an Bitcoin-bezogenem Kapital bereitstellen. Walton erwartet, dass Bitcoin-Treasury-Unternehmen, Spot-ETFs und Kreditinvestoren zunehmend um das begrenzte Angebot konkurrieren. Ein konkreter Zeitraum für dieses Szenario wird nicht genannt.
Die ETF-Zuflüsse zeigen tatsächlich erfolgte Kapitalbewegungen. Die wesentlich größeren Beträge, über die Crosby und Walton sprechen, bleiben dagegen an Annahmen über das künftige Verhalten von Investoren gebunden.
Vor den US-Zwischenwahlen widersprechen sich die Zyklusdeutungen
Kurzfristig richtet sich der Blick auf die US-Zwischenwahlen am 3. November. Bitcoin stieg am Mittwoch in Richtung 84.500 Dollar. Der Trader Castillo Trading hält es für möglich, dass der Markt sein Tief bereits im Sommer bei ungefähr 58.000 Dollar erreicht hat.
Er verweist darauf, dass Bitcoin in den vierten Quartalen der Zwischenwahljahre 2018 und 2022 rund 42 beziehungsweise 14 Prozent verloren hatte. Die maßgeblichen Abverkäufe seien jeweils nach den Wahlen erfolgt. Eine bereits abgeschlossene Bodenbildung würde aus seiner Sicht eine Abweichung von diesem Muster darstellen.
Analyst Ali Martinez rechnet dagegen mit möglicher Schwäche nach der Wahl. Er beobachtet insbesondere die Kostenbasis kurzfristiger Bitcoin-Halter, die er bei rund 73.000 Dollar verortet. Die historischen Rückgänge, auf die sich Martinez und Castillo beziehen, sind allerdings nur eingeschränkt vergleichbar: Castillo betrachtet das vierte Quartal, während die von Martinez verwendeten Zeiträume nach den Wahlen im Material nicht genau abgegrenzt werden.
Glassnode sieht Widerstand zwischen 85.000 und 87.500 Dollar
Für die unmittelbare Kursentwicklung nennt Glassnode den Bereich zwischen 80.000 und 81.500 Dollar als wichtige Unterstützung. Der zentrale Widerstand liege zwischen 85.000 und 87.500 Dollar.
Trader Bob Loukas interpretiert die jüngste Erholung als Beginn eines neuen Zyklus. Seine positive Einschätzung knüpft er jedoch an eine konkrete Bedingung: Ein Unterschreiten des jüngsten Tiefs bei 79.600 Dollar würde das Szenario entkräften.
Damit stehen den langfristigen Überlegungen zu globalen Kapitalumschichtungen kurzfristig klar benannte Kurszonen und der Wahltermin gegenüber. Ob die institutionelle Nachfrage anhält, lässt sich an den weiteren ETF-Flüssen beobachten; Crosbys 275.000-Dollar-Szenario geht weit über diese bislang sichtbaren Zuflüsse hinaus.