Hohe Renditen erhöhen die Opportunitätskosten für Anlagen wie Bitcoin. Wenn Anleger auf Staatsanleihen mehr als fünf Prozent Rendite erzielen können, müssen riskantere Assets entsprechend höhere erwartete Erträge bieten, um Kapital anzuziehen.
Delphi Digital bezeichnete Bitcoins jüngste Stärke deshalb als bemerkenswert. Die Analysefirma verwies auf den Anstieg von rund 43 Prozent im dritten Quartal, betonte aber zugleich, dass die Rally gegen erheblichen makroökonomischen Widerstand stattfinde.
Schwache US-Jobdaten senken Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung
Etwas Entlastung kommt von der Geldpolitik. Die US-Wirtschaft schuf im September lediglich 29.000 neue Stellen und blieb damit deutlich unter der Erwartung von 80.000.
In der Folge fiel die vom CME-FedWatch-Tool ausgewiesene Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Oktober auf rund 24 Prozent. Eine Woche zuvor hatte sie noch bei mehr als 75 Prozent gelegen.
Auch New-York-Fed-Präsident John Williams signalisierte zuletzt Geduld. Nach der Zinserhöhung im September bestehe kein Grund, kurzfristig erneut zu handeln.
Dass die langfristigen Renditen trotzdem hoch bleiben, deutet darauf hin, dass der Markt nicht allein auf die Geldpolitik blickt. QCP Capital verweist zusätzlich auf hohe Ölpreise und geopolitische Unsicherheit als Belastungsfaktoren.
Glassnode sieht nachlassenden Kaufdruck, aber noch keine Trendwende
Auch Onchain-Daten sprechen bislang eher für eine Abkühlung als für einen klaren Trendbruch. Glassnode beobachtet seit Mitte September eine geringere Dominanz aggressiver Käufer.
Nach Einschätzung der Analyseplattform signalisiert das nachlassende Momentum jedoch weder eine unmittelbare Trendwende noch eine strukturelle Erschöpfung des Marktes. Gleichzeitig bleiben Gewinnmitnahmen auf hohem Niveau, insbesondere bei langfristigen Bitcoin-Haltern oberhalb von rund 85.000 Dollar.
Hinzu kommt eine kurzfristige Abschwächung der institutionellen Nachfrage. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Montag Nettoabflüsse von 89,9 Millionen Dollar, nachdem in den beiden vorherigen Oktober-Handelstagen zusammen rund 293 Millionen Dollar zugeflossen waren.
FOMC-Protokoll rückt in den Fokus
Der nächste wichtige Termin folgt bereits am Mittwoch, dem 7. Oktober. Dann veröffentlicht die Federal Reserve das Protokoll ihrer September-Sitzung.
Deutsche-Bank-Analysten erwarten, dass die sogenannten FOMC-Minutes angesichts der angespannten Lage am Anleihemarkt stärker beachtet werden als üblich. Entscheidend dürfte sein, wie die Fed den weiteren Zinspfad und den langfristig neutralen Zinssatz einschätzt.
Die Aussicht auf eine Zinspause verbessert das Umfeld für Risikoanlagen, während die hohen langfristigen US-Renditen gleichzeitig Kapital binden und den finanziellen Druck im US-Schuldensystem erhöhen.