Was das Golden Cross beim Bitcoin bisher bedeutete
Bei vielen gehandelten Werten ist es MarketWatch zufolge eher ein Glücksspiel, beim Golden Cross zu kaufen oder beim Death Cross zu verkaufen. Bei Bitcoin hingegen gingen solche Kreuzungen der gleitenden Durchschnitte teils beachtlichen Bewegungen voraus. Besonders eindrucksvoll fiel die Bilanz nach dem vorigen Golden Cross aus, das sich am 6. März 2023 bei einem Schlusskurs von rund 22.400 US-Dollar bildete. Zwar näherte sich die 50-Tage-Linie im Herbst 2023 und erneut im Herbst 2024 bedrohlich der 200-Tage-Linie an, doch der Aufwärtstrend nahm jeweils rechtzeitig wieder Fahrt auf. Am Ende stand ein Plus von 457 Prozent, bevor Bitcoin am 6. Oktober 2025 bei knapp 124.840 US-Dollar seinen Höchststand erreichte.
Auch die drei Golden Crosses, die sich seit Anfang 2018 davor beobachten ließen, mündeten durchweg in Kursgewinne, wenn auch mit sehr unterschiedlicher Reichweite. Den größten Sprung brachte laut MarketWatch das Signal vom 15. Juni 2020: Bis zum folgenden Hoch legte Bitcoin binnen 17 Monaten um 615 Prozent zu. Nach dem Golden Cross vom 17. September 2021 stand dagegen innerhalb von zwei Monaten ein Plus von 59 Prozent, ehe der Kurs seinen Gipfel erreichte. Ein ähnlich großer Zuwachs gelang 2019 binnen nur fünf Wochen. MarketWatch zieht daraus ein vorsichtig positives Fazit: "Die Geschichte wiederholt sich nicht immer, aber es lässt sich kaum bestreiten, dass dies eine gute Bilanz ist, zumindest kurzfristig."
Leerverkäufer ziehen sich zurück
Rückenwind kommt auch aus der Marktstruktur. "Die Charts von Bitcoin und anderen führenden Kryptowährungen sehen aus technischer Sicht weiterhin ermutigend aus", schrieb David Morrison, Senior Market Analyst bei Trade Nation, gemäß MarketWatch. Die kräftige Rally und der positive Chartausblick hätten Leerverkäufer aus dem Markt gedrängt, so Morrison. Diese seien nun "nicht gewillt, neue Leerverkaufspositionen aufzubauen", was wiederum neue Käufer ermutigt habe. Dahinter steht ein bekannter Mechanismus: Wer auf fallende Kurse gesetzt hatte, musste seine Positionen im Zuge des Anstiegs schließen. Diese Rückkäufe verstärken eine laufende Aufwärtsbewegung, während der Verkaufsdruck von dieser Seite zugleich nachlässt.
Liquidität wichtiger als Kryptonachrichten
Dass Bitcoin nicht allein von Branchennachrichten abhängt, zeigte sich Mitte September. Damals scheiterte der Clarity Act, ein Gesetzesvorhaben, das einen Regulierungsrahmen schaffen und den Kryptomarkt stärken sollte. Die Kurse gaben dennoch nicht nach, und an der Wall Street gilt es als Zeichen innerer Stärke, wenn ein Markt auf schlechte Nachrichten nicht mit Verlusten reagiert. Naeem Aslam, Chief Investment Officer von Zaye Capital Markets, ordnet die Bewegung gegenüber dem Nachrichtenportal breiter ein: "Die aktuelle Kursentwicklung zeigt, dass Bitcoin weiterhin stark auf Liquiditätserwartungen, Renditen von US-Staatsanleihen und institutionelle Mittelflüsse reagiert, statt sich allein nach kryptospezifischen Nachrichten zu bewegen."
Eine weitere Rally beim Bitcoin könnte auch den breiteren Aktienmarkt stützen, da sie auf eine wachsende Risikobereitschaft der Investoren hindeutet. Für die Tragfähigkeit des neuen Aufwärtstrends wird nun entscheidend sein, ob die 50-Tage-Linie in den kommenden Wochen über der 200-Tage-Linie bleibt. Ein erneutes Abtauchen darunter würde ein Death Cross auslösen, wie es im Dezember 2025 einer längeren Schwächephase vorausging. Mit Blick auf die Aussagen von Aslam rücken zudem die Entwicklung der Renditen von US-Staatsanleihen und die Zuflüsse institutioneller Anleger in den Fokus, die den Takt für die Kryptowährung maßgeblich mitbestimmen dürften.