Die Entwicklung stellt eine klare Trendwende gegenüber dem zweiten Quartal dar. Damals hatten die Bitcoin-ETFs noch Nettoabflüsse von rund 5 Milliarden Dollar verzeichnet. Parallel zur Rückkehr institutionellen Kapitals legte auch Bitcoin deutlich zu. Der Kurs gewann im dritten Quartal 42,71 Prozent und erzielte damit laut CoinGlass sein stärkstes Quartal seit dem vierten Quartal 2024. Gleichzeitig war es das beste dritte Quartal für Bitcoin seit 2017.
ETF-Nachfrage bleibt hoch
Zum Ende des Septembers zeigte sich zwar kurzzeitig eine Gegenbewegung. Am Mittwoch wurden Nettoabflüsse von rund 149 Millionen Dollar registriert, womit eine neun Handelstage andauernde Serie von Zuflüssen endete. Während dieser Phase waren insgesamt etwa 3,1 Milliarden Dollar in die Bitcoin-ETFs geflossen.
Bereits am ersten Handelstag im Oktober kehrte sich die Entwicklung jedoch wieder um. Am Donnerstag verbuchten die Fonds neue Nettozuflüsse von 102,7 Millionen Dollar. Das gesamte Nettovermögen der US-Spot-Bitcoin-ETFs stieg damit auf rund 109,3 Milliarden Dollar, während sich die kumulierten Nettozuflüsse seit Einführung der Produkte inzwischen auf 57,6 Milliarden Dollar belaufen.
Auch andere Krypto-ETFs konnten im vergangenen Quartal erhebliches Kapital einsammeln. US-Spot-Ether-ETFs verzeichneten im dritten Quartal Nettozuflüsse von rund 3,05 Milliarden Dollar, nachdem im zweiten Quartal noch etwa 714 Millionen Dollar abgeflossen waren. Ethereum selbst legte im gleichen Zeitraum um rund 71 Prozent zu. Zum Start in den Oktober schwächte sich die Nachfrage allerdings ab: Am Donnerstag wurden bei Ether-ETFs Nettoabflüsse von 55,4 Millionen Dollar registriert. Über drei Handelstage summierten sich die Abflüsse damit auf rund 118 Millionen Dollar.
Auch die Nachfrage nach kleineren Krypto-ETF-Produkten bleibt relevant. XRP-ETFs sammelten im dritten Quartal netto rund 308 Millionen Dollar ein und kommen inzwischen auf kumulierte Zuflüsse von 1,79 Milliarden Dollar. Solana-ETFs verzeichneten im September Zuflüsse von rund 272 Millionen Dollar, während bei Zcash-Produkten etwa 246 Millionen Dollar hinzukamen.
Anleiherenditen steigen auf den höchsten Stand seit 2002
Während sich die Kapitalströme in den Kryptomarkt deutlich verbessert haben, verschärft sich die Lage am US-Anleihemarkt weiter. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zeitweise bis auf 5,342 Prozent – ein Niveau, das zuletzt im April 2002 erreicht worden war. Auch die Renditen langlaufender 30-jähriger Staatsanleihen markierten neue langfristige Höchststände.
Hinter dem Ausverkauf am Bondmarkt stehen mehrere Faktoren. Mahmood Pradhan, ehemaliger stellvertretender Direktor der Europa-Abteilung des Internationalen Währungsfonds, verwies gegenüber der New York Times unter anderem auf die zunehmenden Sorgen über die weltweit steigende Staatsverschuldung. Höhere Renditen verschärfen diese Problematik zusätzlich, da sie die Refinanzierungskosten der Regierungen erhöhen und damit langfristig noch stärkeren Druck auf die öffentlichen Haushalte ausüben können.
Hinzu kommen neue Inflationsrisiken durch höhere Energiepreise. Der Krieg im Nahen Osten habe das makroökonomische Umfeld deutlich verändert, so Pradhan. Insbesondere der Anstieg der Ölpreise beginnt sich zunehmend in den Inflationsdaten bemerkbar zu machen.
Der jüngste US-PCE-Preisindex für August fiel zwar mit einer Jahresrate von 3,4 Prozent niedriger aus als erwartet. Eine nachhaltige Entspannung am Anleihemarkt blieb jedoch aus. Marktbeobachter verwiesen unter anderem darauf, dass ein Teil des Rückgangs auf Änderungen bei der Berechnung des Index zurückzuführen sein könnte.
Auch Krypto-Analyst Benjamin Cowen sieht die steigenden Renditen als Ausdruck eines zunehmenden Misstrauens gegenüber der Geldpolitik der Federal Reserve. Seiner Einschätzung nach reagiert der Bondmarkt darauf, dass Investoren bezweifeln, ob die Fed die Inflation konsequent genug bekämpft. Solange diese Zweifel bestehen bleiben, könnte der Druck auf langlaufende Staatsanleihen anhalten.
Bitcoin verteidigt wichtige Unterstützungszone
Bitcoin zeigt sich von diesem Umfeld bislang vergleichsweise unbeeindruckt. Rund um die Wall-Street-Eröffnung konnte sich der Kurs wieder oberhalb von 84.000 Dollar etablieren. Kurzfristig konzentriert sich die Marktstruktur auf mehrere größere Liquiditätszonen. Daten von CoinGlass zeigen unter anderem erhöhte Liquidität bei etwa 84.500 Dollar sowie im Bereich von 82.900 Dollar.
Trader und Analyst Rekt Capital sieht insbesondere die Zone um 82.500 Dollar als entscheidend an. Ein erneuter Test dieser Marke sei wahrscheinlich und könnte kurzfristig volatil verlaufen. Sollte Bitcoin den Bereich jedoch erfolgreich als Unterstützung bestätigen, wäre aus technischer Sicht die Grundlage für eine Fortsetzung der aktuellen Erholungsbewegung geschaffen.
Das Sentiment bleibt unterdessen deutlich positiv. Der Crypto Fear & Greed Index notiert aktuell bei 72 Punkten und damit weiterhin im Bereich „Greed“, nachdem er am Vortag noch bei 74 Punkten gelegen hatte.
Für Bitcoin entsteht damit derzeit eine ungewöhnliche Konstellation: Während steigende Anleiherenditen und neue Inflationsrisiken eigentlich Gegenwind für Risikoanlagen erzeugen sollten, bleiben sowohl der Kurs als auch die ETF-Nachfrage vergleichsweise stabil. Ob dieser Widerstand anhält, dürfte kurzfristig vor allem davon abhängen, ob Bitcoin die Unterstützungszone um 82.500 Dollar behaupten kann – und ob sich der Ausverkauf am US-Anleihemarkt weiter verschärft.