Japan finanziert die USA
Japan gehört zu den größten Haltern amerikanischer Staatsanleihen. Das ist entscheidend, weil Washington jedes Jahr enorme Schuldenvolumina refinanzieren muss.
Japanische Anleger spielten dabei über Jahre eine wichtige Rolle. Die Zinsen im eigenen Land lagen nahezu bei null, wodurch US-Staatsanleihen deutlich attraktiver waren.
Doch diese Lage verändert sich rasch. Die Bank of Japan erhöhte den Leitzins in diesem Monat auf 1,25 Prozent, den höchsten Stand seit 31 Jahren. Zugleich sind auch die Renditen japanischer Staatsanleihen kräftig gestiegen.
Damit wird es für japanische Anleger zunehmend attraktiver, Kapital im eigenen Land zu halten.
Weniger Kapital aus Japan könnte US-Zinsen steigen lassen
Genau darin liegt das Risiko für die Vereinigten Staaten. Wenn japanische Anleger weniger US-Staatsanleihen kaufen oder sogar Kapital nach Japan zurückholen, muss Washington andere Käufer finden.
Diese könnten höhere Renditen verlangen. Das käme zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt, da die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bereits über 5 Prozent liegt.
Hinzu kommt: Bei Interventionen zur Stützung des Yen könnte Japan ausländische Vermögenswerte verkaufen. Die USA und Japan griffen bereits im Sommer ein, als der Yen in Richtung des schwächsten Niveaus seit vier Jahrzehnten fiel.
Die amerikanischen Sorgen über Japan drehen sich daher nicht nur um Exporte oder Wechselkurse. Letztlich geht es auch um die Finanzierungskosten der US-Regierung.
Damit rückt auch Bitcoin in den Fokus
Für Bitcoin ergibt sich aus Japan noch ein zweites Risiko. Über Jahre konnten Anleger günstig Yen aufnehmen und das Geld anschließend in Aktien, Anleihen und andere riskante Anlagen investieren.
Diese Strategie heißt Yen-Carry-Trade. Solange die japanischen Zinsen extrem niedrig blieben und der Yen schwach war, funktionierte sie hervorragend. Doch sobald die Bank of Japan die Zinsen anhebt oder der Yen plötzlich aufwertet, können diese Positionen unter Druck geraten.
Anleger müssen dann Yen zurückkaufen, um ihre Kredite zu tilgen, und verkaufen dafür andere Vermögenswerte. Bitcoin kann davon besonders stark getroffen werden.
Das zeigte sich etwa während der Marktanspannungen im August 2024, als der schnelle Abbau von Carry Trades mit deutlichen Rückgängen an den Aktien- und Kryptomärkten zusammenfiel.
Japan wird immer wichtiger
Höhere japanische Zinsen können Kapital aus US-Anleihen und aus riskanten Anlagen abziehen. Ersteres könnte die langfristigen US-Zinsen weiter nach oben treiben. Letzteres könnte Aktien und Bitcoin unmittelbar belasten.
Japan ist damit längst nicht mehr nur ein Thema für Devisenhändler. Die Entwicklung des Yen und des japanischen Anleihemarkts wird zunehmend zu einem wichtigen Makrofaktor für nahezu jeden Anleger.