Bitcoin notiert laut mehreren aktuellen CryptoQuant-Analysen in einer historisch günstigen Akkumulationszone. Eine bestätigte Bodenbildung lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten.
Bitcoin erreicht historisch unterbewertete Zone
Bei einem $BTC-Kurs von knapp 63.800 US-Dollar liegt Bitcoin fast 50 Prozent unter seinem Höchststand vom Oktober 2025. CryptoQuant-Analyst Crypto Dan sieht darin eine Parallele zu früheren Zyklustiefs. Seine Einschätzung stützt sich auf den Anteil der ein bis vier Wochen alten UTXOs an der Realized Cap.
Ihr Anteil ist inzwischen wieder auf unter fünf Prozent gefallen und liegt damit in einem Bereich, der auf dem Chart bereits während der zyklischen Bitcoin-Tiefs von 2015, 2019 und 2022 zu beobachten war. Dan wertet dies als Zeichen einer historischen Unterbewertung.
Er betont jedoch, dass dies nicht zwingend bedeutet, dass ein Bärenmarkttief erreicht wurde:
„Aus Zyklusperspektive scheint Bitcoin eine Position erreicht zu haben, die seinen historischen Tiefpunkten ähnelt. Auch wenn wir nicht sicher sein können, dass dies das absolute Tief ist, zeigt der Indikator, dass die Marktteilnehmer ähnlich wenig Interesse am Kryptomarkt haben wie an früheren Tiefpunkten. Mit Blick auf den nächsten Bullenzyklus, der voraussichtlich um 2027 beginnt, besteht kaum Zweifel daran, dass die aktuelle Spanne eine unterbewertete Zone darstellt.“
CryptoQuant-Analyst Axel Adler Jr. kommt anhand der Adaptive Sell-side Risk Ratio zu einer ähnlichen Einschätzung. Der Indikator ist auf 0,031 gefallen und liegt damit im dritten Perzentil des laufenden Halving-Zyklus. Dies ist niedriger als an 97 Prozent aller Tage seit April 2024.
Seit Ende Januar verharrt die Kennzahl in den niedrigsten 25 Prozent aller Messwerte. Ihr Durchschnitt der vergangenen zwei Monate blieb zugleich unter fünf Prozent. Das deutet auf eine anhaltende Kapitulation hin:
„Historisch traten solche Zonen in späten Phasen von Bärenmärkten auf. Das verbessert das langfristige Chance-Risiko-Verhältnis, bedeutet aber nicht, dass bereits ein lokaler Boden entstanden ist. 2018/2019 und 2022/2023 blieb der Indikator monatelang nahe seiner Untergrenze, während sich der Kurs weiter in einer breiten Spanne bewegte und zeitweise neue Tiefs markierte.“
Alte Bitcoin-Bestände erreichen Coinbase
Allerdings geht noch immer Verkaufsdruck von langjährigen Haltern aus. Gegenüber ihren jeweiligen 90-Tage-Durchschnitten stiegen die Zuflüsse der drei bis fünf Jahre alten Coins um rund 595 Prozent, bei fünf bis sieben Jahre alten $BTC waren es 1.016 Prozent.
Wie CryptoQuant-Analyst CryptoOnchain schreibt, sind die ausgegebenen Bestände der Kohorten im Alter von zwei bis drei sowie von drei bis fünf Jahren um 404 beziehungsweise 375 Prozent gestiegen. Der realisierte Wert belief sich auf rund 315 Millionen und 216 Millionen US-Dollar.
Auffällig ist die Konzentration auf Coinbase. Der Nettozufluss lag rund 1.423 Prozent über dem 90-Tage-Durchschnitt, während die Coinbase-Premium mit Werten zwischen −0,09 und −0,14 schwach blieb. Binance verzeichnete dagegen gleichmäßigere Zuflüsse. CryptoOnchain schlussfolgert:
„Zusammengenommen gelangt lange gehaltener Bestand auf einen Markt, auf dem die US-Spotnachfrage schwach erscheint – und das ohne Hebeleffekte, die die Kursbewegung verstärken würden. Historisch gesehen ging dieser Konstellation eher eine längere Konsolidierungsphase voraus als ein starker Kurseinbruch. Entscheidend ist nun, ob der Zufluss dieser ‚alten‘ Coins nachlässt oder ob die Coinbase-Premium stark genug ansteigt, um dieses Angebot aufzufangen.“
Nur 35,2 Prozent des Bitcoin-Angebots liegen im Verlust
CryptoQuant-Analyst Zizcrypto schreibt indes, dass 35,2 Prozent des Bitcoin-Angebots derzeit im Verlust liegen. Ende Juni war der Anteil zunächst auf 42,2 Prozent gestiegen und hatte damit die von Zizcrypto definierte Tiefstresszone oberhalb von 40 Prozent erreicht.
Der finanzielle Druck auf die Anleger nimmt somit erneut zu, liegt aber noch unter den Extremwerten früherer Kapitulationsphasen. In vergangenen Bärenmärkten folgte auf das erstmalige Überschreiten der 40-Prozent-Marke häufig eine längere Konsolidierung. Erst Werte von mehr als 60 Prozent signalisierten eine finale Kapitulation und den Boden.