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Bitcoin-Crash: Strategy verbucht 8.22 Mrd. USD Verlust auf Bestände

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Strategy hat für das zweite Quartal 2026 einen Nettoverlust von 8.22 Mrd. USD ausgewiesen. Der Verlust stammt fast vollständig aus der Neubewertung des Bitcoin-Bestands, der im selben Quartal dennoch um 11% wuchs.

Strategy, vormals MicroStrategy, ist der grösste börsennotierte Unternehmens-Halter von Bitcoin. Über Fremd- und Eigenkapital kauft das Unternehmen Bitcoin und hält ihn dauerhaft in der Bilanz. Das ursprüngliche Softwaregeschäft liefert nur einen kleinen Umsatzbeitrag. Finanziert hat der Konzern die Käufe bislang über Wandelanleihen, Stammaktien-Emissionen und mehrere Vorzugsaktienklassen wie STRC, STRK und STRF. Seit dem Geschäftsjahr 2025 gilt für Bitcoin-Bestände zudem eine Fair-Value-Bilanzierungspflicht, die Kursschwankungen quartalsweise in die Erfolgsrechnung durchschlagen lässt. Im Vorjahresquartal wies Strategy deshalb noch einen Gewinn von 10.02 Mrd. USD aus. Nun steht ein Verlust je verwässerter Aktie von 24.45 USD zu Buche, nach 32.60 USD Gewinn ein Jahr zuvor. Der Bitcoin-Kurs fiel im Jahresvergleich um über 40%. Ende Juli lag er schliesslich bei rund 65'028 USD, klar unter dem durchschnittlichen Einstandspreis von 75'476 USD.

Strategys Bitcoin-Verlust entsteht fast vollständig auf dem Papier

Von den ausgewiesenen 8.22 Mrd. USD entfallen 8.32 Mrd. USD auf nicht realisierte Bewertungsverluste des Bitcoin-Bestands. Der Buchverlust liegt also über dem Nettoverlust. Auf operativer Ebene meldete der Konzern ein Ergebnis von minus 8.33 Mrd. USD. Vor Jahresfrist stand hier noch ein Gewinn von 14.03 Mrd. USD. Beide Kennzahlen sagen allerdings wenig über den laufenden Geschäftsgang aus, weil die Bewertungseffekte direkt in die operative Rechnung fliessen. Der Schwenk von einem Zehn-Milliarden-Gewinn zu einem Acht-Milliarden-Verlust binnen zwölf Monaten ist somit primär eine Preisfrage.

Bitcoin-Kurs über die letzten drei Jahre / Chart: Tradingview

Das Softwaregeschäft selbst blieb klein. Der Umsatz stieg im Quartal um 6.9% auf 122.4 Mio. USD. Bei einer Bruttomarge von 66.6% blieb ein Bruttogewinn von 81.6 Mio. USD. Gemessen an einem Bitcoin-Bestand im zweistelligen Milliardenbereich fällt dieser Beitrag jedoch kaum ins Gewicht. Bewertungsschwankungen der Treasury-Position kann er nicht annähernd ausgleichen. Das Ergebnis der Softwaresparte entscheidet folglich weder über den ausgewiesenen Gewinn noch über die Bewertung der Aktie.

Verantwortlich für den Ausschlag ist die Fair-Value-Bilanzierung nach FASB ASU 2023-08. Die Regel verpflichtet kalenderjährige Publikumsgesellschaften seit dem 1. Januar 2025, Bitcoin-Bestände quartalsweise zum Marktwert anzusetzen. Buchgewinne und Buchverluste laufen unmittelbar durch die Erfolgsrechnung, unabhängig davon, ob ein Unternehmen überhaupt Coins veräussert. Für Strategy folgt das Quartalsergebnis daher im Wesentlichen dem Bitcoin-Kurs. Dieselbe Mechanik trifft ausserdem alle Unternehmen, die dem Treasury-Modell nachgefolgt sind. Deren Ergebnisse schwanken entsprechend heftig in beide Richtungen.

Bitcoin-Bestand erreicht Höchststand von 846'000 $BTC

Parallel zum Verlust wuchs der Bitcoin-Bestand im Quartal um 11% auf einen Höchststand von 846'000 $BTC. Später trennte sich das Unternehmen von einem Teil der Position. Zuletzt meldete Strategy in einem 8-K-Filing 843'775 $BTC. Seit Jahresbeginn liegt das Bestandswachstum weiterhin bei 25%, obwohl der Kurs im selben Zeitraum gefallen ist.

Die kumulierten Anschaffungskosten summieren sich auf 63.7 Mrd. USD. Das entspricht einem durchschnittlichen Einstandspreis von rund 75'476 USD je Bitcoin. Ende Juli erreichte der Marktwert des Bestands hingegen nur rund 54.77 Mrd. USD. Die Position notiert folglich knapp 9 Mrd. USD unter den Anschaffungskosten. Solche Abstände zum Einstandspreis schlagen als Bewertungsverlust in die Erfolgsrechnung durch, ohne dass das Unternehmen einen einzigen Coin verkauft.

Die tatsächlichen Verkäufe folgen einem festen Rahmen. Über das Bitcoin Monetization Program hat der Konzern seit Jahresbeginn Bitcoin im Wert von rund 218 Mio. USD veräussert. Der Erlös bedient die Dividenden auf die Vorzugsaktien. Gemessen am Gesamtbestand ist das vergleichsweise wenig. Der Mechanismus markiert trotzdem eine Zäsur, denn der Bitcoin-Bestand dient inzwischen auch als Liquiditätsquelle für laufende Verpflichtungen. Zuvor wuchs die Position weitgehend nur durch Zukäufe.

Kurswechsel in der Kapitalstruktur zugunsten der Dollar-Reserve

Deutlicher als beim Bitcoin-Bestand fällt die Veränderung auf der Passivseite aus. Strategy reduzierte die ausstehenden Wandelanleihen um 18% auf 6.71 Mrd. USD, nach 8.21 Mrd. USD im Vorquartal. Im Mai 2026 kaufte das Unternehmen Wandelanleihen im Nominalwert von 1.5 Mrd. USD zurück, mit einem Abschlag von 8%. Der Kaufpreis lag bei rund 1.38 Mrd. USD und somit 120 Mio. USD unter dem Nominalwert.

Gleichzeitig baut der Konzern eine Dollar-Reserve auf. Diese stieg per Ende des Quartals um 12% auf 2.4 Mrd. USD und anschliessend weiter auf 3.75 Mrd. USD. Die Barmittel und Äquivalente lagen Ende Juni bei 1.71 Mrd. USD. Nach Angaben von CFO Andrew Kang deckt die Reserve über 2.1 Jahre an Vorzugsdividenden und Zinsverpflichtungen. Grundlage ist das Ende Juni 2026 verabschiedete „Digital Credit Capital Framework". Es schreibt eine Mindestreserve für zwölf Monate solcher Verpflichtungen vor, damals rund 1.76 Mrd. USD. Derselbe Rahmen erlaubt ferner Bitcoin-Verkäufe bis 1.25 Mrd. USD, sofern sie günstiger sind als neue MSTR-Stammaktien.

Um die Reserve zu füllen, pausierte Strategy zunächst sämtliche Bitcoin-Käufe in den fünf Wochen vor dem Bericht. Für ein Unternehmen, das jahrelang jede verfügbare Liquidität in Bitcoin gelenkt hat, ist das ein Bruch. Die Priorität verschiebt sich vom Bestandsaufbau zur Bedienung der Kapitalgeber. Auffällig ist, dass die Gegenfinanzierung der Dividenden inzwischen mehrgleisig läuft, über Barreserven, über Emissionserlöse und im Ausnahmefall über Bitcoin-Verkäufe.

„Wir haben zudem eine Erfolgsbilanz von 18 Monaten ununterbrochener Dividendenzahlungen aufgebaut. Trotz des jüngsten tiefen Kurseinbruchs bei Bitcoin haben wir noch nie eine Dividende ausgelassen." - Andrew Kang, CFO, Strategy

STRC-Rückkauf soll die Dividendenverpflichtungen absichern

Ausgelöst hat den Kurswechsel die Entwicklung der STRC-Vorzugsaktie. Das Papier startete ursprünglich mit einem informellen Kursziel von rund 100 USD und rutschte zuletzt darunter. CEO Phong Le kündigte daher an, STRC unterhalb dieser Marke regelmässig und diszipliniert zurückzukaufen. Das Volumen soll sich an Marktpreis und Liquidität ausrichten. In der Woche vor dem Quartalsbericht erwarb das Unternehmen 288'930 STRC-Aktien für 25 Mio. USD. Jeder zurückgekaufte Anteil senkt die künftige Dividendenlast, zumal die Rückkäufe mit einem Abschlag erfolgen.

Auf der Emissionsseite bleibt der Kapitalzufluss hoch. Über die At-the-Market-Programme nahm Strategy seit Jahresbeginn 17.06 Mrd. USD auf, davon 7.53 Mrd. USD aus STRC-Emissionen. Das entspricht bei STRC einem Zuwachs von 254%. Allein im zweiten Quartal flossen rund 8.4 Mrd. USD über die ATM-Programme zu. Davon stammten 2.95 Mrd. USD aus MSTR-Stammaktien und 5.47 Mrd. USD aus STRC. Das autorisierte Rückkaufprogramm für die Stammaktie über 1 Mrd. USD blieb hingegen ungenutzt.

Die Aktie legte am Tag der Veröffentlichung trotzdem rund 5% zu und notierte nachbörslich unverändert bei 97.21 USD. Buchverluste dieser Grössenordnung kehren sich bei steigendem Bitcoin-Kurs ebenso schnell wieder um, während der Schuldenabbau dauerhaft wirkt. Entscheidend für die Klasse der Bitcoin-Treasuries bleibt letztlich, ob die Dividenden auch ohne frisches Kapital gedeckt sind.

cvj.ch