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Bitcoin wie 1929? Bloomberg-Analyst warnt vor historischem Crash – doch der Vergleich hat einen Haken

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Bitcoin hat seit seinem Rekordhoch rund 50 Prozent verloren. Für Bloomberg-Analyst Mike McGlone könnte das trotzdem erst der Anfang einer wesentlich längeren Bereinigung sein. Er zieht Parallelen zum Wall-Street-Crash von 1929 und warnt vor derselben gefährlichen Selbstsicherheit, die Anleger damals ihr Vermögen kostete. Bei genauerer Betrachtung ist jedoch fraglich, ob Bitcoin in diesem historischen Vergleich tatsächlich die Rolle der überbewerteten Aktien spielt – oder eher die des damals stabilen monetären Gegenassets Gold.

Der Bitcoin-Kurs ist weit von seinem Rekordstand entfernt, doch die Hoffnung auf eine Rückkehr zu alten Höchstständen bleibt unter vielen Anlegern groß. Genau diese Zuversicht hält Mike McGlone, Senior Commodity Strategist bei Bloomberg Intelligence, offenbar für gefährlich.

In einem am 20. Juli veröffentlichten Beitrag auf X stellte McGlone den Kryptomarkt des Jahres 2026 dem US-Aktienmarkt des Jahres 1930 gegenüber. Als Ausgangspunkt verwendete er eine Passage aus dem 2026 erschienenen Buch „The Almighty Dollar: 500 Years of the World’s Most Powerful Money“ des Finanzjournalisten Brendan Greeley.

Die Passage handelt von dem US-Ökonomen Irving Fisher, der kurz vor dem Wall-Street-Crash von 1929 erklärte, Aktien hätten ein „dauerhaft höheres Plateau“ erreicht und würden in den kommenden Monaten weiter steigen. Wenige Tage später begann mit dem Schwarzen Donnerstag am 24. Oktober einer der verheerendsten Börsencrashs der Geschichte. Fisher glaubte selbst an seine Prognose, war stark in Aktien investiert und verlor anschließend einen Großteil seines Vermögens.

McGlones Botschaft ist eindeutig: Auch die heutigen Bitcoin-Anleger könnten eine vorübergehende Kursschwäche mit dem Beginn einer neuen Kaufgelegenheit verwechseln, obwohl der spekulative Höhepunkt möglicherweise längst überschritten wurde.

Haben ETFs und Trump den finalen Bitcoin-Hype ausgelöst?

Nach McGlones Lesart erreichte Bitcoin seinen spekulativen Höhepunkt 2025. Die Einführung der amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs, der Einstieg großer Vermögensverwalter und die kryptofreundliche Politik Donald Trumps hätten dem Markt die Erzählung von einer dauerhaft höheren Bewertung geliefert.

Unternehmen wie BlackRock, Fidelity und Franklin Templeton öffneten Bitcoin für einen wesentlich größeren Kreis institutioneller und traditioneller Anleger. Gleichzeitig versprach Trump, die Vereinigten Staaten zur führenden Bitcoin-Nation zu machen, und trieb den Aufbau einer strategischen Bitcoin-Reserve voran. Hinzu kamen verschiedene Kryptoprojekte aus dem Umfeld seiner Familie.

Für viele Marktteilnehmer galten diese Entwicklungen als Beweis dafür, dass Bitcoin endgültig im globalen Finanzsystem angekommen sei. McGlone interpretiert sie dagegen als mögliche Zutaten eines finalen Euphorieschubs: Die ETFs und die politische Unterstützung hätten nicht den Beginn eines dauerhaft neuen Zeitalters markiert, sondern genau jene Geschichte geliefert, mit der sich die letzten großen Käufer in den Markt locken ließen.

Bitcoin erreichte am 6. Oktober 2025 ein Rekordhoch von rund 126.080 Dollar. Inzwischen notiert die Kryptowährung etwa 50 Prozent darunter. McGlone vergleicht die aktuelle Situation deshalb nicht nur mit dem unmittelbaren Vorabend des Crashs, sondern ausdrücklich mit dem Aktienmarkt des Jahres 1930. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Nach dem ersten Einbruch von 1929 erholte sich der US-Aktienmarkt zwischenzeitlich deutlich. Viele Anleger glaubten, das Schlimmste sei überstanden. Tatsächlich setzte sich der Bärenmarkt anschließend fort und führte den Dow Jones bis 1932 rund 89 Prozent unter sein vorheriges Rekordhoch. Übertragen auf Bitcoin lautet McGlones Warnung: Auch ein Kursverlust von 50 Prozent und zwischenzeitliche Erholungen beweisen noch nicht, dass die Bereinigung abgeschlossen ist.

Der Vergleich mit 1929 greift einen realen Mechanismus auf

Als psychologische Analogie ist McGlones Argument nicht von der Hand zu weisen. Spekulationsblasen werden regelmäßig von der Überzeugung begleitet, alte Bewertungsmaßstäbe hätten ihre Bedeutung verloren. Ende der 1920er-Jahre sollten neue Technologien, steigende Produktivität und die wachsende Bedeutung der Aktienmärkte dauerhaft höhere Bewertungen rechtfertigen.

Im Bitcoin-Markt übernahmen Spot-ETFs, institutionelle Nachfrage, staatliche Bitcoin-Reserven und politische Unterstützung eine ähnliche Rolle. Aus einer plausiblen langfristigen Entwicklung kann dabei schnell eine gefährliche Gewissheit werden: Wenn die Institutionalisierung von Bitcoin als unumkehrbar gilt, erscheint jeder Rückgang automatisch als Kaufgelegenheit und ein dauerhaftes Scheitern der Investmentthese nahezu ausgeschlossen.

Genau vor dieser Selbstsicherheit warnt McGlone. Der historische Verweis auf Fisher ist daher weniger als konkrete Kursprognose zu verstehen, sondern als Warnung vor einem Denkfehler: Gute langfristige Argumente schützen ein Asset nicht vor einer extremen Überbewertung oder einem jahrelangen Bärenmarkt.

Allerdings liefert McGlone bislang keine ausgearbeitete ökonomische Begründung dafür, weshalb der Bitcoin-Markt tatsächlich mit den amerikanischen Aktien von 1929 vergleichbar sein sollte. Es fehlen ein Bewertungsmodell, eine Analyse der damaligen und heutigen Verschuldung, ein konkreter monetärer Übertragungsmechanismus und eine Erklärung, warum gerade die ETF-Zulassung zwingend den endgültigen Höhepunkt markieren soll.

Noch entscheidender ist eine andere Frage: Nimmt Bitcoin in diesem historischen Vergleich überhaupt die Rolle der damaligen Aktien ein?

Was Gold während des Crashs von 1929 machte

Bitcoin wird von seinen Befürwortern nicht primär als Unternehmensbeteiligung verstanden, sondern als knappes monetäres Asset und digitales Gegenstück zu Gold. Wird diese Eigenschaft ernst genommen, fällt der Blick auf die Jahre nach 1929 deutlich differenzierter aus.

Gold stürzte damals nicht gemeinsam mit dem Aktienmarkt ab. Es konnte im heutigen Sinne allerdings auch nicht frei steigen, weil die Vereinigten Staaten dem Goldstandard unterlagen. Der Dollar war zu einem festen Preis von 20,67 Dollar je Feinunze in Gold konvertierbar. Die Federal Reserve musste zudem Goldreserven im Umfang von 40 Prozent der von ihr ausgegebenen Banknoten halten. Der nominale Goldpreis blieb deshalb von 1929 bis 1932 praktisch unverändert.

Entscheidend war die reale Kaufkraft. Während eine Feinunze Gold weiterhin 20,67 Dollar kostete, sank der amerikanische Verbraucherpreisindex von durchschnittlich 17,1 Punkten im Jahr 1929 auf 16,7 Punkte 1930, 15,2 Punkte 1931 und 13,7 Punkte 1932. Die reale Kaufkraft von Gold stieg damit gegenüber 1929 bis 1932 um fast 25 Prozent. Die historischen Preisdaten des US Bureau of Labor Statistics zeigen, wie stark die Deflation den Wert von Bargeld und Gold gegenüber Waren und Vermögenswerten erhöhte.

Gold war vor dem Crash somit nicht unbedingt „unterbewertet“, denn ein staatlich fixierter Preis konnte eine mögliche Unterbewertung nicht durch einen Kursanstieg ausgleichen. Seine Schutzfunktion wurde jedoch unterschätzt. Während Aktien, Rohstoffe und andere Vermögenswerte einbrachen, behielt Gold seinen Nominalwert und gewann real deutlich an Kaufkraft.

Besonders sichtbar wurde das bei Goldminen. Homestake Mining, damals der bedeutendste amerikanische Goldproduzent, entwickelte sich während der Depression außergewöhnlich stark. Der Goldpreis blieb zunächst fixiert, während Löhne, Energie und andere Produktionskosten sanken. Dadurch weiteten sich die Margen aus. Die Aktie stieg laut einem zeitgenössischen Bericht des Time Magazine von ungefähr 65 Dollar im Jahr 1929 auf mehr als 300 Dollar 1933. Allerdings profitierte das Unternehmen zusätzlich von höheren Erzgehalten, weshalb sich seine Entwicklung nicht allein mit dem Goldpreis erklären lässt.

1933 löste Präsident Franklin D. Roosevelt die Bindung des Dollars an Gold schrittweise auf. Im Januar 1934 wurde der offizielle Goldpreis schließlich auf 35 Dollar angehoben. Das entsprach einem Anstieg von rund 69 Prozent beziehungsweise einer erheblichen Abwertung des Dollars gegenüber Gold. Für amerikanische Privatanleger war dies jedoch kein normal realisierbarer Kursgewinn: Roosevelt hatte die private Goldhaltung bereits 1933 stark eingeschränkt und die Abgabe größerer Bestände angeordnet.

Die 1920er-Jahre waren keine gewöhnliche Inflationsphase

Auch bei der Liquidität unterscheidet sich die historische Realität von einer einfachen Erzählung aus exzessivem Gelddrucken, Inflation und anschließendem Crash.

Die amerikanische Geldmenge war in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre kräftig gewachsen. M1 stieg von ungefähr 20,5 Milliarden Dollar im Januar 1922 auf 26,2 Milliarden Dollar im September 1925 – ein Zuwachs von knapp 28 Prozent. Im September 1929 lag die Geldmenge jedoch noch immer ungefähr auf diesem Niveau. Der größte Teil der monetären Expansion hatte damit bereits mehrere Jahre vor dem Aktienmarkthoch stattgefunden.

Bei den Verbraucherpreisen war von einer großen Inflation ebenfalls wenig zu sehen. Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics stiegen die Preise zwischen 1922 und 1926 durchschnittlich um 1,4 Prozent pro Jahr. Von 1926 bis 1929 sanken sie im Mittel sogar um 1,1 Prozent jährlich.

Gleichzeitig explodierten jedoch Aktienkurse, Börsenumsätze und die Kreditaufnahme für Wertpapierkäufe. Anleger finanzierten Aktien über kurzfristige sogenannte Call Loans, während Investment Trusts – die Vorläufer moderner Investmentfonds – immer populärer wurden. Die späten 1920er-Jahre waren deshalb weniger von einer klassischen Verbraucherpreisinflation als von einer kreditgetriebenen Vermögenspreisinflation geprägt.

Die Federal Reserve reagierte ab 1928 auf die wachsende Spekulation. Sie verkaufte Staatsanleihen, erschwerte Banken die Finanzierung von Börsenkrediten und erhöhte den New Yorker Diskontsatz im August 1929 auf 6 Prozent. Über den internationalen Goldstandard zwang die amerikanische Straffung auch andere Zentralbanken zu einer restriktiveren Politik. Die Federal Reserve räumt rückblickend ein, dass diese Maßnahmen die Wirtschaft weltweit belasteten und zur Rezession beitrugen.

Direkt nach dem Oktobercrash stellte die New Yorker Fed dem Bankensystem zunächst zusätzliche Reserven bereit, kaufte Staatsanleihen und senkte den Diskontsatz. Dadurch konnte verhindert werden, dass der Börsencrash sofort eine umfassende Bankenkrise auslöste.

Das eigentliche monetäre Desaster begann ab Herbst 1930. Bankpleiten vernichteten Einlagen, Sparer hoben Bargeld ab, Banken horteten Reserven und die Kreditvergabe brach ein. Zwischen Herbst 1930 und Anfang 1933 schrumpfte die US-Geldmenge nach Angaben der Federal Reserve um nahezu 30 Prozent. Die Preise fielen in einem ähnlichen Umfang.

Bemerkenswert ist, dass die monetäre Basis später nicht genauso stark zurückging und zwischenzeitlich sogar wuchs. Trotzdem erreichte das Zentralbankgeld die Realwirtschaft nicht ausreichend, weil der Geldmultiplikator kollabierte. Die Banken hielten mehr Reserven, während die Bevölkerung Bankeinlagen in Bargeld umwandelte. Eine Untersuchung der Federal Reserve Bank of St. Louis beschreibt deshalb trotz niedriger Nominalzinsen ausgesprochen restriktive monetäre Bedingungen.

Der Crash von 1929 wurde damit nicht einfach durch eine vorherige allgemeine Geldentwertung ausgelöst. Auf eine kreditgetriebene Vermögensblase und eine geldpolitische Straffung folgten Bankenpaniken, ein Zusammenbruch des Geldmultiplikators und eine historische Deflation.

Befindet sich die heutige Euphorie überhaupt bei Bitcoin?

Genau an dieser Stelle entsteht das stärkste Gegenargument zu McGlone. Bitcoin hat bereits etwa die Hälfte seines Wertes verloren, während die großen Aktienindizes weiterhin Rekordstände erreichen. Vor allem die Euphorie um künstliche Intelligenz zieht einen erheblichen Teil des spekulativen Kapitals an.

Damit unterscheidet sich die heutige Marktstruktur wesentlich von der vereinfachten Darstellung eines weiterhin euphorischen Kryptomarktes. Bitcoin befindet sich in einem ausgeprägten Bärenmarkt, das öffentliche Interesse ist deutlich zurückgegangen und die Nachfrage über die US-Spot-ETFs ist zeitweise in Nettoabflüsse umgeschlagen. Gleichzeitig werden an den Aktienmärkten weiterhin hohe Erwartungen an KI-Unternehmen, Rechenzentren, Halbleiter und die dazugehörige Energieinfrastruktur eingepreist.

Sollte sich tatsächlich eine mit 1929 vergleichbare Vermögensblase aufgebaut haben, müsste daher zunächst geklärt werden, ob ihr Zentrum überhaupt noch bei Bitcoin liegt. Die Parallele könnte ebenso auf jene Teile des Aktienmarktes zutreffen, in denen Gewinnerwartungen weit in die Zukunft fortgeschrieben und dauerhaft hohe Bewertungen mit einem technologischen Paradigmenwechsel gerechtfertigt werden.

Auch Gold zeigt derzeit nicht dieselben Merkmale einer breiten, spekulativen Massenbewegung. Wenn sowohl Gold als auch Bitcoin als knappe monetäre Gegenassets betrachtet werden, während das spekulative Kapital vorwiegend in Aktien fließt, erscheint McGlones Zuordnung zumindest angreifbar.

Die Gegenposition lautet deshalb: Vielleicht ist die historische Analogie nicht grundsätzlich falsch, aber Bitcoin wird darin der falschen Seite zugeordnet. Während die Euphorie an den Aktienmärkten anhält, könnte Bitcoin bereits einen erheblichen Teil seiner spekulativen Überbewertung abgebaut haben und eher dem unterschätzten monetären Gegenasset als den überhitzten Aktien des Jahres 1929 ähneln.

Warum der Goldvergleich Bitcoin trotzdem nicht automatisch rettet

Aus der starken Rolle von Gold während der Großen Depression folgt allerdings nicht, dass Bitcoin vor einer weiteren Abwärtsbewegung geschützt wäre.

Gold war 1929 gesetzliches Basisgeld mit einem staatlich garantierten Umtauschkurs. Bitcoin ist dagegen ein frei gehandeltes, hochvolatiles Asset. Sein Kurs wird kurzfristig stark von globaler Liquidität, Risikobereitschaft, ETF-Strömen und der Positionierung gehebelter Anleger beeinflusst. In akuten Liquiditätskrisen kann Bitcoin deshalb zunächst gemeinsam mit Aktien und anderen Risikoanlagen verkauft werden.

Auch ein Rückgang um 50 Prozent beweist keine fundamentale Unterbewertung. Historische Bitcoin-Bärenmärkte führten wiederholt zu Verlusten von 70 bis 80 Prozent. Sollte eine schwere Rezession, eine Bankenkrise oder eine erneute Kontraktion der globalen Geldmenge eintreten, könnte der Verkaufsdruck trotz der langfristigen Knappheit von Bitcoin weiter zunehmen.

McGlones Verweis auf das Jahr 1930 besitzt daher einen berechtigten Kern: Nach dem ersten historischen Crash folgte eine kräftige Erholung, die sich später als Bärenmarktrally erwies. Anleger sollten aus einem starken Kursrückgang nicht automatisch schließen, dass sämtliche Risiken eingepreist seien.

Ebenso wenig ist garantiert, dass die ETFs ausschließlich eine dauerhafte Nachfragequelle darstellen. Sie erleichtern nicht nur den Kauf, sondern auch den Verkauf von Bitcoin. Institutionelles Kapital ist nicht zwangsläufig langfristig gebunden und kann bei einer Verschlechterung der Marktbedingungen schnell abfließen.

Eine Warnung vor Selbstsicherheit, aber kein Beweis für einen neuen 1929-Crash

McGlones Vergleich mit Irving Fisher trifft einen wichtigen Punkt: Anleger sollten strukturelle Fortschritte wie Spot-ETFs, institutionelle Akzeptanz und politische Unterstützung nicht mit einer Garantie für dauerhaft steigende Kurse verwechseln. Auch ein langfristig überzeugendes Asset kann überbewertet sein, über Jahre fallen oder zeitweise seine Funktion als Wertspeicher verlieren.

Als Beleg dafür, dass Bitcoin seinen endgültigen Höhepunkt bereits erreicht hat und nun einem Absturz wie dem US-Aktienmarkt nach 1929 entgegensieht, reicht die Analogie jedoch nicht aus. Dafür unterscheiden sich die monetären Systeme, die Rolle von Gold, die heutige Marktstruktur und die Verteilung der Spekulation zu stark.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob sich Geschichte exakt wiederholt. Sie lautet, welches Asset heute tatsächlich die Rolle der euphorisch bewerteten Aktien von 1929 einnimmt.

Wenn die größte Selbstsicherheit bei KI-Aktien und den weiterhin rekordhohen Aktienmärkten zu finden ist, während Bitcoin bereits 50 Prozent verloren hat, könnte McGlones Vergleich die Risiken im Kryptomarkt überschätzen und die Spekulation an anderer Stelle unterschätzen. Sollte Bitcoin langfristig tatsächlich Eigenschaften von digitalem Gold entwickeln, wäre die historische Lehre aus den 1930er-Jahren zudem weniger eindeutig bearish: In der anschließenden Deflation verlor nicht das harte Geld seine Kaufkraft, sondern die überbewerteten und kreditfinanzierten Risikoanlagen.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: Die heutigen Finanzmärkte befinden sich bereits seit über zwei Jahrzehnten in einer wachsenden Abhängigkeit nach künstlicher Liquidität, die durch das Fehlen eines heutigen Goldstandards und wiederkehrender lockerer Geldpolitik in den Finanz- und Wirtschaftskreislauf gepumpt wird. Ein Szenario wie zur Zeit des großen Börsencrashs würde heutzutage eine entsprechende Antwort der globalen Zentralbanken hervorrufen, die die Geldmenge erneut massiv ausweiten würde, was ein starker Katalysator für den Bitcoin-Kurs ist, zumindest wenn man auf die Historie von Bitcoin schaut.

McGlones Warnung bleibt damit ein sinnvoller Anlass, die eigene Überzeugung zu hinterfragen. Eine belastbare Crash-Prognose ist sie bislang aber nicht.

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