de
Zurück zur Liste

Kein Bitcoin-Verkauf für Dividenden bei niedrigem mNAV: Hat Strategy schon wieder die eigenen Regeln gebrochen?

source-logo  blocktrainer.de 20 Juli 2026 12:08, UTC
image

Alle Augen auf möglichen Bitcoin-Verkäufen

Bei der Quartalspräsentation Anfang Mai bereitete das Unternehmen mit 843.775 $BTC auf der Bilanz den Markt auf Bitcoin-Verkäufe vor. Denn laut dem Management sei es bei einer niedrigen Unternehmensbewertung sinnvoller, die $BTC-Reserve anzuzapfen, um die Dividenden der Vorzugsaktien zu bezahlen, als neue MSTR-Aktien dafür zu emittieren.

Unterhalb eines mNAV von 1,22 x ist es für uns tatsächlich sinnvoller, Bitcoin zu verkaufen, um die Dividenden zu bezahlen.
Phong Le

Are you sure? According to Phong Le, breakeven mNAV was 1.22x.

It was below that the whole week. If they nonetheless sold MSTR for cash (which should the be more or less the same math), it could be the next huge mistake. pic.twitter.com/TY9jFq5KPg

— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) June 26, 2026

Das mNAV errechnet sich wie folgt: Marktkapitalisierung zuzüglich Nominalwert der ausstehenden Schulden und Wandelanleihen geteilt durch den Wert der Bilanz.

Der erste Termin danach, an dem Dividenden ausgeschüttet werden mussten, war der Monatswechsel von Mai auf Juni. Da verkaufte Strategy dann auch schon 32 Bitcoin für 2,5 Millionen US-Dollar.

Doch weil das mNAV zu der Zeit noch bei circa 1,22 x lag, wurden sich quasi die gesamten benötigten rund 100 Millionen US-Dollar für die monatliche STRC-Dividende durch die Ausgabe neuer MSTR-Aktien beschafft.

In Reaktion auf die Bekanntgabe des kleinen, symbolischen Verkaufs brach der Bitcoin-Kurs deutlich ein. Grund dafür war wohl, dass vom Markt eingepreist wurde, dass Strategy jetzt überwiegend auf der Verkäuferseite aktiv sein wird.

In den 3 Wochen darauf wurden schließlich aber wieder insgesamt 3.657 $BTC gekauft – finanziert durch die Ausgabe von Stammaktien. Doch dann sank das mNAV gegen Ende Juni wieder deutlich, womit nach den Regeln eigentlich keine MSTR-Aktien emittiert werden sollten, um Bitcoin zu kaufen oder Dividenden zu bezahlen.

Zum Ende des zweiten Quartals mussten dann neben der letzten monatlichen STRC-Dividende auch die quartalsweise anfallenden Ausschüttungen der anderen Vorzugsaktien vorgenommen werden.

Und tatsächlich finanzierte Strategy diese Zahlungen dann auch komplett durch Bitcoin-Verkäufe. Es wurden nämlich 3.588 Bitcoin für 216 Millionen US-Dollar abgestoßen – zu einem durchschnittlichen Verkaufskurs von ungefähr 60.200 US-Dollar je Coin.

An dem Tag, an dem der Bitcoin-Verkauf verkündet wurde, brach Bitcoin zwar kurz ein, konnte im Laufe des Tages aber wieder ins Plus drehen, was grundsätzlich als positives Zeichen für den Markt gewertet wurde.

Da sich das mNAV bis dato nicht wieder erholen konnte und in der vergangenen Woche die erste halbmonatliche STRC-Dividende für insgesamt circa 50 Millionen US-Dollar anstand, hätte man entsprechend annehmen können, dass jetzt wieder Bitcoin verkauft wurden.

Doch wie heute bekannt wurde, entschied sich Strategy trotz eines mNAV von nur etwa 1,02 x dafür, die Dividenden durch die MSTR-Emission und nicht durch Bitcoin-Verkäufe zu finanzieren.

Keine Bitcoin-Verkäufe für Dividenden trotz niedrigem mNAV

Quelle: 8-K-Filing

Dem heute eingereichten 8-K-Filing war letztlich zu entnehmen, dass Strategy insgesamt 2.732.318 neue MSTR-Aktien für 266,5 Millionen US-Dollar emittierte.

225 Millionen US-Dollar wurden davon genutzt, um die Cash-Reserve von 3 auf 3,225 Milliarden US-Dollar zu vergrößern. Damit deckt sie jetzt 22 Monate an Dividendenzahlungen ab.

Zum 19. Juli 2026 belief sich der Bestand einer US-Dollar-Reserve auf 3,225 Milliarden US-Dollar.
Aus dem 8-K-Filing

Der Rest, also 41,5 Millionen US-Dollar, dürfte in die erste halbmonatliche STRC-Dividende geflossen sein. Seit Juli schüttet STRC nämlich zweimal pro Monat aus.

In der Woche zuvor emittierte Strategy bereits für 466,7 Millionen US-Dollar neue MSTR-Aktien. Mit 450 Millionen US-Dollar wurde die Cash-Reserve vergrößert. Der Rest scheint für die STRC-Dividende zurückgehalten worden zu sein.

Das heißt, dass Strategy trotz niedrigem mNAV die Dividende durch die Ausgabe von Stammaktien finanziert hat, obwohl es laut eigener Kommunikation eigentlich sinnvoller gewesen sei, Bitcoin zu verkaufen.

Die Änderungsrate der Ratio „$BTC je Aktie“, die sogenannte „$BTC Yield“, sank im Zuge der Aktivitäten vergangener Woche von 6,6 auf 5,8 % seit Jahresauftakt gemessen. In anderen Worten: Eine Aktie repräsentiert jetzt weniger Bitcoin als zuvor.

Strategys nächster Regelbruch?

Wenn ein Unternehmen klipp und klar kommuniziert, dass es unter gewissen Umständen besser wäre, X zu tun, dann aber Y macht, wenn es so weit ist, ist dies eigentlich mit einem Regelbruch gleichzusetzen.

Strategy hat zwar kein explizites Framework vorgestellt, laut dem ab einem gewissen mNAV keine Stammaktien mehr für Dividenden oder Sonstiges ausgegeben werden, doch die Aktionäre dürften sich dennoch darauf eingestellt haben.

Streng genommen wurde die neue Kommunikationslinie auch schon gebrochen, als Strategy seit Ende Mai für insgesamt mehr als 2,35 Milliarden US-Dollar neue MSTR-Aktien emittierte, um die Cash-Reserve von 871 Millionen auf aktuell 3,225 Milliarden US-Dollar zu vergrößern, während das mNAV teilweise unter der besagten Schwelle lag.

Denn grundsätzlich sollten die gleichen Regeln gelten, wenn es darum geht, Dividenden zu bezahlen oder Cash für eine Dividendenreserve auf die Seite zu legen.

Das von Michael Saylor gegründete Unternehmen ist auch schon mehrfach negativ dadurch aufgefallen, dass es bestimmte Richtlinien wieder über Bord geworfen hat:

So wurde im Sommer 2025 beispielsweise ein mNAV-Framework vorgestellt, laut dem erst ab einem mNAV von 2,5 x neue MSTR-Aktien emittiert werden, um Bitcoin zu kaufen. Rund 3 Wochen später gab es ein Update, in dem es hieß, dass dies auch darunter geschehen kann, sofern es „vorteilhaft für das Unternehmen“ ist.

Das initiale mNAV-Framework vom 31.07.25
Das überarbeitete mNAV-Framework vom 18.08.25

Und als die Cash-Reserve Ende 2025 errichtet wurde, hieß es, dass diese immer 2 bis 3 Jahre an Zahlungsverpflichtungen abdecken soll. Doch als dann im Laufe dieses Jahres einige neue STRC-Aktien ausgegeben wurden, reichten die damaligen 2,25 Milliarden US-Dollar schon im April nur noch für circa 1,5 Jahre.

Dann wurden im Mai auch noch 1,38 Milliarden US-Dollar aus dem Puffer genutzt, um Wandelanleihen zu einem Abschlag zurückzukaufen. Danach reichte die Reserve nur noch für ein halbes Jahr an Dividendenzahlungen.

Selbst Strategy-CEO Phong Le erklärte mehrfach, dass das wohl der Hauptgrund für die bis heute anhaltende STRC-Schwäche war.

Hinzu kommt dann auch noch, dass Michael Saylor immer wieder im Kontext von Strategy versprach, niemals zu verkaufen. Als Strategy dann tatsächlich $BTC veräußerte, behauptete er, nie gesagt zu haben, dass Strategy niemals verkaufen würde – was nachweislich falsch ist.

Sogar in den offiziellen Unternehmensprinzipien stand früher, dass Strategy die Bitcoin für immer halten würde.

Die alten Prinzipien von Strategy
Die neuen Prinzipien von Strategy

Als wäre das noch nicht genug, erklärte Michael Saylor Ende Juni, als ein neues „Digital Credit Capital Framework“ vorgestellt wurde, dass man hinsichtlich der MSTR-Emission „diszipliniert“ bleiben werde – vor allem, wenn das mNAV nahe 1 x ist.

Strategy beabsichtigt, bei der Ausgabe von MSTR weiterhin diszipliniert vorzugehen, insbesondere wenn die Aktie zu oder nahe einem mNAV von 1 x gehandelt wird.
Michael Saylor

Strategy expects to remain disciplined in its use of $MSTR issuance, particularly when the stock trades at or near 1x mNAV.

— Michael Saylor (@saylor) June 29, 2026

Seither emittierte Strategy für Hunderte Millionen US-Dollar neue MSTR-Aktien, um die Cash-Reserve zu vergrößern und Dividenden zu bezahlen.

Das mNAV von Strategy seit Sommer 2025

Wieso es besser sein kann, MSTR statt $BTC zu verkaufen

Auch wenn es ab einem gewissen mNAV besser für die „$BTC Yield“ wäre, Bitcoin anstelle von Stammaktien zu verkaufen, heißt das nicht gleich, dass es auch im Sinne der Halter der Vorzugsaktien ist.

Denn während bei Bitcoin-Verkäufen die Kapitalbasis sinkt und entsprechend bei gleichbleibendem Kurs weniger „Abdeckung“ der Dividenden durch die $BTC-Reserve vorhanden ist, lässt die Emission von Stammaktien die Bilanz unverändert.

Möglicherweise ist Strategy gerade also in erster Linie darauf fokussiert, die Vorzugsaktien wieder möglichst attraktiv zu machen, was auch durch die starke Vergrößerung der Cash-Reserve deutlich wird.

Darunter leiden jedoch die MSTR-Halter. Mitte Mai lag die seit Jahresauftakt erzielte „$BTC Yield“ nämlich noch bei 13,3 % – jetzt sind es eben nur noch 5,8 %.

Der Kurs der Stammaktie reagierte aber in den vergangenen Wochen nicht mehr sonderlich negativ auf die 8-K-Filings, in denen ersichtlich wurde, dass die Aktionäre weiter „verwässert“ wurden. Auch heute war MSTR in Bitcoin gemessen zum Börsenstart im Plus.

Hinzu kommt, dass die MSTR-Aktie ein verhältnismäßig hohes Handelsvolumen aufweist, das es selbst in schlechten Marktphasen wie aktuell ermöglicht, einige Hundert Millionen US-Dollar durch die Neuausgabe einzunehmen, ohne den Kurs nennenswert zu bewegen.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass Strategy unbedingt noch als Nettokäufer gelten möchte. Das ist tatsächlich seit der Verkaufsmeldung vom 1. Juni noch der Fall, obwohl nach den 32 $BTC sogar noch 3.588 $BTC verkauft wurden. Dazwischen kaufte Strategy nämlich 3.657 $BTC hinzu.

Wenn Strategy in der vergangenen Woche die Dividenden durch Bitcoin-Verkäufe finanziert hätte, wäre das Unternehmen seit Ende Mai Nettoverkäufer gewesen, obwohl das übergeordnete Ziel noch ist, mehr zu kaufen als zu verkaufen.

Inwieweit Strategy in der Zukunft wieder auf der Käuferseite aktiv sein kann, dürfte in erster Linie von den Marktbedingungen abhängen, also davon, wie sich das mNAV verhält und ob es gelingt, STRC wieder in Richtung der 100-US-Dollar-Marke steigen zu lassen, ab der neue STRC-Aktien emittiert werden können.

Aktuell handelt STRC trotz einer Cash-Reserve, die aktuell so groß ist wie nie zuvor, nur bei circa 87 US-Dollar und damit weit von dem Zielniveau entfernt. Dieser Umstand dürfte auch auf den Vertrauensverlust zurückzuführen sein.

Interessant war jetzt aber auch, dass sich Bitcoin seit Mitte Juni, als Strategy zum letzten Mal gekauft hat, relativ gut schlagen konnte. Eine große Sorge war nämlich immer, dass, wenn das Unternehmen irgendwann nicht mehr kaufen kann oder sogar wieder Coins abstößt, der $BTC-Kurs deutlich einbrechen wird.

blocktrainer.de