Mining-Aktien entkoppeln sich von Bitcoin
Lange Zeit galten Mining-Aktien als gehebelte Wette auf den Bitcoin-Kurs. Riot Platforms verzeichnete im Jahr 2020 ein Plus von 1.417 Prozent, während Bitcoin im gleichen Zeitraum um 298 Prozent zulegte. Dieses Muster hat sich inzwischen umgekehrt. Im laufenden Jahr 2026 ist Bitcoin um 29 Prozent gefallen, während Riot um 80 Prozent und MARA um 44 Prozent gestiegen sind. Die Kursentwicklung der Miner folgt damit einer völlig anderen Logik als der Kryptomarkt.
Laut 10x Research bewegen sich Riot-Aktien seit April 2026 im Gleichschritt mit dem Halbleiter-ETF SOX. Beide haben sich zuletzt gemeinsam von ihren Hochpunkten zurückgezogen. Die Research-Firma warnt, dass diese neue Abhängigkeit für Krypto-Investoren erhebliche Konsequenzen hat: Wer in Mining-Aktien investiert, muss künftig auch die Entwicklungen im KI-Sektor und bei Halbleiterlieferketten im Blick behalten.
Chip-Sentiment trifft Miner-Bewertungen
Die Anfälligkeit gegenüber Halbleiter-Nachrichten zeigte sich exemplarisch am Dienstag. Samsung-Aktien fielen um 6 Prozent, obwohl das Unternehmen einen 19-fachen Gewinnanstieg prognostiziert hatte. Gleichzeitig verlor Riot 7,5 Prozent auf 21,16 US-Dollar und liegt damit rund 26 Prozent unter seinem Hoch vom späten Juni. MARA rutschte um 6 Prozent auf 12,17 US-Dollar ab. Bitcoin hingegen notierte zum Zeitpunkt der Berichterstattung bei rund 63.042 US-Dollar und hielt sich damit oberhalb der Unterstützungszone bei 58.115 US-Dollar.
Rekordverkäufe finanzierten den Strategiewechsel
Der Kursdruck auf Mining-Aktien trifft einen Sektor, der sich in den vergangenen Monaten grundlegend neu ausgerichtet hat. Öffentlich gehandelte Miner verkauften im ersten Quartal 2026 insgesamt 32.000 $BTC, mehr als in dem gesamten Vorjahr 2025 und deutlich mehr als die rund 20.000 $BTC, die während des Terra-Luna-Zusammenbruchs 2022 auf den Markt kamen. Riot allein verkaufte in diesem Zeitraum 3.778 $BTC für 289,5 Millionen US-Dollar, mehr als doppelt so viele, wie das Unternehmen mit 1.473 $BTC selbst produziert hatte. Der eigene Bitcoin-Bestand schrumpfte dabei um 18 Prozent auf 15.680 $BTC. Die Erlöse fließen in den Bau von Rechenzentren.
Blockstream-CEO Adam Back sieht den KI-Schwenk dennoch nicht als Risiko. Er bezeichnet die Strategie als Margenverstärker, nicht als Bedrohung für die Sicherheit des Netzwerks.
Warum Bitcoin den Schaden vermied
Die Entkopplung schützt Bitcoin in beide Richtungen. Da Miner-Aktien nun auf Basis erwarteter KI- und Rechenzentrumsumsätze bewertet werden, drückt abkühlendes Chip-Sentiment zwar die Aktienkurse, berührt aber weder Bitcoins Angebot noch seine Nachfrage. Hinzu kommt, dass die größten $BTC-Verkäufe der Miner bereits Monate zurückliegen und damals Käufer fanden. Strategy allein erwarb im März 44.377 $BTC, was 94 Prozent aller Käufe öffentlicher Unternehmen in jenem Monat entsprach. Die aktuelle Korrektur ist von keiner vergleichbaren Verkaufswelle begleitet. Ob KI-Einnahmen die neuen Bewertungen rechtfertigen können, dürften die kommenden Quartalsergebnisse der Miner zeigen.