Das Unternehmen von Michael Saylor, Strategy , hat mit einem zentralen Grundsatz gebrochen: niemals Bitcoin verkaufen. Gestern wurde der bislang größte Verkauf angekündigt, weitere könnten folgen.
Das sorgt am Markt für Irritationen. Nach Einschätzung des Krypto-Vermögensverwalters Grayscale stärken die Verkäufe jedoch gerade das Vertrauen und helfen Bitcoin, einen stabileren Boden auszubilden.
„An der Bilanz von Strategy ist nichts auszusetzen“
Zach Pandl, Analysechef bei Grayscale, sieht in einer Mitteilung keinen Anlass zur Panik. „Auf den ersten Blick ist an der Bilanz von Strategy nichts auszusetzen. Das Unternehmen hält Bitcoin im Wert von rund 52 Milliarden Dollar und hat lediglich Schulden von etwa 7 Milliarden Dollar.“
„Die jährlichen Dividendenverpflichtungen auf die Vorzugsaktien liegen bei weniger als 2 Milliarden Dollar. Strategy verfügt offenkundig über ausreichend finanzielle Mittel, um Schulden und Dividenden bedienen zu können.“
Strategy verkaufte vergangene Woche 3.588 Bitcoin, um die Dividendenzahlungen direkt zu finanzieren. Das neue Monetarisierungsprogramm erlaubt solche Verkäufe bis zu einem Höchstbetrag von 1,25 Milliarden Dollar, sodass die Dollarreserve nicht angegriffen werden muss.
Die Kasse bleibt dadurch mit rund 2,55 Milliarden Dollar gefüllt. Das reicht, um Dividendenverpflichtungen für etwa 17 Monate abzudecken. Ohne den Verkauf wäre dieser Puffer geschrumpft. Mit 843.775 Bitcoin bleibt Strategy mit großem Abstand der größte Bitcoin-Halter unter Unternehmen.
Die Dividendenzahlungen fließen größtenteils an Inhaber der STRC-Aktie. Dabei handelt es sich um eine Vorzugsaktie, also eine besondere Aktiengattung mit Vorrang bei der Dividendenausschüttung.
Strategy hat in den vergangenen Jahren Milliarden mit solchen Aktien eingesammelt; STRC ist die größte und wichtigste Variante. Nach einer jüngsten Anhebung erhalten Inhaber 12 Prozent pro Jahr.
Für diese Investoren steht eine Frage im Mittelpunkt: Kann Strategy diese Dividende weiter zahlen? Die Sorge wuchs, als die Dollarreserve nach der Rückzahlung von Schulden deutlich schrumpfte.
Diese Zweifel ließen sich am Kurs gut ablesen. STRC fiel vor zwei Wochen unter 75 Dollar und damit deutlich unter den Nennwert von 100 Dollar, zu dem die Aktie ausgegeben wurde.
Das ist ein heikles Niveau, denn Strategy kann neue STRC-Aktien zur Kapitalaufnahme nur zu diesem Nennwert ausgeben. Deshalb setzt das Unternehmen nun alles daran, das Vertrauen wiederherzustellen. Inzwischen notiert der Kurs bei knapp 90 Dollar.
Viele andere Optionen hat Strategy derzeit nicht. Die einzige Alternative wäre die Ausgabe neuer MSTR-Aktien, doch das verwässert die bestehenden Aktionäre. Dann kämen zusätzliche Aktien hinzu, wodurch jede bestehende Aktie einen kleineren Anteil am Unternehmen verbrieft.
Das wiegt derzeit besonders schwer, weil der Börsenwert des Unternehmens unter dem Wert seiner Bitcoin-Reserve liegt. Jede neue Aktie bringt dann weniger Kapital ein als der Bitcoin, der rechnerisch dahintersteht. Bestehende Aktionäre sehen ihren Anteil am Bitcoin-Bestand dadurch weiter schrumpfen.
Grayscale widerspricht JPMorgan entschieden
Pandl geht noch einen Schritt weiter. Aus seiner Sicht verringern die Verkäufe sogar die sogenannten Extremrisiken für Bitcoin. Gemeint ist die geringe Wahrscheinlichkeit eines extremen Schocks – in diesem Fall das Negativszenario, dass Strategy eines Tages gezwungen sein könnte, seinen Bestand in großem Stil zu verkaufen.
Indem Strategy jetzt zu eigenen Bedingungen kleinere Mengen verkauft, werde die Bilanz gestärkt und genau dieses Szenario unwahrscheinlicher, argumentiert Pandl. Die Verkäufe senkten damit die langfristigen Risiken, statt sie zu erhöhen.
JPMorgan bewertet die Lage völlig anders. Die Analysten der US-Großbank warnten vergangene Woche davor, dass Strategy dem Kryptomarkt als Käufer und Verkäufer ein „vermeidbares Risiko in beide Richtungen“ hinzufüge.
Sie halten den aktuellen Puffer von 17 Monaten für zu knapp und plädieren für eine Deckung über 24 bis 36 Monate. Dann wären neue Verkäufe weniger schnell nötig.
Pandl bleibt bei seiner Einschätzung. „Strategy verkauft mehr Bitcoin. Aus unserer Sicht wird das jedoch das Vertrauen in die Finanzierungsstruktur des Unternehmens wiederherstellen und Bitcoin helfen, einen tragfähigeren Boden zu finden.“