Der Bitcoin-Markt befindet sich aktuell in einer klassischen Bärenmarktphase – und die zentrale Frage lautet: Wann und auf welchem Niveau wird sich der Boden dieses Zyklus ausbilden?
Während kurzfristige Kursbewegungen für Unsicherheit sorgen, lohnt sich ein Blick auf die Einschätzungen führender Marktanalysten und Institutionen. Diese liefern unterschiedliche, teils konträre Perspektiven auf den weiteren Verlauf des Zyklus.
Benjamin Cowen: Klassischer Zyklus spricht für Boden im Q4 2026
Der bekannte Marktanalyst Benjamin Cowen sieht den aktuellen Verlauf stark im Einklang mit historischen Bitcoin-Zyklen.
Kernaussagen:
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2026 als typisches Midterm-/Bärenmarktjahr:
Historisch fällt das vierte Jahr nach dem Halving mit einer längeren Korrekturphase zusammen. -
Klassisches Markt-Pattern bestätigt sich bisher:
- Tief im Februar
- Lower High im März
- Rücksetzer ab April
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Base Case für den Boden:
→ Oktober 2026 -
Aktuelle Rally nur Gegenbewegung:
Kurzfristige Anstiege seien typische Bear-Market-Rallies, keine Trendwende. -
Mögliches Kursziel nach unten:
Szenarien zwischen 30.000 und 42.000 Dollar gelten als realistisch, insbesondere bei historischen Drawdowns von 70–80 %.
Cowens Fazit: Der Markt bleibt bis mindestens Q4 2026 im Bärenmodus – Geduld ist entscheidend.
Midterm-Jahre: Die „Abkühlungsphase“ im Bitcoin-Zyklus
Ein wichtiger Kontext ist das sogenannte Midterm-Jahr (z. B. 2014, 2018, 2022, 2026). Diese Phase ist geprägt durch:
- Nachlassendes Momentum nach starken Bullenjahren
- Höhere Volatilität
- Längere und tiefere Korrekturen
- Seitwärtsbewegungen statt klarer Trends
Der finale Boden bildet sich historisch häufig erst im vierten Quartal – oft nach den US-Zwischenwahlen.
Ki Young Ju: Institutionelle Nachfrage verändert den Zyklus
Der CEO von CryptoQuant, Ki Young Ju, hat seine zuvor klar bärische Haltung zuletzt etwas angepasst.
Entwicklung seiner Einschätzung:
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Anfang 2026 (bärisch):
- Kein Boden in Sicht
- Anhaltender Verkaufsdruck
- Mögliches Ziel: ~55.000 Dollar (Realized Price)
- Erwartung: Seitwärtsphase statt Crash
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April 2026 (konstruktiver):
- Institutionelle Käufer setzen neue Preisuntergrenze
- „Bargain-Phase“ könnte sich dem Ende nähern
Zentrale These:
Institutionelle Kapitalzuflüsse (ETFs, Unternehmen) verändern die Marktstruktur nachhaltig:
- Weniger extreme Drawdowns
- Stabilere Preisbildung
- Längere Akkumulationsphasen
Fazit: Der Markt könnte sich bereits in einer späten Bodenbildungsphase befinden.
Jan van Eck: Bodenbildung bereits im Gange
Auch Jan van Eck, CEO von VanEck, sieht den Markt konstruktiver.
Kernaussagen:
- Bitcoin befindet sich weiterhin im Bärenmarkt – aber der Boden formiert sich bereits
- Makro-Unterstützung bei 60.000–70.000 Dollar
- Institutionelle Nachfrage stabilisiert den Markt deutlich stärker als in früheren Zyklen
- Erwartung:
→ Langsame, graduelle Erholung statt V-förmiger Rally
VanEck interpretiert die aktuelle Phase als Einstiegsgelegenheit für langfristige Investoren.
Tom Lee: Bullenmarkt könnte bereits wieder begonnen haben
Der wohl optimistischste Ausblick kommt von Tom Lee von Fundstrat Global Advisors.
Seine Position:
- Krypto-Winter bereits vorbei oder endet spätestens im April 2026
- Tiefpunkte aus Februar/März gelten als finaler Boden
- Bitcoin könnte 2026 neue Allzeithochs erreichen
Kursziel:
→ 200.000 bis 250.000 Dollar
Begründung:
- Starke institutionelle Nachfrage
- Technische Bottom-Signale
- Makro-Liquidität als entscheidender Treiber
Lee sieht den klassischen 4-Jahres-Zyklus als zunehmend irrelevant und spricht von einer möglichen Superzyklus-Fortsetzung.
Arthur Hayes: Liquidität entscheidet über den nächsten Bullenmarkt
Arthur Hayes bringt eine makroökonomische Perspektive ins Spiel.
Seine Kernthese:
Bitcoin wird aktuell von einer Relief Rally getragen – keine nachhaltige Trendwende.
Erwartete Range:
→ 60.000 bis 90.000 Dollar
Entscheidender Faktor:
- Geldpolitik der Notenbanken, insbesondere der Fed
Mögliche Trigger für neuen Bullenmarkt:
- Wirtschaftliche Probleme durch KI-bedingte Jobverluste
- Steigende Staatsausgaben (z. B. geopolitische Konflikte)
Nur eine deutliche Ausweitung der Geldmenge könnte laut Hayes einen echten Aufwärtstrend auslösen.
Fazit: Fünf Szenarien für den Bitcoin-Boden
Die aktuellen Einschätzungen lassen sich auf vier zentrale Szenarien verdichten:
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Klassischer Zyklus (Cowen):
Boden erst im Q4 2026, weitere Abwärtsbewegung möglich -
Struktureller Wandel (Ju):
Späte Akkumulationsphase, stabilisiert durch Institutionen -
Frühe Bodenbildung (van Eck):
Boden bereits in Arbeit, moderate Erholung folgt -
Bullisches Szenario (Lee):
Boden bereits erreicht, neuer Bullenmarkt startet -
Makro-getrieben (Hayes):
Seitwärtsphase, bis Liquidität den nächsten Impuls liefert
Einordnung: Was Anleger jetzt beachten sollten
Unabhängig vom genauen Timing gilt:
- Der Markt befindet sich weiterhin im Bärenmarktumfeld
- Kurzfristige Rallys sind kein verlässlicher Trendindikator
- Langfristige Perspektiven bleiben für viele Investoren intakt
Die aktuelle Phase ist historisch betrachtet jene, in der sich langfristige Positionen am besten aufbauen – allerdings ohne Garantie, dass der Tiefpunkt bereits erreicht ist.