Eigentlich müsste Gold in einem Umfeld wachsender geopolitischer Spannungen der große Gewinner sein. Doch im April 2026 zeigt sich ein anderes Bild: Während sich der aktuelle Bitcoin-Kurs erstaunlich robust hält und sogar moderat zulegen kann, gibt der Goldpreis merklich nach. Dabei gelten eigentlich beide Assets als Profiteure des “Debasement Trades”, also der Suche nach Schutz vor der Entwertung von Dollar, Euro und Co. Umso auffälliger ist der Absturz ihrer Korrelation auf den niedrigsten Stand seit Ende 2022. Weshalb das für Bitcoin ein bullishes Signal sein könnte und Anleger ihre Portfolio-Strategie jetzt neu überdenken sollten.
Bitcoin und Gold schlagen unterschiedliche Pfade eine
Für den Krypto-Analysten Michaël van de Poppe liegt die derzeit spannendste Entwicklung nicht im Bitcoin-Kurs in US-Dollar, sondern im Verhältnis von Bitcoin zu Gold. Dieses gilt traditionell als wichtiger Hinweis darauf, ob sich der Markt noch in einer Schwächephase befindet oder bereits einen Boden gefunden hat. In einem X-Post stellt der Experte deshalb die Frage: “Was, wenn wir den Bärenmarkt bereits hinter uns gelassen haben und uns gerade nur in einer Konsolidierung befinden?” Nach dem 70-prozentigen Rückgang von Bitcoin gegenüber Gold vor wenigen Wochen könnte das Tief womöglich bereits erreicht worden sein – also in einem Bereich, in dem frühere Bärenmärkte ebenfalls endeten.
Bitcoin korrigierte von 126.000 US-Dollar Anfang Oktober auf zeitweise 60.000 US-Dollar Ende Februar, konnte die Marke von 70.000 US-Dollar im März aber mehrfach zurückerobern. Seit Monatsanfang befindet sich der BTC-Kurs auf Dollarbasis rund sieben Prozent im Plus, wohingegen Gold im selben Zeitraum 17 Prozent verloren hat. In der Konsequenz fiel der Korrelationsindex zwischen Bitcoin und Gold nach Daten von CryptoQuant auf -0,9, was den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren bedeutet. Damals fiel die Krypto-Leitwährung vor dem Hintergrund des FTX-Kollaps auf rund 16.000 US-Dollar und markierte damit das finale Tief des berüchtigten Krypto-Winterjahres 2022.
Das spricht jedoch nicht gegen die These des “Debasement-Trades”. Vielmehr deutet sie darauf hin, dass Gold und Bitcoin zwar beide von der schleichenden Entwertung staatlicher Währungen profitieren können, dabei aber nicht immer im Gleichschritt laufen. Schon im Februar hatte Hedgefonds-Manager Jordi Visser darauf verwiesen, dass Bitcoin langfristig zu den großen Gewinnern einer von KI getriebenen Produktivitätswelle zählen könnte. Der zentrale Unterschied bleibt die Knappheit: Während Gold und Silber bei steigender Nachfrage grundsätzlich in größerem Umfang gefördert werden können, ist das Angebot von Bitcoin dauerhaft auf 21 Millionen Einheiten begrenzt – von denen bereits mehr als 95 Prozent im Umlauf sind.
Die Neuentdeckung von Gold im 21. Jahrhundert
Der bekennende Edelmetallanhänger und Krypto-Skeptiker Peter Schiff lässt sich von der aktuellen Entwicklung jedenfalls nicht einschüchtern. Langfristig würde seiner Einschätzung nach selbst ein Ende des Iran-Krieges die positiven Effekte für Gold wohl kaum aufwiegen. Schließlich müsse die Trump-Regierung weiterhin dafür aufkommen, die verbrauchten Waffen zu ersetzen und das aufbauen, was schon zerstört wurde. Die Folge: “Es wird zu höheren Defiziten und stärkerer Inflation kommen, als wenn der Krieg nie geführt worden wäre.”
Wer schon vor der militärischen Eskalation bei Goldpreisen von mehr als 5.000 US-Dollar bullish auf das Edelmetall war, sollte laut Schiff jetzt umso entschlossener nachkaufen. Dafür braucht es heute längst nicht mehr zwingend physische Barren oder Münzen, die häufig mit deutlichen Aufschlägen auf den Spotpreis gehandelt werden. Neben etablierten Gold ETCs wie Xetra-Gold oder Euwax Gold II steht Anlegern inzwischen auch tokenisiertes Gold zur Verfügung, das sich über die Blockchain vergleichsweise günstig und unabhängig von klassischen Börsenzeiten handeln lässt.
Einem Bitwise-Report zufolge müssen Investoren keine harte Entscheidung zwischen Bitcoin und Gold fällen, sondern können beide Assets im Rahmen eines diversifizierten Portfolios sinnvoll kombinieren. In der Analyse schnitt vor allem ein Portfolio gut ab, das 15 Prozent in beide Wertspeicher investiert, also je 7,5 Prozent in Gold und Bitcoin, während der Rest im klassischen 60/40-Mix aus Aktien und Anleihen verbleibt. Gold wirkte dabei eher als ein Stabilisator in schwachen Marktphasen, Bitcoin hingegen als ein Renditetreiber in Erholungsbewegungen.
Bitcoin ist bereit für den nächsten Bullrun
Schon nach dem Bärenmarkt 2018 und dem Corona-Crash 2020 erholte sich Bitcoin deutlich schneller als klassische Risikoanlagen. Da die Krypto-Leitwährung noch immer rund 40 Prozent unter ihrem Allzeithoch notiert, wirkt sie derzeit so attraktiv wie lange nicht. Auch Michaël van de Poppe sieht darin ein starkes Signal: “Wir befinden uns bereits seit 13 bis 14 Monaten in einem Bärenmarkt, und historisch gesehen hat Bitcoin zu diesem Zeitpunkt gegenüber Gold seinen Tiefpunkt erreicht.” Gold erscheint nach dem jüngsten Rücksetzer zwar interessant, die größere Aufholchance dürfte aber bei Bitcoin liegen.