Wie nennt man einen Markt, der Schlagzeilen, die ihn normalerweise zum Einsturz bringen würden, beständig ignoriert? Man nennt ihn widerstandsfähig mit einer starken zugrunde liegenden Nachfrageunterstützung.
Das ist die Bitcoin-Geschichte der letzten Wochen, da die Kryptowährung um die 70.000 US-Dollar stabil blieb, selbst während der Iran-Krieg wütet, die Ölpreise steigen und die Wetten auf Zinssenkungen der Fed sich auflösen. Diese Art von Trotz schreit förmlich nach Bullishness.
Aber Moment, einige wichtige Indikatoren weisen weiterhin in die falsche Richtung und werfen einen Schatten auf diese bullische Interpretation.
Der erste Indikator ist die Coinbase-Prämie, die die Preisdifferenz zwischen Bitcoin auf Coinbase, einer an der Nasdaq gelisteten Börse, und dem Offshore-Giganten Binance misst. In der Regel bedeutet eine starke positive Prämie, dass US-amerikanische institutionelle Investoren aggressiver bieten als ihre globalen Pendants. Eine starke Coinbase-Prämie tauchte regelmäßig während Bullenmärkten auf, einschließlich des ersten Anstiegs von Bitcoin auf 100.000 USD Ende 2024.
Doch derzeit ist der Coinbase Premium laut der Datenquelle Coinglass auf dem niedrigsten Stand seit über einem Monat. Mit anderen Worten: BTC wird auf Coinbase mit einem Abschlag gehandelt, was auf eine vergleichsweise geringere Nachfrage seitens der US-Investoren hinweist. Der Abschlag tauchte am 19. März erneut auf und hat seitdem zugenommen.
Ein weiterer wichtiger Indikator – Zuflüsse in Bitcoin-ETFs, die ebenfalls als Stellvertreter für die institutionelle Nachfrage gelten – waren in letzter Zeit enttäuschend.
Die 11 an US-Börsen gelisteten Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in diesem Monat Nettomittelzuflüsse von 1,53 Milliarden US-Dollar und beendeten damit eine dreimonatige Serie von Abflüssen, so SoSoValue. Allerdings entfielen fast 1,3 Milliarden US-Dollar auf die erste Monatshälfte, während sich das Tempo seitdem mit nur 195 Millionen US-Dollar deutlich verlangsamte. Analysten betonen wiederholt, dass konsistente, starke Mittelzuflüsse entscheidend sind, damit Bitcoin-Preise eine bullische Dynamik gewinnen können.
Vikram Subburaj, CEO der in Indien ansässigen Giottus Exchange, brachte es auf den Punkt: „Das Signal hier ist, dass die institutionelle Nachfrage nicht verschwunden ist. Sie ist jedoch selektiv und weniger linear als in den stärksten Akkumulationsphasen.“
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels liegt der Bitcoin-Kurs laut CoinDesk-Daten bei etwa 70.000 US-Dollar.