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Ist das Lightning-Netzwerk gescheitert? Breez-CEO rechnet ab!

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Ein neuer Blogbeitrag von Roy Sheinfeld sorgt derzeit für Diskussionen in der Bitcoin-Community. Unter dem bewusst provokanten Titel „Lightning Is Dead, Long Live Lightning!“ beschreibt der CEO und Mitgründer des Infrastrukturunternehmens Breez eine Entwicklung, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint.

Lightning im Wandel

Der Blogpost erschien gestern auf 𝕏 und beschäftigt sich mit einer Frage, die schon viele Beobachter und Kritiker der vergangenen Jahre umgetrieben hat: Warum hat sich das Lightning-Netzwerk trotz technischer Fortschritte bislang nicht in der Form durchgesetzt, wie es ursprünglich erwartet wurde?

Sheinfeld argumentiert, dass Lightning heute zwar wichtiger sei denn je. Allerdings nicht mehr unbedingt in der Rolle, die ihm ursprünglich zugedacht war.

Denn Bitcoins bekanntester „Second Layer” sei nicht gescheitert, erklärt er, vielmehr habe sich seine Rolle im Bitcoin-Ökosystem grundlegend verändert.

Lightning entwickelt sich weiterhin weiter, doch die meisten Veränderungen, die wir im vergangenen Jahrzehnt gesehen haben, waren Veränderungen innerhalb der Technologie. Was in den letzten zwei Jahren passiert ist, ist jedoch eine Veränderung der Technologie selbst. Wir sprechen hier nicht über Protokoll-Verbesserungen oder neue Funktionen, sondern über eine grundlegende Neudefinition dessen, was Lightning ist, was es leisten kann und wer es wofür nutzt.
Roy Sheinfeld, CEO bei Breez

Die ursprüngliche Idee hinter Lightning

Als das Lightning-Netzwerk ab Mitte der 2010er-Jahre entwickelt wurde, galt es als zentrale Lösung für die Skalierung von Bitcoin. Statt jede einzelne Zahlung direkt auf der Blockchain zu speichern, sollten Nutzer sogenannte Zahlungskanäle eröffnen und innerhalb dieser Kanäle beliebig viele Transaktionen durchführen können.

Die Vision war klar. Schnelle, günstige und nahezu unbegrenzte Bitcoin-Zahlungen.

Gerade für alltägliche Anwendungen, etwa kleine Online-Zahlungen oder Zahlungen im Einzelhandel, schien Lightning damit eine ideale Lösung zu sein.

In der Praxis zeigte sich jedoch schnell, dass diese Architektur zwar technisch elegant ist, aber für Endnutzer nicht immer einfach umzusetzen war. Insbesondere auf Smartphones erwiesen sich viele Anforderungen des Systems als problematisch, sofern man sein Geld nicht direkt von einem Dienstleister verwalten lassen wollte.

Warum Lightning für Endnutzer schwierig bleibt

Lightning basiert, wie erwähnt, auf Payment Channels, die dauerhaft synchronisiert und verwaltet werden müssen. Für Nutzer bedeutet das, dass ihre Wallets ständig mit dem Netzwerk verbunden sein sollten, um zuverlässig zu funktionieren.

Auf mobilen Geräten ist das jedoch kompliziert. Betriebssysteme schränken Hintergrundprozesse ein, Verbindungen brechen regelmäßig ab und Geräte sind nicht permanent online.

Hinzu kommt ein weiteres (großes) Problem: Liquidität. Damit eine Lightning-Zahlung funktioniert, muss im jeweiligen Kanal ausreichend Liquidität vorhanden sein. Diese Liquidität zu verwalten, ist für technisch versierte Betreiber von Routing-Nodes zwar Teil des Systems, für normale Nutzer jedoch eine zusätzliche Komplexität die schnell die Fähigkeiten des normalen Users übersteigt.

Genau hier sieht Sheinfeld auch einen der grundlegenden Zielkonflikte. Funktionen, die für Infrastrukturbetreiber sinnvoll sind, können für Endnutzer eben unnötige Hürden darstellen.

Um diese Probleme zu entschärfen, entstanden verschiedene technische Ansätze. Einer davon war z.B. Greenlight, eine Infrastruktur von Blockstream.

Die Idee dahinter war, Lightning-Nodes nicht mehr direkt auf dem Smartphone laufen zu lassen, sondern in eine Cloud-Infrastruktur zu verlagern. Dadurch sollten viele technische Prozesse im Hintergrund stattfinden, während Nutzer nur noch mit einer Wallet-App interagieren.

Auch Breez integrierte Greenlight in sein Entwickler-SDK. Ein früher Designpartner war dabei die Wallet-App „Cake Wallet”.

Cake testete die Integration intensiv, entschied sich letztlich jedoch dagegen, sie in der Praxis einzusetzen. Laut Sheinfeld sei die Lösung zwar technisch überzeugend gewesen, habe aber die grundlegenden UX-Probleme trotzdem nicht vollständig gelöst.

Neue Ansätze für Bitcoin-Zahlungen

In den vergangenen Jahren sind deshalb mehrere neue Technologien entstanden, die versuchen, diese Probleme anders zu adressieren.

Dazu gehören unter anderem Systeme wie Spark, das Liquid Network, sowie neue und spannende Protokolle und Projekte wie Fedimint, Cashu oder Ark.

Diese Systeme verfolgen unterschiedliche Ansätze, haben aber ein ähnliches Ziel: Sie versuchen, die Nutzung von Bitcoin im Alltag einfacher zu machen, indem sie einen Teil der technischen Komplexität abstrahieren.

Dabei geht es nicht unbedingt darum, Lightning zu ersetzen. Vielmehr entstehen zusätzliche Ebenen im Bitcoin-Ökosystem, die bestimmte Funktionen effizienter erfüllen können.

Lightning als Verbindung

Und an dieser Stelle setzt nun auch Sheinfelds zentrale These an.

Lightning entwickle sich zunehmend zu einer Art „Verbindungsschicht zwischen verschiedenen Bitcoin-Systemen”. Während Endnutzer möglicherweise über Fedimint, eCash-Systeme oder andere Technologien mit Bitcoin interagieren, könne Lightning im Hintergrund weiterhin als gemeinsames Zahlungsprotokoll dienen.

Wenn beispielsweise verschiedene Systeme miteinander kommunizieren oder Werte zwischen unterschiedlichen Netzwerken übertragen werden, könne Lightning als gemeinsame Sprache dienen.

Das Netzwerk würde damit eine Rolle übernehmen, die eher mit grundlegenden Internetprotokollen vergleichbar ist. Für Nutzer weitgehend unsichtbar, aber doch entscheidend für die Verbindung verschiedener Systeme.

Lightning ist weiterhin ein zentraler Bestandteil dafür, wie wir Werte übertragen. Doch es hat sich zu einer gemeinsamen Sprache und einem Zahlungsprotokoll entwickelt, das diese sogenannten Last-Mile-Technologien miteinander verbindet – anstatt ein Kanalprotokoll zu sein, das Endnutzer selbst beherrschen müssen. Und die Verbindungen von Lightning reichen tief. Selbst wenn Bitcoin beispielsweise von einer Spark-Instanz zu Arkade oder zwischen einer Fedimint-Föderation und Liquid bewegt wird, kommunizieren diese verschiedenen Subnetzwerke miteinander – und zwar fließend in der Sprache von Lightning.
Roy Sheinfeld, CEO bei Breez

„Lightning ist tot“ – oder doch nicht?

Der Titel von Sheinfelds Beitrag ist daher bewusst überspitzt formuliert. Seine Argumentation zielte natürlich nicht darauf ab, Lightning für gescheitert zu erklären.

Stattdessen beschreibt er vielmehr eine Evolution der Rolle des Netzwerks. Lightning entwickle sich in den vergangenen Jahren zunehmend von einer Infrastruktur, die jeder Nutzer selbst betreibt, hin zu einer grundlegenden Zahlungsschicht, die verschiedene Bitcoin-Systeme im Hintergrund miteinander verbindet.

Aus dieser Perspektive ist Lightning also nicht dem Ende geweiht, sondern arbeitet möglicherweise künftig stärker im Hintergrund denn je.

Oder, um es mit Sheinfelds Worten zu formulieren: „Lightning ist tot – lang lebe Lightning.“

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