- Bernstein nennt den aktuellen Bitcoin-Drawdown den bislang „mildesten“ Bear Case und hält am Kursziel von 150.000 US-Dollar bis Ende 2026 fest.
- Laut Bernstein gibt es keinen systemischen Bruch, sondern eine „hausgemachte“ Vertrauenskrise.
Bernstein hält trotz des jüngsten Bitcoin-Crashs an seinem mittelfristigen Ausblick fest. In einer Kundennotiz vom Montag bezeichnen die Analysten um Gautam Chhugani den aktuellen Drawdown als den bislang „mildesten“ Bärenfall in der Bitcoin-Geschichte und bestätigen ihr Kursziel von 150.000 US-Dollar bis Ende 2026.
Bernstein interpretiert die laufende Abwärtsbewegung nicht als strukturelles Problem, sondern vor allem als psychologischen Effekt. „Was wir erleben, ist der schwächste Bitcoin-Bear-Case seiner Geschichte“, schreibt Chhugani. Anders als in früheren Zyklen sei kein dominanter Auslöser erkennbar, der das System selbst beschädigt hätte: keine großen Implosionen wie FTX oder Terra/Luna, keine versteckte Hebelwirkung, kein systemischer Bruch.
Bitcoin-Prognose für 2026 bleibt bestehen
Chhugani beschreibt die Lage als hausgemachte Vertrauenskrise innerhalb der Community. „Die Bitcoin-Community produziert eine selbst auferlegte Vertrauenskrise. Nichts ist explodiert, keine Leichen werden aus dem Keller fallen. Die Medien sind wieder da, um einen Nachruf zu schreiben“, heißt es in der Notiz weiter.
Bernstein verankert diese Einordnung in einem Umfeld, das sich aus Sicht des Hauses deutlich von früheren Bärenmärkten unterscheidet: ein pro-Bitcoin-US-Präsident, die institutionelle Nachfrage über Spot-Bitcoin-ETFs, wachsende Corporate-Treasury-Bestände und die stärkere Präsenz großer Asset Manager. Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist für Bernstein der Grund, warum die aktuelle Phase nicht als Bruch des Adoption-Narrativs gilt, sondern als vorübergehende „Krise des Vertrauens“.
Ein zentraler Punkt der Bären: In der jüngsten, makrogetriebenen Volatilität hat Bitcoin schlechter abgeschnitten als Gold. Die Analysten argumentieren jedoch, dass Bitcoin weiterhin primär als liquiditätssensitives Risk-Asset gehandelt wird – nicht als ausgereifter sicherer Hafen wie Gold. In einem Umfeld straffer Geldpolitik und hoher Zinsen hätten sich Gewinne auf ausgewählte Bereiche wie Edelmetalle und KI-nahe Aktien konzentriert.
Laut Bernstein hat sich die Marktinfrastruktur in den vergangenen Monaten weiter verbessert und damit auf den nächsten Liquiditätsimpuls vorbereitet. ETFs und Unternehmenskäufe seien intakt und könnten – sobald die Verkaufsdynamik nachlasse – wieder Kaufdruck aufnehmen und als Nachfragepuffer wirken. Dies ist ein wesentlicher Baustein für das 150.000-Dollar-Szenario bis 2026.
Auch die These, Bitcoin verliere in einer KI-dominierten Wirtschaft an Relevanz, weist Bernstein zurück. Chhugani sieht im Kontext einer zunehmend „agentischen“ digitalen Umgebung eher Rückenwind: Blockchains und programmierbare Wallets seien prädestiniert, globale, maschinenlesbare Finanzschienen bereitzustellen – während das traditionelle Bankenwesen in diesem Übergang unter Druck geraten könnte.
Beim Quantum-Risiko räumt Bernstein ein, dass künftige kryptografische Bedrohungen Vorbereitung erfordern. Entscheidend sei jedoch, dass Bitcoin hier nicht einzigartig exponiert ist: Kritische digitale Systeme stünden vor ähnlichen Herausforderungen und würden gemeinsam in Richtung quantenresistenter Standards migrieren. Als Vorteil nennt Bernstein die Transparenz der Codebasis sowie die zunehmende Einbindung großer, kapitalstarker Akteure wie Strategy, die Anpassungen mittragen könnten.
Zudem geht Bernstein auf die Sorge ein, dass erzwungene Verkäufe durch gehebelte Corporate-Treasury-Firmen und Miner-Kapitulation massiven Verkaufsdruck auslösen könnten. Das Research-Team ist jedoch der Ansicht, dass große Bitcoin-Halter ihre Verbindlichkeiten so strukturiert haben, dass sie längere Drawdowns überstehen. Chhugani verweist dabei explizit auf eine Aussage von Strategy: Nur wenn Bitcoin auf 8.000 US-Dollar falle und dort fünf Jahre bleibe, müsste die Bilanz restrukturiert werden.
Bei Minern sieht Bernstein ebenfalls weniger Druck als in früheren Phasen. Die Analysten argumentieren, Miner hätten ihre Geschäftsmodelle diversifiziert und könnten Belastungen auf der Kostenseite abfedern, indem sie Kapazitäten stärker an die Nachfrage von KI-Rechenzentren ausrichten.
Vor diesem Hintergrund kommt Bernstein zu dem Schluss, dass das Risiko von Zwangsverkäufen „materiell“ gesunken ist – und dass die aktuelle Schwäche trotz ihrer Signalwirkung auf das Sentiment das mittelfristige Kursziel von 150.000 US-Dollar bis Ende 2026 nicht verändert.
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