de
Zurück zur Liste

Was sorgte wirklich für den Bitcoin-Crash? 3 führende Theorien

source-logo  crypto-news-flash.com 09 Februar 2026 10:52, UTC
image
Alle News durchlaufen eine strenge Faktenprüfung und werden von Blockchain-Experten sowie erfahrenen Brancheninsidern verfasst und redaktionell geprüft.
  • Der Bitcoin-Crash sieht aus wie ein TradFi Impuls rund um BlackRocks IBIT und die Derivate darum.
  • Es gibt drei Haupttheorien mit einem großen IBIT Holder, einem Dealer Hedging aus strukturierten IBIT Produkten und einem Multi Asset Deleveragingl das durch Short Gamma verstärkt wurde.

Der Bitcoin-Crash am 5. Februar sorgt weiterhin für breite Spekulationen über den wahren Grund für einen der heftigsten Abstürze in der Geschichte des Marktes. Bemerkenswert ist aber die Eindeutigkeit über die Richtung, von welcher der Crash ausging. Dieses Mal scheinen es nicht die typischen Sündenböcke zu sein: keine OG-Bitcoin-Wale und auch kein Hebel-Squeeze am Futuresmarkt.

Drei Erklärungen machen aktuell die Runde. Und in allen steht am Ende derselbe Name im Raum: BlackRocks Spot-Bitcoin-ETF.

Theorie 1: Ein großer Halter von BlackRock’s Bitcoin ETF

Parker White (CIO, DeFi Dev Corp) schaut zuerst auf die nackten Zahlen. Am 5. Februar ist IBIT beim Tagesumsatz auf ein Rekordniveau geschossen: 10,7 Milliarden US-Dollar, fast doppelt so viel wie der bisherige Peak. Gleichzeitig wurden rund 900 Millionen US-Dollar Optionsprämien umgesetzt, ebenfalls Allzeithoch bei IBIT.

Wie CNF berichtete, macht Parker insbesondere ein Punkt stutzig: Bitcoin und Solana fielen fast im Gleichschritt, obwohl SOL sonst gerne „Beta“ spielt und nicht 1:1 mitsinkt. Und die Liquidationen auf den typischen Kryptobörsen waren im Vergleich „relativ niedrig“. Für White riecht das nach Stress außerhalb des üblichen Krypto-Casinos.

Der Auslöser könnte bei einem großen IBIT-Holder liegen, vielleicht einem Hedgefonds, der IBIT-Optionen handelt und dann in Schwierigkeiten geriet. Parker verweist auf die 13F-Meldungen, in denen sich Fonds finden ließen, die nahezu komplett in IBIT sitzen. Das kann Margin-Risiken bündeln: Wenn’s schiefgeht, geht’s richtig schief. Nebenbei wirft er noch eine auffällige Beobachtung rein: Viele dieser Single-Asset-Fonds sitzen in Hongkong.

Sein Verdacht: Ein asiatischer Hedgefonds wurde vollständig liquidiert, nachdem auch eine Gold-/Silber-Positionierung ins tiefe Minus rutschte (Silber fiel am 5. Februar ebenfalls stark). Somit könnte ein oder mehrere nicht-krypto-native HK-Fonds über gehebelte, weit aus dem Geld liegende IBIT-Calls („ultra high gamma“), womöglich mit Yen-Funding, in eine Balance-Sheet-Falle geraten sein.

Theorie 2: Dealer-Hedging wegen strukturierter IBIT-Produkte

Arthur Hayes (Ex-BitMEX-CEO) geht weniger über Detektivarbeit, mehr über Mechanik. Sein Take: Banken und Dealer könnten Bitcoin oder bitcoin-ähnliches Exposure verkauft haben, um Risiken aus strukturierten Notes zu hedgen, die an Spot-Bitcoin-ETFs wie IBIT gekoppelt sind.

Hayes schrieb via X: Der Bitcoin-Kurssturz ist wahrscheinlich auf Absicherungsgeschäfte von Händlern im Zusammenhang mit IBIT-Strukturprodukten zurückzuführen. Ich werde eine vollständige Liste aller von den Banken ausgegebenen Wertpapiere zusammenstellen, um die Auslöser für schnelle Kursanstiege und -rückgänge besser zu verstehen. Da sich die Spielregeln ändern, müssen auch Sie sich anpassen.

Theorie 3: Multi-Asset-Deleveraging trifft Short-Gamma/Basis-Trade

Jeff Park (CIO bei ProCap, Bitwise-Berater) hat einen anderen Blickwinkel. Für ihn wirkt das Ganze wie ein Risiko-Schock im Kapitalmarkt, der Bitcoin mit reingezogen hat, und dann hat das Derivate-Plumbing den Rest erledigt.

Auch er nennt IBIT als Auffälligkeit und stellt aber klar: Das Ungleichgewicht sei eher von Puts als von Calls getrieben gewesen.

Ein weiterer Baustein kommt aus dem Prime-Brokerage-Umfeld: Laut einem Hinweis aus Goldmans PB sei der 4. Februar für Multi-Strategy-Funds einer der schlechtesten Tage gewesen, ein Z-Score von 3,5, also ein Ereignis, das extrem selten vorkommt. Wenn so etwas passiert, werden Risk Manager bei Pod-Shops nicht feinfühlig. Dann heißt es: De-Grossing, sofort, breit, ohne große Diskussion. Und genau das könnte erklären, warum es am Folgetag so hässlich wurde.

Park betont dabei eine Anomalie, die nicht gut zu einer simplen „ETF-Outflows“-Story passt. Bei einem $BTC-Drop von 13,2 % hätte er historisch deutliche Netto-Redemptions erwartet – eher 500 Mio. bis 1 Mrd. US-Dollar.

Stattdessen habe IBIT Netto-Creations gesehen: rund 6 Millionen neue Anteile, mehr als 230 Mio. US-Dollar zusätzliches AUM, und auch das restliche ETF-Spektrum habe Zuflüsse gehabt. Für Park ist das ein Signal: Der Move kam eher aus dem Paper-Money-Complex – Dealer/Market Maker/Derivate – als aus finalem Kapitalabzug.

Seine Theorie ist eine Kaskade: Risk Assets korrelieren plötzlich ungesund hoch → Multi-Asset-Portfolios delevern, auch gehedgte $BTC-Risiken → Short-Gamma verstärkt den Move → Market Maker müssen IBIT verkaufen oder $BTC synthetisch shorten → Inventar baut sich auf, und das dämpft die Outflows, die man eigentlich erwartet hätte.

Als Indiz nennt er den CME-Basis: Der near-dated Basis sei von 3,3 % am 5. Februar auf 9 % am 6. Februar gesprungen. Für ihn könnte das heißen, dass große Akteure den Basis-Trade zwangsweise verlassen haben.

Park ist ziemlich deutlich darin, was er nicht glaubt: dass das nur die Fortsetzung alter Enthebelungen war. Und er sieht auch „Löcher“ in der HK-/JPY-Carry-Story. Sein Kernpunkt ist simpler: Es muss nichts Fundamentales gewesen sein. Es kann einfach das Technische gewesen sein – Multi-Asset-De-Risking, und dann Derivate-Plumbing, das reflexiv eskaliert.

crypto-news-flash.com