de
Zurück zur Liste

Bitcoin rutscht in den Bärenmarkt: Glassnode nennt die nächsten Kursziele

source-logo  crypto-news-flash.com 05 Februar 2026 11:31, UTC
image
Alle News durchlaufen eine strenge Faktenprüfung und werden von Blockchain-Experten sowie erfahrenen Brancheninsidern verfasst und redaktionell geprüft.
  • Glassnode sieht den Bitcoin True Market Mean als neuen Widerstand, während 70.000–80.000 USD die erste Nachfragezone ist.
  • Trotz möglicher Käuferzonen steigen realisierte Verluste und der Derivate-/Optionsmarkt bleibt defensiv, ohne sichtbar anziehende Spot-Nachfrage dürfte jede Erholung laut Glassnode eher korrektiv sein als eine echte Trendwende.

Bitcoin hat laut dem Glassnode-Wochenbericht vom 4. Februar einen zentralen technischen und on-chain-basierten Support verloren: Der Kurs ist unter den „True Market Mean“ gefallen. Damit rückt ein klar bärisches Regime in den Vordergrund, offen bleibt vor allem, wie lange diese Phase diesmal dauert.

Laut Glassnode ist der True Market Mean ein wichtiger Anker für die aktiv zirkulierenden Coins, der in der bisherigen „seichten Bären-Phase“ wiederholt als letzte Support-Linie fungierte. Dass Bitcoin diese Marke nun unterschreitet, interpretiert Glassnode als Signal, dass der Bärenmarkt in eine bestätigte Phase übergeht, und zieht dabei Parallelen zu 2022.

Wie tief kann der Bitcoin-Kurs fallen?

Der True Market Mean liegt aktuell bei rund 80.200 US-Dollar und wird nun zum entscheidenden Widerstand. Darunter verweist Glassnode auf den „Realized Price“, der derzeit bei etwa 55.800 US-Dollar liegt – ein historischer Bereich, in dem langfristiges Kapital typischerweise wieder stärker aktiv wird.

Bitcoin True Market Mean, Quelle: Glassnode

Für kurzfristige Kursbereiche verweist Glassnode mit der UTXO Realized Price Distribution (URPD), also der Verteilung der UTXO-Kostenbasen über Preisniveaus. Glassnode schreibt:

“Die aktuellen Verteilungen zeigen eine bemerkenswerte Akkumulation neuerer Marktteilnehmer im Bereich von 70.000 bis 80.000 US-Dollar, was auf eine frühe Positionierung von Käufern hindeutet, die bereit sind, Schwäche auf diesen Niveaus zu absorbieren. Unterhalb dieser Zone sticht ein dichter Angebots-Cluster zwischen 66.900 und 70.600 US-Dollar als besonders überzeugender Bereich hervor. Historisch wirken Zonen mit stark konzentrierter Kostenbasis häufig als kurzfristige Stoßdämpfer, in denen Verkaufsdruck eher auf reaktionsfähige Nachfrage trifft.“

Bitcoin UTXO Realized Price Verteilung (URPD), Quelle: Glassnode

Gleichzeitig liefert der Report ein zweites, weniger komfortables Signal: Der messbare Stress im Markt nimmt zu. Glassnode schreibt:

“Während der aktuellen Kontraktion ist der 7-Tage-Simple-Moving-Average der realisierten Verluste auf über 1,26 Milliarden US-Dollar pro Tag gestiegen. Das spiegelt einen deutlichen Anstieg von Angst und Frustration wider, nachdem der True Market Mean verloren ging. Historisch fallen Spitzen bei den realisierten Verlusten häufig mit Phasen akuter Verkäufererschöpfung zusammen, in denen der marginale Verkaufsdruck nachzulassen beginnt.”

Der Bericht nennt auch ein konkretes Beispiel: Beim Rebound aus der 72.000er-Region seien die täglichen realisierten Verluste kurzzeitig auf über 2,4 Milliarden US-Dollar gesprungen – nahezu das Doppelte des damaligen 7-Tage-Durchschnitts.

Solche Extremwerte markieren laut Glassnode häufig kurzfristige Wendepunkte, an denen Zwangsverkäufe in temporäre Stabilisierung übergehen. Wichtig dabei: Das ist kein Beweis für ein zyklisches Tief, sondern eher ein Muster, das auf kurzfristige Erschöpfung hindeutet.

Trendwende noch nicht absehbar

Während on-chain erste Kaufzonen sichtbar werden, bleibt die Spot-Nachfrage laut Bericht strukturell schwach. Der 30-Tage-Durchschnitt des Spot-Volumens sei weiterhin extrem niedrig, obwohl Bitcoin von 98.000 auf 72.000 US-Dollar fiel – ein eher bärisches Zeichen:

“Historisch gingen belastbare Trendwenden damit einher, dass das Spot-Volumen aggressiv anstieg, weil neue Nachfrage bereit war, die andere Seite zu übernehmen. In diesem Fall hat das Volumen im Rückgang nur moderat zugelegt, was darauf hindeutet, dass die Aktivität überwiegend reaktiv ist und eher von Distribution und Risikoabbau dominiert wird als von überzeugungsgetriebener Akkumulation.“

Bitcoin Spot-Volumen über alle Börsen, Quelle: Glassnode

Parallel wurden an den Futures-Märkten Long-Positionen hart liquidiert, was die Abwärtsdynamik zusätzlich verstärkt hat. Der Bericht betont, dass ein Leverage-Reset für sich genommen kein Boden-Signal ist – ohne echte Spot-Nachfrage bleibt der Markt anfällig.

„Von hier an wird die Fähigkeit des Preises, sich zu stabilisieren, davon abhängen, ob dieses Leverage-Reset ausreicht, um überschüssiges Risiko zu bereinigen, oder ob eine weitere Enthebelung erforderlich ist. Eine nachhaltige Erholung erfordert typischerweise, dass Spot-Nachfrage einspringt, statt sich allein auf liquidationgetriebene Positionierungsbereinigungen zu verlassen.“

Bitcoin Futures Long-Liquidationen, Quelle: Glassnode

Auch der Optionsmarkt bleibt defensiv. Kurzlaufende implizite Volatilität sei beim Retest der 73.000er-Region in Richtung 70% gestiegen, die 1-Woche-IV liege rund 20 Vol-Punkte über dem Niveau von vor zwei Wochen. Dazu kommt: Der Downside-Skew wird steiler – Puts sind relativ zu Calls stärker nachgefragt. Das hält die Absicherungskosten hoch und verschiebt die Wahrscheinlichkeit weiter in Richtung negativer Outcomes.

Zusätzlich ist die 1-Woche-Volatilitäts-Risikoprämie ins Negative gedreht:

„Die 1-Woche-Volatilitäts-Risikoprämie ist erstmals seit Anfang Dezember negativ und auf etwa -5 gefallen. Das ist eine scharfe Umkehr von ungefähr +23 vor einem Monat. Eine negative Volatilitäts-Risikoprämie bedeutet, dass die implizite Volatilität nun unter der realisierten Volatilität gehandelt wird.“

Für Market Maker und Gamma-Seller ist das eine Konstellation, die Hedging-Aktivität eher verstärken kann – und damit die Kurzfrist-Volatilität erhöht. Glassnode fasst die Lage so zusammen:

„Mit dem Ausspülen von Leverage, aber weiterhin fehlender Spot-Nachfrage bleibt der Markt verwundbar, und jede Erholungsrally dürfte eher korrektiv als eine Trendwende sein.“

Damit sind die im Report genannten Kurszonen nun die entscheidenden Bezugspunkte: 80.200 US-Dollar als Widerstand (True Market Mean), 70.000–80.000 US-Dollar als erste Nachfragezone, 66.900–70.600 US-Dollar als Kostenbasis-Cluster und 55.800 US-Dollar (Realized Price) als historischer Bereich, in dem langfristige Käufer in der Vergangenheit häufig wieder aktiver wurden.

Wie CNF gestern berichtete, warnte Galaxy Digital ebenso in seinem jüngsten Bericht, dass der BTC Kurs auf bis zu 58,000 Dollar fallen könnte.

crypto-news-flash.com