Der Bitcoin-Kurs ist in der vergangenen Nacht binnen 1,5 Stunden von 95.450 auf unter 92.000 US-Dollar gefallen. Was steckt hinter diesem kleinen „Flash Crash“?
Plötzlicher Einbruch um 3,6 %
Wie für Wochenenden üblich, handelte Bitcoin am Samstag und Sonntag in einer ziemlich engen Spanne. Doch als dann der Futures-Handel an der CME um 0:00 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag startete, ereignete sich ein kleiner „Flash Crash“. Innerhalb von 1,5 Stunden fiel der Bitcoin-Kurs um knapp 3.500 US-Dollar, womit ein BTC im Tief weniger als 92.000 US-Dollar kostete.
Laut Daten von Coinglass wurden in diesen 1,5 Stunden mehr als 560 Millionen US-Dollar an Long-Positionen auf dem Krypto-Markt gespült. Auf Bitcoin entfielen davon knapp 150 Millionen US-Dollar. Dieser „Long Squeeze“ beziehungsweise die Liquidierung von Wetten auf steigende Kurse hat die Kursbewegung wohl weiter verstärkt.
Auch die Futures der Aktienmärkte starteten mit einem Kursrutsch in die neue Woche. Der Nasdaq-100-Future ist gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag aktuell rund 1,6 % gefallen. Heute ist in den USA „Martin Luther King Jr. Day“, also ein Börsenfeiertag. Das bedeutet, dass die Wall Street erst ab Dienstag um 15:30 Uhr deutscher Zeit wieder öffnet.
Die Kursbewegungen an illiquideren Märkten gilt es grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Dennoch werden neben Bitcoin voraussichtlich auch die Aktienmärkte mit einem deutlichen Minus am Dienstag in den regulären Handel starten. Womit ist diese Kursschwäche zu erklären?
Handelskrieg flammt wieder auf
Der Grund für diese Kursschwäche dürfte bei den neuen Entwicklungen im Handelskrieg zu finden sein. Am Samstag setzte US-Präsident Donald Trump einen Post auf seiner Plattform Truth Social ab, in dem er mehreren europäischen Ländern mit höheren Zöllen drohte.
Ab dem 1. Februar sollen Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Finnland, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden mit einem Zusatzzoll in Höhe von 10 % belegt werden. Diese Zölle werden, so Trump, ab dem 1. Juni auf 25 % ansteigen. Mit dieser Maßnahme möchte der US-Präsident Druck ausüben, um einen Deal zur Akquirierung Grönlands aushandeln zu können.
Wir haben Dänemark und alle Länder der Europäischen Union sowie andere Länder viele Jahre lang subventioniert, indem wir ihnen keine Zölle oder andere Formen der Vergütung berechnet haben. Jetzt, nach Jahrhunderten, ist es an der Zeit, dass Dänemark etwas zurückgibt – der Weltfrieden steht auf dem Spiel! China und Russland wollen Grönland, und Dänemark kann nichts dagegen tun. Derzeit verfügen sie über zwei Hundeschlitten zu ihrem Schutz, von denen einer kürzlich hinzugekommen ist. Nur die Vereinigten Staaten von Amerika unter PRÄSIDENT DONALD J. TRUMP können in diesem Spiel mitspielen, und das sogar sehr erfolgreich!
Donald Trump auf Truth Social
Vertreter der Europäischen Union (EU) trafen sich daraufhin am Sonntag, um über einen Gegenschlag zu beraten. Laut Medienberichten erwägt die EU in Reaktion, die USA mit Zöllen im Wert von 93 Milliarden Euro zu belegen. Gibt es keine Einigung, so werden die bereits im Juli designierten Strafzölle der EU für unter anderem US-Bourbon, Flugzeugteile, Sojabohnen und Geflügel automatisch am 6. Februar in Kraft treten.
Am Donnerstag wird aber noch ein Sondergipfel mit den 27 Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel stattfinden. Das im Sommer vergangenen Jahres geschlossene Handelsabkommen zwischen der EU und den USA steht jetzt auch auf der Kippe. Eigentlich sollte es in den kommenden Tagen im Europaparlament ratifiziert werden, doch laut Manfred Weber, dem Fraktionsvorsitzenden der EVP, wird dies nun auf unbestimmte Zeit verschoben.
„Politische Erpressung werden wir nicht akzeptieren“, betonte zudem Bernd Lange, Handelsexperte des EU-Parlaments. In dieser Woche findet in Davos, Schweiz, das Weltwirtschaftsforum statt. Dabei wird erwartet, dass sich Donald Trump unter anderem mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz trifft. Laut einem EU-Kommissionssprecher sei jedoch bislang kein Termin mit Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, ausgemacht.
In den kommenden Tagen dürfte es an dieser Front also noch weitere Entwicklungen geben. Die aktuelle Situation erinnert an den „Liberation Day“ Anfang April 2025, als Trump seine reziproken Zölle vorstellte. Noch steht eine Entscheidung des Supreme Court aus, ob Trump überhaupt als Präsident die Befugnisse hat, diese Zölle zu verhängen. In dieser Woche könnte es ein Urteil dazu geben.
Im April 2025 brachen die Aktienmärkte sowie der Bitcoin-Kurs in Reaktion auf Trumps Zölle ein. Doch nachdem mehrere Handelsabkommen ausgehandelt wurden und die US-Inflation trotz des höheren Zollniveaus nicht merkbar an Fahrt aufgenommen hatte, erholten sich die Märkte – einschließlich BTC – und stiegen auf neue Allzeithochs.
Inwieweit sich dieses Muster so jetzt wiederholen wird, steht noch in den Sternen. Dies dürfte insbesondere davon abhängen, ob sich der Konflikt zwischen der EU und der USA weiter hochschaukelt, oder ob es eine für beide Seiten vertretbare Einigung geben wird. Da es Donald Trump aber auf Grönland abgesehen hat und eine Übernahme der USA für Dänemark und die EU wohl nicht infrage kommt, könnte es noch sehr spannend werden.
Der kleine „Flash Crash“ bei Bitcoin resultierte bislang lediglich darin, dass der Kurs auf das Niveau von Dienstag vergangener Woche zurückfiel. Demnach sollte in die Kursschwäche noch nicht allzu viel hineininterpretiert werden. Dennoch zeigt sich, dass Bitcoin derzeit noch – anders als das Edelmetall Gold, mit dem BTC häufig verglichen wird, und das heute auf einem Rekordhoch handelt – unter Unsicherheiten dieser Art zumindest kurzfristig leiden kann.
Bemerkenswert ist und bleibt aber, dass der Bitcoin-Kurs erst mit dem Start des Future-Handels an der CME einbrach. Zuvor wirkten sich die Meldungen rund um die Eskalation zwischen den USA und der EU nicht nennenswert auf den Kurs aus. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich Bitcoin morgen um New Yorker Handel schlagen kann.