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Clarity Act auf Eis: Bitcoin rennt trotzdem Richtung 100.000 US-Dollar

source-logo  coin-update.de 5 S
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Bitcoin setzt seine Aufwärtsbewegung fort und steht nur noch wenige Schritte vor der psychologisch wichtigen Marke von 100.000 US-Dollar. Der Zeitpunkt wirkt sehr herausfordernd, denn politisch herrscht weiter Unsicherheit. Im US-Senat wurde das Markup zum Clarity Act erneut verschoben. Auch der Widerstand großer Banken gegen zentrale Elemente der geplanten Krypto-Regulierung steigt weiter an. Vor allem das Thema Stablecoins sorgt für Spannungen, wobei der Markt diese Risiken bislang weitgehend ausblendet.

Clarity Act vertagt, Banken erhöhen den Druck

Der Clarity Act gilt als eines der wichtigsten Gesetzesvorhaben für den US-Kryptomarkt. Er soll klar regeln, welche Behörde künftig für digitale Assets zuständig ist und wie Kryptowährungen, Token und Stablecoins rechtlich eingeordnet werden.

https://twitter.com/cryptorover/status/2011725142553215116

Die Abstimmung im Senat war ursprünglich für diese Woche vorgesehen, wurde jedoch auf Ende Januar verschoben. Inzwischen liegen mehr als 130 Änderungsanträge vor. Das zeigt, wie tief die Gräben zwischen Politik, Finanzindustrie und Krypto-Branche weiterhin sind.

Besonders umkämpft bleibt der Bereich Stablecoins. Große US-Banken, allen voran JP Morgan, stellen sich offen gegen Stablecoins mit Ertragsmodellen. Der Grund liegt auf der Hand. Stablecoins mit Yield könnten klassische Bankeinlagen unattraktiver machen und damit eine zentrale Einnahmequelle der Banken unter Druck setzen. JP Morgan erzielte zuletzt rund 25 Milliarden US-Dollar an Nettozinserträgen in nur einem Quartal. Ein Teil dieses Geschäftsmodells basiert darauf, dass Kundeneinlagen kaum verzinst werden.

Stablecoins are better than banks.

But this part of CLARITY ACT sets rules around when stablecoin yield is allowed.

It prohibits digital asset service providers from paying interest/yield when the only condition is holding a stablecoin. But it does not apply to rewards that are… https://t.co/XMBxHTQi3O pic.twitter.com/c9qZ4Q2q0p

— Milk Road (@MilkRoad) January 13, 2026

Stablecoins mit Erträgen würden dieses Gleichgewicht verschieben. Nutzer könnten Liquidität direkt onchain halten und gleichzeitig Erträge erzielen, ohne den Umweg über klassische Banken. Entsprechend massiv fällt der Gegenwind aus. Lobbyarbeit, öffentliche Kritik und politischer Druck nehmen spürbar zu. Die Verschiebung des Clarity Act wird daher vielfach als direkte Folge dieses Machtkampfs interpretiert.

Politisch verschärft sich die Lage zusätzlich durch den Konflikt zwischen Regierung, Notenbank und Finanzindustrie. Während Teile der Politik auf Lockerungen und neue Impulse setzen, verteidigen Banken bestehende Strukturen. Für den Kryptomarkt bedeutet das anhaltende Unsicherheit auf regulatorischer Ebene. Auffällig bleibt jedoch, dass der Bitcoin Preis diese Debatte bislang kaum widerspiegelt.

Marktlogik schlägt Politik

Liquidität, Konjunkturzyklus und Kapitalflüsse bestimmen das Bild am Gesamtmarkt. Rückblickend wird die Zeit seit 2022 zunehmend als extrem langer Bärenmarkt eingeordnet. Die aggressiven Zinserhöhungen der US-Notenbank hatten damals Risikoassets massiv unter Druck gesetzt. Die folgenden Jahre kam es zwar zu Erholungen aber nicht zu echtem Schwung einer Bullenphase.

https://twitter.com/TrendingBitcoin/status/2009732661963604372

Erst jetzt mehren sich die Hinweise auf eine neue Phase. Bitcoin profitiert dabei von strukturellen Eigenschaften, die unabhängig von Regulierung wirken. Das Angebot bleibt strikt begrenzt. Täglich entstehen nur wenige neue Coins, eine Zahl, die sich mit jedem Halving weiter reduziert. Diese Knappheit entfaltet ihre Wirkung vor allem dann, wenn neue Nachfrage aufkommt.

Technische Lage bei Bitcoin

Technisch zeigt sich ein konstruktives Bild. Der Kurs hat sich aus einer monatelangen Seitwärtsphase gelöst, wichtige gleitende Durchschnitte wurden zurückerobert. Rücksetzer bleiben bislang flach und werden schnell gekauft. Das deutet darauf hin, dass neues Kapital in den Markt fließt. Auch andere große Kryptowährungen beginnen, Stärke zu zeigen, was auf breiteres Interesse hindeutet.

Bitcoin und Ethereum quasi im “Gleichtakt”, Quelle: https://www.coinmarketcap.com

Der Blick über den Kryptomarkt hinaus ergänzt dieses Bild. Gold und Silber hatten zuvor stark zugelegt, zeigen zuletzt aber erste Abkühlungstendenzen. In früheren Zyklen ging eine solche Entwicklung oft mit einer Umschichtung in Richtung Risikoassets einher. Parallel dazu laufen massive Investitionen im Technologie- und KI-Sektor. Diese Investitionswelle bindet kurzfristig Kapital, schafft aber langfristig Wachstum und zusätzliche Liquidität.

Regulatorische Klarheit bleibt für Unternehmen, Börsen und institutionelle Investoren wichtig. Für Bitcoin selbst war sie historisch jedoch nie Voraussetzung für steigende Kurse. Frühere Rallyes entstanden nicht wegen Gesetzen, sondern trotz regulatorischer Unsicherheit. Der aktuelle Kursverlauf erinnert an diese Zeiten. Sollte die Marke von 100.000 US-Dollar fallen, dürfte sich das Sentiment schnell drehen.

Der Clarity Act und die Debatte im US-Senat bestimmen die Schlagzeilen. Der Markt folgt jedoch einer eigenen Logik. Angebot, Nachfrage und Liquidität geben den Takt vor. Solange diese Faktoren zusammenspielen, bleibt der Weg nach oben für Bitcoin offen, auch wenn die politische Einigung weiter auf sich warten lässt.

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