Die Starinvestorin Cathie Wood ist überzeugt, dass die USA in diesem Jahr aktiv Bitcoin für die Reserve kaufen werden. Diese Annahme untermauert die Gründerin von ARK Invest mit den bevorstehenden Midterm-Wahlen und dem finanziellen Eigeninteresse der Trump-Familie.
In Vergessenheit geratene Bitcoin-Reserve
Im März 2025 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump das Dekret zur strategischen Bitcoin-Reserve der USA. Dieses sieht vor, dass beschlagnahmte BTC nicht mehr verkauft werden. Außerdem erlaubt das Dekret die Akkumulation weiterer Bitcoin, sofern dies nicht auf Kosten der Steuerzahler geschieht.
Auch wenn Bo Hines, der ehemalige Leiter des „Presidential Council of Advisers on Digital Assets“ immer wieder betonte, dass die USA so viele Bitcoin wie möglich haben wollen und sich aktiv mit Strategien zur Akkumulation auseinandergesetzt werden würde, ist es inzwischen sehr ruhig um das Thema geworden.
Im August 2025 erklärte Finanzminister Scott Bessent schließlich, dass die USA keine Bitcoin „kaufen“ werden. Wenig später ruderte er jedoch ein wenig zurück und stellte klar, dass das Finanzministerium „entschlossen“ sei, „budgetneutrale Wege zu finden, um weitere Bitcoin zu akquirieren“.
Bis dato gab es augenscheinlich noch keine Folgeanstrengungen der Trump-Regierung bei der Bitcoin-Reserve. Es ist noch nicht einmal offiziell bekannt, wie viele Bitcoin sich tatsächlich im Besitz des Staates befinden. Einige der von Behörden kontrollierten Coins dürften nämlich rechtlich betrachtet noch Dritten gehören.
Cathie Woods Prognose für 2026
In einer neuen Folge des Podcasts von Ark Invest namens „Bitcoin Brainstorm“, die gestern erschien, teilte die Starinvestorin Cathie Wood ihre Bitcoin-bezogene Prognosen für dieses Jahr mit. Wood ist ein langjähriger Bitcoin-Bulle. Kürzlich unterstrich sie dies mit ihrer Einschätzung, dass der 4-Jahres-Zyklus gebrochen und der Kurs bis zum Jahr 2030 auf 1,5 Millionen US-Dollar steigen werde.
Für dieses Jahr hat sie aber auch konkrete Vorstellungen davon, wie die Trump-Regierung mit Bitcoin weiter verfahren wird. Sie glaubt, dass US-Präsident Trump und KI- und Krypto-Zar David Sacks mehrere Dinge vorantreiben werden.
Zuerst prognostizierte Wood im Podcast, dass die angestrebte Steuerfreiheit für kleine Krypto-Zahlungen durchkommen wird. Die Bitcoin-freundliche Senatorin Cynthia Lummis reichte hierzu einen Gesetzentwurf ein, der eine „De Minimis“-Ausnahmeregelung für Transaktionen mit Kryptowährungen im Gegenwert von bis zu 300 US-Dollar vorsieht – bis zu einer Gesamtsumme von 5.000 US-Dollar pro Jahr. Die Pressesprecherin Trumps betonte bereits, dass der US-Präsident diese Idee unterstützen würde.
Darüber hinaus glaubt die Starinvestorin, dass die USA aktiv Bitcoin kaufen werden, um die Reserve zu vergrößern:
Es scheint jedoch auch eine gewisse Zurückhaltung zu geben, Bitcoin tatsächlich für die strategische Reserve zu kaufen. Bislang bleibt es bei Beschlagnahmungen. Die ursprüngliche Absicht war, eine Million Bitcoin zu besitzen. Ich gehe daher davon aus, dass sie mit dem Kauf beginnen werden, da dies Trump in mehrfacher Hinsicht helfen dürfte.
Cathie Wood
Starinvestorin @CathieDWood glaubt, dass die USA in diesem Jahr aktiv Bitcoin für die Reserve kaufen werden. 🇺🇸🛒👀
— Blocktrainer (@blocktrainer) January 9, 2026
Dies begründet die @ARKInvest-Gründerin in erster Linie damit, dass @realDonaldTrump im Jahr der Midterm-Wahlen keine „lahme Ente“ sein will. 🤔 pic.twitter.com/PR2Z1LRYRD
Das alles begründet sie mit den im November stattfindenden „Midterm-Wahlen“, bei denen der Kongress neu gewählt wird. Trump möchte, so Wood, nicht als „lahme Ente“ wahrgenommen werden, und die Krypto-Community, die einen großen Einfluss auf seinen Wahlsieg gehabt haben dürfte, zufriedenstellen wollen, um weiter mit Rückendeckung des Kongresses regieren zu können.
Überdies haben er und seine Engsten ein persönliches, finanzielles Interesse an weiter steigenden Krypto-Kursen, erklärt Wood weiter. Mit „World Liberty Financial“ lancierte seine Familie nämlich ein Krypto-Projekt mit eigenem Token, während Trump und seine Ehefrau selbst Memecoins herausbrachten und die Aktiengesellschaft TMTG, die mehrheitlich dem US-Präsidenten gehört, eine große Bitcoin-Reserve aufgebaut hat.
Ein Grund, warum er die Präsidentschaft gewonnen hat, war meiner Meinung nach die Krypto-Community. Ein weiterer Grund ist natürlich, dass seine Familie voll und ganz auf Bitcoin und andere Krypto-Assets setzt. [...] Ich denke also, dass er alle möglichen Gründe hat, dies zu tun, aber der wichtigste ist: Er will keine „lahme Ente“ sein. Er möchte noch ein oder zwei produktive Jahre haben. Und ich glaube, er sieht Kryptowährungen als einen Weg in die Zukunft.
Cathie Wood
Kommen Bitcoin-Käufe der USA?
Nach Scott Bessents Aussage im August sieht es eher weniger danach aus, dass die Regierung tatsächlich vorhat, Bitcoin zu kaufen. Sein Rückrudern ändert daran nicht viel, da „akquirieren“ nicht „kaufen“ bedeuten muss, womit beide Statements miteinander vereinbar wären. Die USA könnten beispielsweise Mining betreiben oder Spenden in BTC empfangen, um die Reserve budgetneutral zu vergrößern, ohne als Käufer am Markt aufzutreten.
Auf der Wettplattform Polymarket gibt es eine Wette, ob die USA im Jahr 2026 Bitcoin akkumulieren werden – abgesehen von Konfiszierungen. Die Wahrscheinlichkeit liegt derzeit bei unter 30 %. Und da es sich dabei nicht zwangsläufig um Käufe handeln muss, dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass Woods Prognose tatsächlich eintritt, noch deutlich niedriger sein.
Wood stellt es zudem so dar, als wäre der Plan der Regierung gewesen, eine Reserve in Höhe von einer Million Bitcoin aufzubauen. Es gibt jedoch keine offiziellen Aussagen der Administration, die dies bestätigen würden.
Cynthia Lummis reichte zwar genau dazu einen Gesetzentwurf ein und teilte im Dezember 2024 mit, dass Scott Bessent ihr Verbündeter bei dem Vorhaben sei und mehrere Monate sogar noch, dass Trump den Gesetzentwurf unterstützen würde. Doch die Realität scheint ihre Darstellung bislang nicht zu stützen. Außerdem tut sich die Senatorin, die bei den Midterms nicht wieder antreten wird, schwer, im Kongress genügend Gleichgesinnte zu finden.
Dennoch liefert die ARK Invest-Gründerin gute Argumente dafür, dass die Trump-Regierung in diesem Jahr Anstrengungen unternehmen wird, um die Bitcoin- und Krypto-Community glücklich zu machen. Die Steuerbefreiung für kleine Krypto-Transaktionen, für die eine Mehrheit in den beiden Kammern des Kongresses nötig wäre, voranzutreiben, stellt einen naheliegenden Schritt dar.
Bevor die USA aktiv Bitcoin kaufen, müsste aber wohl noch das Dekret zur Bitcoin-Reserve gesetzlich verankert werden. Und falls es wirklich im Interesse der Trump-Regierung ist, die Reserve aktiv zu vergrößern, wird vermutlich mit einer anderweitigen Akkumulation gestartet – etwa staatlichem Mining. Trotz alledem sind aktive Bitcoin-Käufe der USA in diesem Jahr natürlich im Rahmen des Möglichen.