Bitcoin startet mit Schwung ins neue Jahr. Nach Wochen enger Handelsspannen und einer spürbaren Ermüdung auf der Käuferseite nähert sich der Kurs erneut der Marke von 95.000 US-Dollar. Die Erholung wirkt auf den ersten Blick überzeugend, zumal sich auch die Stimmung im breiteren Kryptomarkt leicht aufgehellt hat. Doch unter der Oberfläche zeigen zahlreiche Indikatoren ein differenzierteres Bild. Während der Preis steigt, bleibt die Überzeugung vieler Marktteilnehmer begrenzt. Die zentrale Frage lautet daher: Ist dies der Beginn einer nachhaltigen Trendwende – oder lediglich eine technisch getriebene Erholung mit begrenzter Substanz?
Bitcoin-Erholung zum Jahresstart: Kursdynamik ohne Ausbruch
Seit dem Jahreswechsel hat Bitcoin rund acht Prozent zugelegt und damit den höchsten Stand seit mehreren Wochen erreicht. Die Bewegung folgt auf eine längere Phase niedriger Volatilität, in der sich Käufer und Verkäufer weitgehend neutralisierten. Solche Rebounds sind typisch für Marktphasen, in denen negative Erwartungen zunächst abgebaut werden, ohne dass bereits neue bullishe Narrative greifen.
JUST IN: Bitcoin is due for a breakout to new highs in 2026, says portfolio manager Bill Miller IV.
"Technicals are really starting to line up, looks like it's ready to go again." 👀 pic.twitter.com/ML7ds90PlD
— Bitcoin Archive (@BitcoinArchive) January 5, 2026
Auffällig ist jedoch, dass die Erholung bislang nicht von einem klaren Volumenanstieg begleitet wird. Historisch gingen nachhaltige Aufwärtsbewegungen bei Bitcoin meist mit wachsender Aktivität einher – sowohl im Spot- als auch im Derivatemarkt. Das aktuelle Preisniveau signalisiert zwar Entspannung, lässt aber noch keinen strukturellen Ausbruch erkennen.
Futures-Markt: Flache Positionierung trotz steigender Kurse
Ein Blick auf den Futures-Markt unterstreicht die Zurückhaltung vieler Trader. Das aggregierte Open Interest liegt deutlich unter früheren Hochs und bleibt spürbar hinter früheren Rally-Phasen zurück. Obwohl neue Positionen aufgebaut werden, geschieht dies in begrenztem Umfang und ohne aggressiven Einsatz von Hebel.
Diese Konstellation deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer zwar bereit sind, kurzfristige Chancen zu nutzen, sich aber nicht langfristig festlegen. Für Bitcoin bedeutet das: Der Preis steigt, doch das Vertrauen in eine anhaltende Trendfortsetzung ist bislang gering. In der Vergangenheit erwiesen sich solche Phasen häufig als anfällig für abrupte Rücksetzer.
Spotmarkt und Orderbuch: Verkäufer behalten die Oberhand
Auch der Spotmarkt liefert bislang keine Bestätigung für eine robuste Erholung. Das Orderbuch ist auf mehreren Preisstufen ask-lastig, was darauf hindeutet, dass Verkaufsinteresse überwiegt. Käufer scheinen eher abzuwarten, statt aggressiv in den Markt zu gehen.
$1,400,000,000 in $BTC open interest has been added today.
Things are getting a bit frothy in the short term. pic.twitter.com/TrbaXkPCsW
— Ted (@TedPillows) January 5, 2026
Zusätzlich bleibt die Nachfrage aus den USA bislang uneinheitlich. Indikatoren wie der Coinbase Premiumindex, der den Preisunterschied zwischen US-Börsen und internationalen Handelsplätzen misst, notierten über weite Strecken zuletzt im negativen Bereich. Zwar drehte der Index in den vergangenen Stunden kurzzeitig ins Positive, was auf punktuelle Kaufaktivität aus den USA hindeutet, doch der Ausschlag blieb bislang begrenzt und konnte sich nicht nachhaltig etablieren. Damit fehlt es weiterhin an einem klaren, breiten Impuls aus dem US-Spotmarkt. Frühere Aufwärtsphasen bei Bitcoin wurden häufig von anhaltend positiven Premium-Werten begleitet, die auf starke institutionelle Nachfrage hindeuteten. Die aktuelle Konstellation spricht eher für selektives, taktisches Engagement als für einen strukturellen Nachfrageaufbau – ein weiteres Signal dafür, dass die laufende Erholung bislang auf wackligem Fundament steht.
Coinbase Bitcoin Premium has flipped positive. pic.twitter.com/HMmn2kHVbO
— Ted (@TedPillows) January 5, 2026
Bitcoin und der Optionsmarkt: Entspannung statt Überzeugung
Konstruktiver zeigt sich der Optionsmarkt. Kurzfristige Skews haben sich normalisiert, was auf einen geringeren Absicherungsbedarf gegen fallende Kurse hindeutet. Die Marktteilnehmer rechnen aktuell seltener mit abrupten Abverkäufen, was als Zeichen einer stabileren Erwartungslage gewertet werden kann.
Gleichzeitig ist Vorsicht geboten. Ein Großteil der jüngsten Call-Aktivität lässt sich auf Short-Covering und Volatilitätsstrategien zurückführen. Das bedeutet: Händler positionieren sich weniger auf steigende Preise als vielmehr auf größere Bewegungen in beide Richtungen. Für Bitcoin ist das ein Zeichen von taktischer Anpassung, nicht von neuer Überzeugung.
Rückzug langfristiger Investoren belastet die Marktstruktur
Ein zentraler Unsicherheitsfaktor bleibt das Verhalten langfristiger Bitcoin-Investoren. Daten zeigen, dass sogenannte Long-Term Holder ihre Bestände schrittweise reduzieren. Diese Gruppe gilt traditionell als stabilisierendes Element, da sie Angebot verknappt und kurzfristige Schwankungen abfedert.
Der aktuelle Abbau schwächt genau diesen Effekt. Die Erholung verliert dadurch an strukturellem Fundament, da zusätzliches Angebot in den Markt gelangt. Solange sich dieser Trend nicht umkehrt, bleibt die Aufwärtsbewegung anfällig. Historisch gingen nachhaltige Bullenphasen fast immer mit Akkumulation durch langfristige Halter einher.
ETF-Zuflüsse als Stabilisator, nicht als Kurstreiber
Positiv wirken weiterhin die Zuflüsse in Bitcoin-ETFs. Zu Jahresbeginn zeigen sich institutionelle Investoren aufnahmebereit, und der Zugang über regulierte Produkte wird stetig ausgeweitet. Diese Entwicklung schafft Vertrauen und reduziert extreme Abwärtsrisiken.
Allerdings fungieren ETFs bislang eher als stabilisierender Faktor denn als Impulsgeber. Die Zuflüsse reichen aus, um größere Abverkäufe aufzufangen, lösen aber keine dynamische Nachfragewelle aus. Auch hier zeigt sich: Bitcoin wird zunehmend als etablierter Vermögenswert wahrgenommen, reagiert aber weniger explosiv als in früheren Zyklen.
Bitcoin zwischen Schlüsselmarken: Entscheidung naht
Kurzfristig richtet sich der Blick auf die Zone um 95.000 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Niveau erfordert steigendes Volumen und stärkere Spot-Nachfrage. Bleibt diese aus, sind Gewinnmitnahmen wahrscheinlich, zumal viele Marktteilnehmer die Rally bislang taktisch nutzen.
Auf der Unterseite gelten 92.000 und 90.000 US-Dollar als wichtige Unterstützungen. Ein Rückfall in diesen Bereich würde das Bild einer fragilen Erholung bestätigen. Insgesamt zeigt sich Bitcoin aktuell konstruktiv, aber nicht überzeugend. Die kommenden Wochen dürften entscheiden, ob aus der Erholung ein tragfähiger Trend entsteht.
coin-update.de