Großbritannien könnte den Großteil der 61.000 Bitcoin, die im Jahr 2018 konfisziert wurden, auf den Markt werfen. Die $BTC stammen aus der Betrugsmasche einer chinesischen Staatsbürgerin, die sich am Montag dieser Woche zusammen mit ihrem Komplizen schuldig bekannt hat. Laut einem Artikel der Financial Times kommt bei britischen Finanzbeamten bereits die Hoffnung auf, das Geld könne sich auf die geplanten Steuererhöhungen auswirken.
Anlegerbetrug und 61.000 $BTC
Die Chinesin Zhimin Qian, von der die Bitcoin stammen, verkaufte laut britischen Gerichtsunterlagen Anlageprodukte, die hohe Renditen von bis zu 300 Prozent versprachen. Doch die 47-Jährige, die auch als „Göttin des Wohlstands“ bekannt war, leitete das Geld der Anleger an eine Krypto-Börse weiter, um es in Bitcoin zu tauschen. Die Betrugsmasche war mehrere Jahre aktiv und hinterlässt mehr als 128.000 Geschädigte, heißt es in der Pressemitteilung der Londoner Polizei.
Zwischen 2014 und 2017 orchestrierte Qian einen großangelegten Betrug in China, bei dem sie über 128.000 Opfer betrog und die illegal erworbenen Gelder in Bitcoin lagerte.
Pressemitteilung der Polizei
Im Juli 2017, als in China Ermittlungen aufgenommen wurden, floh Qian mit gefälschten Papieren nach Großbritannien. Die britische Polizei stieß erstmals im Jahr 2018 auf Qian. Zu diesem Zeitpunkt untersuchten die Beamten einen missglückten und verdächtigen Versuch eines Immobilienkaufs. Qian versuchte in Großbritannien, ihr Geld – beziehungsweise das der Anleger – durch den Kauf von Immobilien zu waschen.
Im Zuge dessen konfiszierte die Polizei Geräte aus ihrer gemieteten Villa in Hampstead, London. Das Ausmaß der Beschlagnahmung wurde jedoch erst im Jahr 2021 bekannt, als Ermittler im Mai 2021 Zugang zu den Wallets erhielten. Doch da hatte die Polizei bereits die Spur verloren.
Laut der Staatsanwaltschaft gelang es schließlich im April 2024, Qian und ihren Komplizen in York, England, aufzuspüren. Dabei wurden verschlüsselte Geräte, Bargeld, Gold und weitere Krypto-Werte sichergestellt. Der Wert dieser Beschlagnahmung beläuft sich Stand Juli 2025 auf 11 Millionen Pfund (circa 15 Millionen US-Dollar). Eine multinationale Kooperation von Behörden habe dies möglich gemacht.
Am 30. Mai 2021 flossen aus einer der Wallets 6.241 $BTC ab. Die Spuren führen überwiegend zu einer kleinen, China-verbundenen Börse und zu einem Mixer. 1.741 $BTC konnte die britische Polizei zurückbekommen, doch rund 4.500 $BTC blieben verschwunden, berichtete das Medium Elliptic im März 2024.
Qians Anwalt veröffentlichte im Mai 2024 eine Erklärung, in der er behauptete, Qian habe China im Jahr 2017 heimlich verlassen müssen, da Krypto-Unternehmer befürchtet hätten, ungerechtfertigterweise verhaftet und misshandelt zu werden sowie ihr Vermögen konfisziert zu bekommen.
In einem von der britischen Polizei beschlagnahmten digitalen Tagebuch hielt Qian ihren Wunsch fest, vom Dalai Lama zur „wiedergeborenen Göttin“ gesalbt zu werden und ein eigenes Reich in „Liberland“ zu regieren – einer 7 km² großen, nicht anerkannten und unbewohnten Mikronation an der Donau zwischen Kroatien und Serbien.
Ihre Pläne umfassten unter anderem einen buddhistischen Tempel, Infrastruktur wie Flughafen und Hafen sowie Krone und Zepter im Wert von 5 Millionen Pfund. Laut Aussage ihrer früheren Assistentin Wen war Qians Realität jedoch wenig glamourös: Sie hatte nach einem Autounfall Gehprobleme und verbrachte oft fast den gesamten Tag im Bett am Laptop – mit Gaming, Online-Shopping und Bitcoin-Transaktionen.
Qian bekennt sich schuldig
Am Montag dieser Woche bekannten sich Zhimin Qian und ihr malaysischer Assistent Hok Seng Ling vor einem Londoner Gericht für schuldig.
Im Fall von Qian geht es darum, kriminelles Vermögen aufgebaut und besessen zu haben.
Ling hatte im Auftrag von Qian Handlungen mit den Bitcoin umgesetzt, in dem Wissen oder mit dem Verdacht, dass dies den Erwerb oder die Kontrolle von kriminellem Vermögen erleichtere, heißt es in der Anklage. Die beiden werden im November verurteilt.
Qians ehemalige Assistentin, Jian Wen, wurde im vergangenen Jahr nach zwei Gerichtsverfahren zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.
Geldwäsche wird in England mit einer Höchststrafe von 14 Jahren geahndet. Qian wird jedoch möglicherweise nie an China ausgeliefert, da zwischen den beiden Ländern kein Auslieferungsabkommen besteht. Die Betrügerin, die auch als Yadi Zhang bekannt ist, wünscht sich laut der Aussage ihres Anwalts, dass die Geprellten eine angemessene Entschädigung erhalten.
„Mit ihrem heutigen Schuldbekenntnis hofft Frau Zhang, den Anlegern, die seit 2017 auf eine Entschädigung warten, etwas Trost zu spenden und ihnen zu versichern, dass aufgrund des deutlichen Anstiegs der Krypto-Werte mehr als genug Mittel zur Verfügung stehen, um ihre Verluste auszugleichen“, erklärte Qians Anwalt Roger Sahota von Berkeley Square Solicitors.
Nach der dieswöchigen Verurteilung von Qian beziehungsweise Zhang und ihrem Komplizen geht die Auseinandersetzung um die Ansprüche in die nächste Runde – und Großbritannien hofft, möglichst viele $BTC behalten zu können.
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