Der Einfluss traditioneller Finanzakteure auf den Bitcoin-Markt nimmt massiv zu. Seit dem Start der US-Spot-ETFs im Januar 2024 haben börsengehandelte Fonds über eine Million $BTC eingesammelt – rund 5,2 Prozent des zirkulierenden Angebots. Doch die ETF-Rally ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch am OTC-Markt dominieren institutionelle Player, während Miner-Bestände schrumpfen und das Verhalten langfristiger Hodler neue Muster zeigt – TradFi scheint das Marktgleichgewicht nachhaltig zu verschieben.
ETF-Zuflüsse überschreiten 1-Million-$BTC-Marke
Laut aktuellen Berechnungen von VanEck und CoinShares halten die elf US-Spot-Bitcoin-ETFs mittlerweile über 1.030.000 $BTC. Das entspricht mehr als fünf Prozent des zirkulierenden Gesamtangebots. Besonders auffällig: Der Marktführer IBIT (BlackRock) dominiert mit einem Anteil von über 50 Prozent an den Neuzuflüssen, während GBTC (Grayscale) weiterhin Nettoabflüsse verzeichnet.
Die ETF-Zuflüsse übersteigen inzwischen deutlich die monatliche Nettoemission neuer $BTC. Miner können aktuell rund 13.500 $BTC pro Monat generieren (bei 450 $BTC pro Tag), während ETFs allein in der Berichtswoche zum 29.07.2025 laut CoinShares über 4.900 $BTC akkumulierten.
Wintermute-Analyse: OTC-Markt explodiert
Neben ETFs etabliert sich der OTC-Handel als zentrale Säule institutioneller Kapitalzuflüsse. Dem aktuellen Wintermute OTC Market Review (H1 2025) zufolge wurde im ersten Halbjahr 2025 ein OTC-Volumen verzeichnet, das etwa 2,4-mal so hoch war wie das Volumen auf zentralisierten Börsen. Das Optionsvolumen ist im Jahresvergleich um 412 Prozent gestiegen, 96 Prozent der institutionellen Orders betreffen $BTC, ETH und Stablecoins. Retail-Anleger rotieren demnach eher in Altcoins, während TradFi bei den beiden großen Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum bleibt.
Wintermute beobachtet außerdem einen Rückzug von Krypto-nativen Akteuren: Viele liquidieren Positionen oder parken Kapital in Stablecoins. Gleichzeitig gewinnen institutionelle Akteure zunehmend die Kontrolle über die Marktliquidität – insbesondere über nicht-öffentliche Orderflows.
On-Chain-Daten: Miner verkaufen, Hodler differenzieren
Auch die On-Chain-Daten bestätigen die tektonische Verschiebung. Miner-Reserven befinden sich laut CryptoQuant in einem mehrjährigen Abwärtstrend. Einzelne Ausreißer bei den Miner Outflows im Juli – mit teils über 15.000 $BTC pro Tag – deuten hierbei auf punktuelle Gewinnmitnahmen hin. Zudem wachsen illiquide Bestände, während die $BTC-Bestände auf Börsen weiter sinken. Insgesamt ergibt sich ein klares Bild: Bitcoin wandert in starke Hände, viele davon institutionell.
Kursverlauf seit ETF-Start: 153 Prozent in 1,5 Jahren
Am 10. Januar 2024, dem Tag der ETF-Genehmigung durch die SEC, notierte Bitcoin bei rund 46.700 US-Dollar. Heute, rund 1,5 Jahre später, liegt der Kurs bei über 118.000 US-Dollar – ein Anstieg von 153 Prozent seit dem ETF-Start.
Bitcoin wird zum institutionellen Asset
Die Datenlage ist eindeutig: Der Bitcoin-Markt befindet sich in einer Phase der institutionellen Transformation. ETFs, OTC-Desks und Fonds absorbieren das Angebot, während Miner-Bestände schrumpfen und Hodler selektiver agieren. Die dominanten Kapitalströme stammen aus der TradFi-Welt – und sie verändern nicht nur die Preisbildung, sondern auch die Marktstruktur.
Bitcoin wird zunehmend wie ein klassisches Anlagegut behandelt – mit festen Allokationen, langfristiger Treasury-Strategie und wachsender Relevanz in Portfolios institutioneller Investoren. Die Frage ist nicht mehr, ob TradFi den Markt dominiert – sondern, wie knapp das Angebot werden kann.