Die Lage ist schwierig. Höhere Energiepreise belasten Verbraucher und Unternehmen und können zugleich das Wirtschaftswachstum bremsen. Eine weitere Zinserhöhung könnte die Inflation dämpfen, würde aber auch Kredite verteuern.
In ihrer Stellungnahme warnt die EZB, dass die Folgen des Energiepreisschocks noch nicht vollständig absehbar seien. Die zugrunde liegende Inflation sei bislang relativ stabil geblieben. Auch bei den Löhnen sei bisher kaum eine Reaktion auf die höheren Preise zu erkennen.
Dennoch wächst das Risiko, dass die Inflation länger auf hohem Niveau bleibt. Die Notenbank betont deshalb, dass sie ihre weiteren Zinsentscheidungen von neuen Konjunkturdaten abhängig machen werde.
Inflation auf höchstem Stand seit drei Jahren
Die Inflation im Euroraum hat in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Im September lagen die Verbraucherpreise nach Angaben von Eurostat im Durchschnitt 3,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit erreichte die Teuerungsrate den höchsten Stand seit September 2023.
Ein wesentlicher Treiber sind die steigenden Energiepreise. Der Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus haben die Ölpreise stark steigen lassen. Über höhere Kosten für Kraftstoffe, Transport und Produktion schlägt sich dies letztlich auch in den Verbraucherpreisen nieder.
Im Februar, vor Ausbruch des Konflikts, hatte die Inflation noch bei 1,9 Prozent gelegen. Inzwischen wird für das Gesamtjahr 2026 mit einer Teuerungsrate von rund drei Prozent gerechnet.
Analysten erwarten deshalb, dass die EZB die Zinsen im Dezember erneut anhebt. George Moran, europäischer Makrostratege bei RBC, rechnet mit einer Erhöhung auf 2,75 Prozent.
An den Finanzmärkten werden sogar bis zu drei weitere Zinserhöhungen erwartet. Zugleich warnt Moran, dass die wachsenden Renditeabstände zwischen europäischen Staatsanleihen die EZB zu mehr Vorsicht veranlassen könnten.
Besonders Frankreich steht dabei im Fokus. Der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen stieg vergangene Woche auf knapp 1,78 Prozentpunkte und damit auf den höchsten Stand seit etwa 15 Jahren.
Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ließ die Zinsen am Mittwoch unverändert. Der US-Leitzins liegt damit weiterhin in einer Spanne von 3,75 bis 4 Prozent. Anleger rechnen auch dort mit einer weiteren Anhebung im Dezember.
Für Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen sind diese Entwicklungen von Bedeutung. Höhere Zinsen machen Spareinlagen und Anleihen attraktiver und können dadurch risikoreiche Anlagen unter Druck setzen. Zudem könnten anhaltend hohe Energiepreise die Unsicherheit an den Finanzmärkten verstärken.
EZB-Präsidentin Lagarde kündigt vorzeitigen Abschied an
Neben der Zinsentscheidung gab es am Donnerstag eine weitere wichtige Nachricht von der EZB. Präsidentin Christine Lagarde hat bestätigt, dass sie ihr Amt am 7. Februar 2027 niederlegen wird – acht Monate vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit.
Durch ihren vorzeitigen Abschied können die europäischen Staats- und Regierungschefs die Nachfolge noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im April regeln. Damit könnte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei der Ernennung eine wichtige Rolle spielen.
Der frühere niederländische Notenbankpräsident Klaas Knot gilt schon länger als möglicher Nachfolger. Zu seinen Konkurrenten zählt unter anderem Pablo Hernández de Cos, der ehemalige Präsident der spanischen Zentralbank und heutige Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.