Für die Ur-Kryptowährung ging es zuletzt um über drei Prozent abwärts auf 80.740 US-Dollar und damit unter die 81.000-Dollar-Marke, die zuletzt noch als Unterstützung galt, wie Binance unter Berufung auf Liquid-Capital-Gründer Yi Lihua berichtete.
Noch stärker trifft es Ethereum. Hier ging es zuletzt um knapp sechs Prozent auf 2.354 US-Dollar abwärts. XRP verliert derweil 4,64 Prozent auf 1,30 US-Dollar, während Solana um 4,83 Prozent auf 101,92 US-Dollar nachgibt.
Grund für die kräftigen Kursverluste sind die US-Inflationsdaten: Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums stiegen die Verbraucherpreise im September um 0,6 Prozent zum Vormonat. Die Jahresrate erreichte 3,7 Prozent nach 3,4 Prozent im August. Ökonomen hatten nach einer Umfrage mit rund 3,6 Prozent gerechnet. Der Benzinpreis allein machte mehr als die Hälfte des monatlichen Anstiegs aus. Auch die Kernrate ohne Nahrung und Energie zog auf 2,6 Prozent an, nach 2,4 Prozent im Vormonat. Richard Carter von Quilter Cheviot sagte, die Kerninflation übertreffe ebenfalls die Prognosen, die höheren Preise sickerten in die breite Wirtschaft ein.
Zinssorgen belasten auch Tech- und KI-Aktien
Dabei beschränkt sich der Ausverkauf nicht nur auf den Kryptomarkt. Vielmehr bekommen auch kapitalintensive Tech- und KI-Unternehmen den Druck zu spüren. Denn die hohe Inflation lässt Anleger mit steigenden Zinsen rechnen, und je höher die Zinsen, desto stärker werden künftige Gewinne bei der Bewertung abgezinst. So gaben vor allem Techwerte in Asien kräftig nach.
Dominick John von Zeus Research sagte gegenüber The Block, die Schwäche in Asien und bei Krypto spiegle eine breitere Risikoscheu wider. Timo Emden von CapTrader betonte, die Sorge vor geldpolitischen Enttäuschungen sei größer als die Risikobereitschaft.
Bitcoin-Prognosen: Experten uneins über den weiteren Kurs
Seit Ende September bewegt sich Bitcoin in einer vergleichsweise engen Spanne. In den Sommermonaten war er bis auf rund 60.000 US-Dollar gefallen, bevor er sich im August und September erholte.
Paul Howard von Wincent erwartet kurzfristig eine Spanne von 80.000 bis 88.000 US-Dollar. Bei einem Bruch unter 80.000 US-Dollar sei der Weg Richtung 75.000 US-Dollar offen. Matt Mena von 21Shares sieht einen Großteil des Abwärtsrisikos dagegen bereits eingepreist, nachdem Bitcoin die Marke von 85.000 US-Dollar verloren und die Unterstützungszone zwischen 81.000 und 82.000 US-Dollar getestet hatte. Er hält einen Anstieg Richtung 85.000 bis 90.000 US-Dollar für wahrscheinlicher.
Fed-Zinspfad im Fokus: Hält Bitcoin die 80.000-Dollar-Marke?
Für die kommenden Wochen dürfte vor allem die Geldpolitik den Takt am Kryptomarkt vorgeben. Im Fokus steht die nächste Sitzung der US-Notenbank Ende Oktober: Anleger dürften genau verfolgen, ob die Fed die Tür für eine Zinserhöhung weiter öffnet oder die jüngsten Inflationsdaten als Ausreißer wertet. Zusätzliche Hinweise liefern der PCE-Preisindex, das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, sowie die Arbeitsmarktdaten.
Solange die Teuerung hartnäckig bleibt und die Zinssorgen nicht abklingen, dürften Bitcoin und andere Kryptowährungen als zinslose und schwankungsanfällige Anlagen tendenziell unter Druck stehen. Charttechnisch rückt damit die Marke von 80.000 US-Dollar in den Mittelpunkt: Hält sie, könnte sich die Seitwärtsphase fortsetzen, fällt sie, droht nach Einschätzung von Experten ein Rücksetzer. Eine nachhaltige Trendwende dürfte erst zu erwarten sein, wenn neue Daten eine Entspannung bei der Inflation signalisieren und die Zinserwartungen wieder sinken.