Einen erheblichen Teil des Anstiegs lieferte allerdings der Derivatemarkt. Als Bitcoin die Marke von 84.000 bis 85.000 US-Dollar überwand, mussten zahlreiche Trader:innen, die auf fallende Kurse gewettet hatten, ihre Positionen zwangsweise schließen. Dieser sogenannte Short Squeeze trieb den Kurs zusätzlich nach oben. Das offene Interesse bei Krypto-Perpetual-Futures stieg dabei auf rund 160 Milliarden US-Dollar und näherte sich damit dem Niveau vom Oktober 2025, als der Markt nach einer Rekordphase schwer eingebrochen war.
Ursache 1: Zu viel Hebel im Markt
Genau dieser Hebel wird dem Markt nun zum Verhängnis, diesmal in die andere Richtung. Nachdem Bitcoin am Mittwoch zur Eröffnung der Wall Street am Widerstand bei 87.000 US-Dollar gescheitert war, rutschte der Kurs unter 84.000 US-Dollar. Laut Cointelegraph wurden dabei binnen vier Stunden Long-Positionen im Wert von rund 280 Millionen US-Dollar liquidiert, allein in einer einzigen Stunde waren es 237 Millionen US-Dollar. Jede Zwangsschließung erzeugt zusätzlichen Verkaufsdruck, der wiederum weitere Liquidationen auslöst.
Besonders deutlich zeigt sich das bei den Altcoins, die zuvor am stärksten gestiegen waren. Beim Rallye-Star $NEAR Protocol etwa hatte sich das offene Interesse laut Coin Gabbar auf 1,29 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt, das Futures-Volumen lag zeitweise viermal so hoch wie der Spot-Handel. Solche von Derivaten getriebenen Bewegungen drehen erfahrungsgemäß schnell, sobald der Schwung nachlässt.
Ursache 2: Gewinnmitnahmen an der ETF-Schwelle
Dazu kommen klassische Gewinnmitnahmen. Viele kurzfristig orientierte Anleger:innen haben nach dem Anstieg von rund 35 Prozent seit Mitte August Kasse gemacht. Auffällig ist dabei eine Marke: Die durchschnittlichen Einstiegskosten aller US-Spot-Bitcoin-ETFs liegen bei etwa 86.000 US-Dollar. Viele ETF-Investor:innen, die lange im Minus lagen, nutzen die Rückkehr in die Gewinnzone offenbar zum Ausstieg. Laut CryptoQuant ist die Spot-Nachfrage nach Bitcoin auf 30-Tages-Sicht weiterhin negativ, auch wenn sich der Trend langsam dreht.
Ursache 3: Starker Dollar und Zinssorgen
Auch das makroökonomische Umfeld bremst. Die US-Notenbank Fed hat vergangene Woche die Leitzinsen erstmals seit 2023 wieder angehoben, und zwar um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Der Schritt war weitgehend eingepreist, doch nun rechnen die Märkte mit einer weiteren Erhöhung im Oktober. Laut CoinGape wetten rund 65 Prozent der Trader:innen auf Prognosemärkten auf eine erneute Anhebung. Der US-Dollar-Index ist zugleich auf den höchsten Stand seit acht Wochen gestiegen, der Euro fiel auf rund 1,14 US-Dollar. Ein starker Dollar und hohe Renditen bei US-Staatsanleihen machen riskante Anlagen wie Kryptowährungen tendenziell weniger attraktiv.
Die größten Krypto-Assets im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die größten Krypto-Assets nach Marktkapitalisierung (ohne die Stablecoins Tether und USDC) laut CoinMarketCap. Die Preise wurden zum aktuellen Kurs von 1,14 US-Dollar je Euro umgerechnet.
Wie es weitergehen könnte
Ganz vorbei ist die Party wohl noch nicht. Die ETF-Zuflüsse halten bislang an, laut CoinGape verzeichneten die US-Bitcoin-ETFs zuletzt fünf Tage in Folge Zuflüsse. Analyst Rekt Capital sieht die Marke von rund 82.000 US-Dollar (etwa 72.000 Euro) als entscheidende Unterstützung: Hält Bitcoin dieses Niveau, bleibt der Aufwärtstrend intakt. Fällt der Kurs darunter, droht laut dem Analysten eine Rückkehr in die Spanne zwischen 60.000 und 80.000 US-Dollar, in der Bitcoin einen Großteil des Jahres verbracht hat. Nach oben gilt die Zone um 90.000 US-Dollar als nächste große Hürde, an der viele Anleger:innen erneut Gewinne mitnehmen dürften.
Für Altcoin-Investor:innen bleibt die Lage besonders volatil. Coins wie $NEAR, Bitcoin Cash oder Uniswap haben in wenigen Tagen Wochengewinne von 30 bis 50 Prozent eingefahren, entsprechend groß ist der Spielraum nach unten, sobald der Hebel aus dem Markt gedrückt wird.