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Warnsignal für den Kryptomarkt: Hebel steigt auf höchsten Stand seit einem Jahr

source-logo  newsbit.de 23 September 2026 10:58, UTC
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Der Kryptomarkt hat die Marke von 3 Billionen US-Dollar wieder überschritten, angetrieben von der kräftigen Erholung von Bitcoin ($BTC). Zugleich nimmt die Risikobereitschaft unter Händlern deutlich zu.

In sogenannten Perpetual Futures sind inzwischen Positionen im Volumen von fast 160 Milliarden US-Dollar offen. Das ist der höchste Stand seit Ende Oktober vergangenen Jahres. Damit steigt das Risiko, dass eine plötzliche Kursbewegung eine Welle von Liquidationen auslöst.

Bitcoin selbst legte am Montag um knapp acht Prozent zu und erreichte 87.381 US-Dollar, den höchsten Stand seit Ende Januar. Inzwischen ist der Bitcoin-Kurs wieder etwas zurückgekommen. Die kräftige Erholung geht sowohl mit hohen institutionellen Zuflüssen als auch mit einem raschen Aufbau spekulativer Positionen einher.

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Spekulation am Kryptomarkt nimmt rasch zu

Der gesamte Kryptomarkt hat seit dem vergangenen Monat mehr als 740 Milliarden US-Dollar an Wert gewonnen. Das geht aus Daten von CoinGecko hervor, auf die sich Bloomberg beruft. Ein Teil dieser Erholung fällt mit einem zunehmenden Handel auf Kredit zusammen.

Händler verschaffen sich dabei über Hebelprodukte zusätzliche Marktexponierung und eröffnen größere Positionen, als es ihr eigener Einsatz erlauben würde. Das kann Gewinne vergrößern, verstärkt Verluste aber ebenso. Bewegt sich der Markt plötzlich in die falsche Richtung, können Positionen automatisch geschlossen werden.

Besonders auffällig ist der Anstieg des Open Interest. Gemeint ist der Gesamtwert aller noch offenen Derivatekontrakte. Nach Daten von Coinglass ist das Open Interest bei Perpetual Futures über den gesamten Kryptomarkt hinweg auf fast 160 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Die Marktdaten zeigen dasselbe Muster. Damit liegt der Wert so hoch wie seit Oktober 2025 nicht mehr.

Crypto leverage is exploding again.

Open interest across the market has surged to its highest level since October 2025.

Traders are piling back into leveraged positions fast.

If this gets too crowded, expect a major flush. pic.twitter.com/riM2m6KxWA

— Mister Crypto (@misterrcrypto) September 23, 2026

Allein bei Bitcoin sind laut Coinalyze derzeit Positionen im Umfang von rund 30,7 Milliarden US-Dollar offen. Binance ist mit etwa 12,3 Milliarden US-Dollar mit Abstand die größte Börse in diesem Markt. Dahinter folgen Bybit und Hyperliquid mit rund 5,8 Milliarden beziehungsweise 3,9 Milliarden US-Dollar.

Warum hoher Leverage gefährlich werden kann

Ein hohes Open Interest ist für sich genommen noch kein Vorzeichen eines Crashs. Das Risiko entsteht vor allem dann, wenn Händler immer größere gehebelte Positionen aufbauen, während die tatsächliche Nachfrage am Spotmarkt zurückbleibt.

Ryan Lee, Chefanalyst bei Bitget, warnt, dass die Gefahr eines Rückschlags steigt, wenn Open Interest und Finanzierungskosten schneller zulegen als die Nachfrage am Spotmarkt.

Dieses Risiko zeigte sich in dieser Woche bereits, allerdings auf der anderen Marktseite. Während des starken Kursanstiegs am Montag wurden bearish positionierte Wetten im Umfang von mehr als 920 Millionen US-Dollar liquidiert. Händler, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten ihre Positionen schließen. Das kann einen Anstieg zusätzlich beschleunigen, weil sie Bitcoin und andere Kryptowährungen zurückkaufen müssen. Andere Marktdaten beziffern die Liquidationen ebenfalls auf rund 919 Millionen US-Dollar.

Auffällig ist, dass das Open Interest danach nicht deutlich zurückging. Nach Einschätzung von Rachael Lucas, Analystin bei $BTC Markets, deutet das darauf hin, dass geschlossene Positionen nahezu unmittelbar durch neue ersetzt werden.

Lucas zufolge laufen Trader der Bewegung hinterher, statt Risiko aus dem Markt zu nehmen. Deshalb könne schon die nächste Bewegung um fünf Prozent in die eine oder andere Richtung schneller ausfallen, als viele erwarteten.

Das kann in beide Richtungen wirken. Ein weiterer Anstieg könnte erneut Händler treffen, die auf fallende Kurse setzen. Fällt der Bitcoin-Kurs jedoch plötzlich zurück, könnten gehebelte Positionen optimistischer Händler liquidiert werden. Diese erzwungenen Verkäufe würden den Abwärtsdruck zusätzlich erhöhen.

Bitcoin-ETFs sorgen zugleich für echte Nachfrage

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied zu einer Rally, die vollständig von Spekulation getragen wird. Auch am Spotmarkt und über US-Börsenfonds ist die Nachfrage nach Bitcoin deutlich gestiegen.

Die US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Montag Nettozuflüsse von 999 Millionen US-Dollar. Das war der höchste Zufluss innerhalb eines Tages seit Oktober 2025. Über drei aufeinanderfolgende Handelstage beliefen sich die Zuflüsse auf rund 1,59 Milliarden US-Dollar.

Damit wird die aktuelle Rally nicht ausschließlich von Händlern mit Leverage getragen. Entscheidend ist vor allem, ob diese tatsächliche Nachfrage stark genug bleibt, wenn der Anteil geliehenen Kapitals im Markt weiter steigt.

Caleb Lin, Senior Trader bei der QCP Group, sieht genau darin das zentrale Risiko. Wenn der Leverage schneller wächst als die Spotnachfrage, kann nach seiner Einschätzung bereits ein vergleichsweise kleiner Rückgang ausreichen, um Long-Positionen zu liquidieren. Diese Verkäufe drücken den Kurs weiter nach unten, wodurch anschließend weitere Positionen unter Druck geraten können.

Dieselbe Dynamik hatte Bitcoin während des jüngsten Anstiegs nach oben geholfen. Oberhalb von rund 83.000 US-Dollar gerieten Händler unter Druck, die auf niedrigere Kurse gesetzt hatten. Da nun auf der anderen Marktseite immer mehr Leverage aufgebaut wird, kann dieser Mechanismus bei einem Kursrückgang auch in die Gegenrichtung wirken.

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