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Warum Bitcoin, Gold und Aktien trotz Zinserhöhung zulegen

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Das Szenario, vor dem Anleger sich gefürchtet hatten, ist eingetreten. Die US-Notenbank hat gestern Abend erstmals seit mehr als drei Jahren die Zinsen erhöht. Dennoch legen Bitcoin (BTC), Gold und auch die Aktienmärkte zu. Wie passt das zusammen?

Die Enttäuschung war bereits eingepreist

Gestern um 20:00 Uhr hat die Federal Reserve (Fed) ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte, den üblichen Zinsschritt, angehoben auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Zunächst reagierten die Märkte mit leichten Kursverlusten, doch am Morgen sahen Anleger wieder grüne Vorzeichen.

Anleger fürchten Zinserhöhungen. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich US-Banken über Nacht gegenseitig Geld leihen. Steigt er, werden kurzfristige Kredite wie Kreditkartenverbindlichkeiten nahezu unmittelbar teurer.

Das wirkt sich auch auf den Anleihemarkt aus. Je höhere Renditen mit „risikofreien“ Staatsanleihen erzielbar sind, desto teurer wird es, andere Anlageklassen zu halten.

Zinserhöhungen belasten direkt die Bewertungen von Gold und Bitcoin, die beide keine Zinsen abwerfen. Zugleich steigt die Messlatte für Aktien, die letztlich Ansprüche auf künftige Gewinne verbriefen.

Warum steigen die Kurse nun trotzdem?

Der Grund ist schlicht, dass eine Zinserhöhung bereits eingepreist war. Auf der Wettplattform Polymarket war deutlich zu sehen, dass seit vergangener Woche eine große Mehrheit darauf gesetzt hatte. Nach den Inflationsdaten vom vergangenen Freitag wurde die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung auf 80 Prozent geschätzt. In dieser Woche stieg sie weiter auf fast 90 Prozent.

In der vergangenen Woche setzten immer mehr Nutzer auf eine Zinserhöhung. – Quelle: Polymarket

Wer mit einer Zinserhöhung rechnete, hatte sein Portfolio in der vergangenen Woche bereits entsprechend angepasst. Als die Fed die Entscheidung gestern Abend bestätigte, war die Enttäuschung damit schon im Kurs enthalten.

Der Moment, dem alle entgegengeblickt hatten, liegt nun hinter den Märkten. Zwar erwarten die meisten Mitglieder des Zinsausschusses in diesem Jahr noch eine weitere Zinserhöhung. Anleger wissen nun aber besser, woran sie sind.

Kevin Warsh zeigt sich entschlossen, die Inflation nach fünf Jahren wieder auf das Ziel von 2 Prozent zu drücken, und hat nach eigenen Angaben nun den Spielraum, entsprechend zu handeln. Die Wirtschaft ist stärker geworden, die Inflation ist nicht gesunken, und die geopolitischen Spannungen haben weiter zugenommen.

Gleichzeitig steigen die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen seit geraumer Zeit. Das liegt teils am enormen Kapitalbedarf für KI-Investitionen und an den hohen Haushaltsdefiziten. Zudem rechnen Anleger künftig mit einer höheren Inflation.

Genau darin lag das eigentliche Risiko. Hätte die Fed nicht eingegriffen, hätte sie ihre Glaubwürdigkeit als Inflationsbekämpferin aufs Spiel gesetzt. Anleger verlangen dann einen zusätzlichen Ausgleich für das Risiko, dass ihr Geld an Wert verliert.

Gewinnt der Markt Vertrauen, dass die Fed die Inflation tatsächlich in den Griff bekommt, sinken die Inflationserwartungen und damit auch die langfristigen Zinsen. Das würde Bitcoin, Gold und Aktien zugutekommen.

Bitcoin führt die Erholung an

Bitcoin schneidet am besten ab und notiert inzwischen deutlich höher als zum Zeitpunkt der Ankündigung. Aktuell liegt der Coin bei 76.400 Dollar, während der Kurs gestern um 20:00 Uhr noch 75.800 Dollar betrug. Das entspricht einem Plus von etwa 0,80 Prozent.

Gold liegt zwar noch rund 0,60 Prozent im Minus, der Preis des Edelmetalls erholt sich jedoch kräftig. Nach dem Zinsentscheid war er um fast 3 Prozent gefallen.

Die Futures auf den S&P 500 rutschten um 1,40 Prozent ab, haben den gesamten Rückgang aber bereits wieder aufgeholt. Die Futures auf den Nasdaq 100 verloren 1,62 Prozent, notieren inzwischen jedoch sogar höher.

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