de
Zurück zur Liste

Der Dollar dominiert, doch Stablecoins in anderen Währungen holen auf

source-logo  newsbit.de 4 S
image

Stablecoins, die nicht an den US-Dollar gekoppelt sind, legen in diesem Jahr deutlich zu. Während der Gesamtmarkt für Dollar-Stablecoins schrumpft, gewinnen digitale Coins, die unter anderem an den Euro, den brasilianischen Real oder den Schweizer Franken gekoppelt sind, rasch an Bedeutung.

Eine Untersuchung der Kryptoplattform CEX.IO zeigt, dass der durchschnittliche Nicht-Dollar-Stablecoin 2026 deutlich schneller wächst als die jeweilige lokale Geldmenge. Erstmals seit dem Sommer 2023 wachsen diese Stablecoins zudem stärker als ihre an den Dollar gekoppelten Pendants.

Stablecoins wachsen fast zehnmal so schnell

CEX.IO untersuchte Stablecoins, die an 25 verschiedene Währungen gekoppelt sind. Die lokale M2-Geldmenge, ein breiter Indikator für die in einer Volkswirtschaft verfügbare Geldmenge, stieg in diesem Jahr im Schnitt um 2,88 Prozent.

Bei den dazugehörigen Stablecoins fällt das Bild deutlich anders aus. Ihre Marktkapitalisierung legte im Durchschnitt um 27,8 Prozent zu. Das ist fast zehnmal so viel.

Nach Angaben der Forscher handelt es sich nicht nur um wenige Ausreißer. Bei 16 der 25 untersuchten Währungen wuchs das Volumen der Stablecoins schneller als die lokale Geldmenge. Bei neun Währungen war das Gegenteil der Fall: Dort schrumpfte der Stablecoin-Markt trotz steigender Geldmenge.

Auch die Gesamtgröße des Marktes zeigt eine klare Veränderung. Nicht-Dollar-Stablecoins hatten in den vergangenen drei Jahren Schwierigkeiten, gemeinsam über eine Marktkapitalisierung von 1,2 Milliarden Dollar hinauszukommen.

Das hat sich in diesem Jahr geändert. Der gesamte Marktwert stieg von 1,38 Milliarden Dollar Anfang Januar auf 1,79 Milliarden Dollar Mitte August. Das entspricht einem Wachstum von rund 29 Prozent.

Dollar-Stablecoins bewegten sich unterdessen in die entgegengesetzte Richtung. Ihr Gesamtangebot sank um 1,8 Prozent auf rund 300 Milliarden Dollar. Der gesamte Stablecoin-Markt ist damit in diesem Jahr geschrumpft, der Rückgang geht jedoch vollständig auf Stablecoins zurück, die an den Dollar gekoppelt sind.

Euro und brasilianischer Real gewinnen an Gewicht

Vor allem bei einigen größeren Währungen erhält das Wachstum spürbares Gewicht. Stablecoins, die an den Euro, den brasilianischen Real, den Schweizer Franken, den japanischen Yen und das britische Pfund gekoppelt sind, erhöhten ihren Marktwert zusammen um mehr als 400 Millionen Dollar.

Besonders auffällig ist der brasilianische Real. Der Marktwert dieser Stablecoins stieg um 112 Prozent, während die lokale M2-Geldmenge lediglich um 4,9 Prozent zulegte. Mit einem Gesamtwert von mehr als 200 Millionen Dollar ist der Real inzwischen die zweitgrößte Währung für Nicht-Dollar-Stablecoins, hinter dem Euro.

Nach Einschätzung von CEX.IO geht ein wesentlicher Teil dieses Wachstums auf BRLA zurück. Dieser Stablecoin wird zunehmend für Zahlungen innerhalb brasilianischer Finanzanwendungen genutzt, darunter Avenia Pay.

Auch Stablecoins, die an den Schweizer Franken gekoppelt sind, wachsen kräftig. Ihr Marktwert legte um 183 Prozent zu, während die lokale Geldmenge nur um 1,2 Prozent stieg. Der gesamte Marktwert kletterte damit über 100 Millionen Dollar und überholte Stablecoins, die an den japanischen Yen gekoppelt sind.

Beim britischen Pfund fällt der prozentuale Anstieg noch deutlich größer aus. Der Markt wuchs in lokaler Währung um 563 Prozent, während die britische Geldmenge lediglich um 2,5 Prozent zunahm. Dieser Anstieg geht allerdings weitgehend auf einen einzigen Stablecoin zurück: tGBP, der in diesem Jahr mehr als 20 Millionen Dollar an Marktwert hinzugewann.

Bei kleineren Währungen fallen die Prozentwerte teils noch spektakulärer aus. Stablecoins, die an den chilenischen Peso und die nigerianische Naira gekoppelt sind, wuchsen um mehr als 200 Prozent. Ihr gesamter Marktwert liegt jedoch weiter unter 1 Million Dollar, sodass bereits vergleichsweise geringe Beträge zu sehr hohen prozentualen Zuwächsen führen können.

Nicht überall nimmt das Interesse zu. Stablecoins, die an den argentinischen Peso gekoppelt sind, verloren in diesem Jahr mehr als 30 Prozent ihres Marktwerts. Nach Einschätzung der Forscher kann die hohe Inflation dort gerade ein Grund sein, Dollar statt digitaler Varianten der lokalen Währung zu nutzen.

Ethereum bekommt mehr Konkurrenz

Die Verschiebung zeigt sich auch bei einem kürzeren Betrachtungszeitraum. In den vergangenen drei Monaten schrumpfte das Angebot an Dollar-Stablecoins um etwa vier Prozent. Nicht-Dollar-Stablecoins wuchsen im selben Zeitraum um rund 3,7 Prozent. Ein solches Auseinanderlaufen war seit dem Sommer 2023 nicht mehr zu beobachten.

Nicht-Dollar-Stablecoins machen inzwischen 0,59 Prozent des gesamten Stablecoin-Angebots aus. Das ist der höchste Anteil seit Oktober 2024. Neben den Hunderten Milliarden Dollar in Dollar-Stablecoins bleibt der Markt damit allerdings klein.

Auch technisch wird der Markt breiter. Im Ethereum-Ökosystem gibt es inzwischen Stablecoins in 30 verschiedenen Währungen, ein neuer Rekord. Ethereum bleibt damit ein wichtiger Ort für die Ausgabe neuer Stablecoins.

Die Dominanz nimmt jedoch ab. Der gemeinsame Anteil von Ethereum und den darauf aufgebauten Skalierungsnetzwerken sank in diesem Jahr von 65 auf 58 Prozent. Netzwerke wie Tron, Solana und Stellar sichern sich einen größeren Teil des Marktes.

Dennoch stehen Nicht-Dollar-Stablecoins noch am Anfang. Bei den meisten untersuchten Währungen entsprechen sie weniger als 0,01 Prozent der lokalen Geldmenge. Zum Vergleich: Dollar-Stablecoins entsprechen rund 1,3 Prozent der amerikanischen M2-Geldmenge.

Die Forscher sehen zugleich eine Veränderung bei der Nutzung. Stablecoins dienen längst nicht mehr nur als stabile Zwischenstation im Kryptohandel. Sie werden auch für Zahlungen eingesetzt und sollen Kosten sowie Hürden beim Wechsel zwischen verschiedenen Währungen senken. Das schnelle Wachstum lokaler Stablecoins im Jahr 2026 zeigt, dass gerade für solche Anwendungen das Interesse zunimmt.

newsbit.de