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Euro als Stablecoin – bisherige Projekte ohne Erfolg, qivalis will Bann brechen

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Der Euro ist nach dem Dollar die wichtigste globale Währung. Doch im Kryptosektor spielen Stablecoins auf Euro-Basis quasi keine Rolle, trotz mannigfaltiger Initiativen. Die Block-Builders Analyse zeigt Gründe auf.

Schon mal etwas von $EURC, Stais Euro oder $EURCV gehört? Wow! Denn selbst die drei wichtigsten Euro Stablecoins weltweit sind so etwas wie ein Geheimnis, zusammengerechnet sorgen sie auf den Kryptomärkten an üblichen Tagen für nicht einmal 100 Millionen Euro Volumen. Zum Vergleich: Allein Tether (USDT), der führende Dollar Stablecoin, erzielt Tagesvolumen von 80 Milliarden US-Dollar. Im Verbund mit seinem Hauptkonkurrenten USDC (Circle) sorgt der US-Dollar für hundertmal mehr Umsatz Tagesgebrauch als der Euro in seinen Blockchain-Varianten. Auf 0,2 Prozent Marktanteil für den Euro beziffert auch Jan-Oliver Sell die Ausgangssituation für Stablecoins, welche dem Dollar Paroli bieten wollen. Sell ist neuerdings CEO beim Projekt qivalis, mit dem ein Dutzend europäischer Großbanken die absolute Dominanz des Dollars im Bereich Stablecoins brechen wollen.

$EURC, Stais Euro und $EURCV – Euro Stablecoins als Nischenprodukt

Auf die ersten Tausend Follower bei X wartet qivalis noch, schon im zweiten Halbjahr soll der noch namenlose Euro Stablecoin für Furore sorgen. Tether, die Nummer Eins im Geschäft mit Stablecoins, hat die Unterstützung für seine Euro Version EURT im November 2025 gestoppt, fehlende Nachfrage und europäische Regulierungswut wurden als Gründe genannt. Tatsächlich hat die EU schon im Juli 2024 vergleichsweise früh mit den MiCA Regeln für den Kryptosektor regulatorische Leitlinen eingezogen, doch die erhoffte Stärkung von Euro Stablecoins ist nicht im geringsten eingetreten.

MiCA Regeln und Weltpolitik – Euro sucht als Stablecoin nach Rolle

Jan-Oliver Sell will das mit qivalis ändern und muss im Interview mit CoinDesk gleich drei Rollen gleichzeitig erfüllen. Da ist die Kryptoszene, die er ansprechen will. Dort sind die Banken wie DeKa und Raiffeisen, die Sell jetzt im Konsortium vertritt. Und irgendwie spielt auch die Politik mit, wenn der frühere Coinbase Chef Deutschland Sätze raushaut wie „Europas finanzielle und digitale Souveränität“ sei bedroht, wenn man den Euro nicht auch auf Blockchains zu Liquidität verhelfe. Gut 20 Prozent beträgt der Marktanteil des Euro auf den traditionellen Finanzmärkten weltweit, Nummer Zwei nach der Weltwährung Dollar mit knapp 60 Prozent.

Krypto-Euro von qivalis will noch in 2026 angreifen

Projekt qivalis wird weder an den MiCA Regeln scheitern noch an fehlenden Reserven, die Deckung durch europäische Großbanken ist mehr als solide. Aber die Geldhäuser sind auch nicht als Wohltäter unterwegs. Mit Gebühren können Herausgeber Stablecoins kleinere Margen erzielen. Das wahre Geschäft liegt dort, wo Einlagen in Staatsanleihen Zinsen abwerfen, Tether hat dieses Prinzip immer weiter perfektioniert und kommt mit wenigen Hundert Mitarbeitern auf 10 Milliarden Dollar Gewinn im letzten Jahr. Euro Stablecoins haben ihr Problem zuallererst auf der Nachfrageseite und hier sind zwei Faktoren wichtig.

Hürden für Euro Stablecoins in der Kryptoszene historisch gewachsen

Die Preise für Bitcoin und Co. werden seit jeher in US-Dollar notiert, selbst kleinste Schwankungen sind fürDaytrader und in der Sparte Dezentralisierte Finanzen (DeFi) deshalb potenziell gewinnträchtig. Ähnlich wie beim Öl- oder Goldpreis haben sich die Märkte darauf eingespielt, in Dollar abzurechen – diese Phalanx ist auch in der Kryptobranche historisch gewachsen. Neben dieser universellen Anwendung von Dollar Stablecoins werben Kryptobörsen wie Coinbase oder Binance mit attraktiven Zinsangeboten. Ob qivalis hier seinen Angriffspunkt finden will, ist auffällig offen. Zinsen auf Euro Stablecoins wie beim Tagesgeld könnten verführerisch wirken und Nutzer anlocken.

Fazit: Idee gut, Chancen offen – qivalis steht vor Praxistext

So manches Argument in der Diskussion um Stablecoins ähnelt den Thesen, welche Wero zum Konkurrenten von Mastercard und Visa machen soll. qivalis immerhin baut nicht auf EU-Geldern, sondern auf Gewinnaussichten: Der Markt für Stablecoins wird bis zum Ende des Jahrzehnts von Milliarden auf Billionen wachsen, da sind sich Prognosen einig. Ob sich europäische Unternehmen von dem Kuchen ihr Stück abschneiden können, ist eine andere Frage, auf die das Debüt von qivalis Stablecoin schon bald eine Antwort erzwingen möchte.

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