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Shanghai-Aktien auf Zehnjahreshoch – Hongkonger Krypto-ETFs stürzen ab

source-logo  de.beincrypto.com 02 März 2026 10:00, UTC
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Der wichtigste Index in Shanghai hat am Montag so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr geschlossen. Viele Anleger in China kaufen jetzt Aktien aus den Bereichen Energie, Gold und Verteidigung, weil es den Konflikt mit dem Iran gibt. Das zeigt noch einmal, warum Geld aus China weiterhin die Krypto-Märkte meidet.

Der Kursanstieg und Pekings stärkere Kontrolle über die Kapitalflüsse vor dem Nationalen Volkskongress begrenzen die ohnehin geringen Chancen, dass chinesisches Kapital in nächster Zeit in Krypto fließt.

Die spannende Entwicklung zweier Märkte

Der Shanghai Composite Index stieg am 2. März um 0,5 Prozent auf 4.182,6 Punkte. Damit steht er so hoch wie zuletzt im Juni 2015, obwohl viele andere asiatische Märkte wegen geopolitischer Spannungen nachgegeben haben. Chinas wichtiger CSI300 legte um 0,4 Prozent zu.

Die Rallye wurde durch Energie- und sichere Anlagen ausgelöst. Die Aktien von CNOOC, PetroChina und Sinopec sind stark gestiegen, nachdem die Ölpreise den größten Sprung seit vier Jahren gemacht haben. Ein Index für chinesische Goldaktien stieg um sieben Prozent. Auch Verteidigungsaktien legten zu. Reederei-Aktien wie Nanjing Tanker und COSCO Shipping erreichten jeweils den Tageshöchstwert von zehn Prozent plus.

In Hongkong, dem einzigen regulierten Zugang für chinesische Anleger zu Krypto-ETFs, sieht die Lage aber ganz anders aus. Der Hang Seng Index fiel um mehr als zwei Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief. Besonders betroffen waren Technologie, Gesundheit und Tourismus. Krypto-ETFs, die in Hongkong gelistet sind, gaben durchweg nach. Der ChinaAMC Bitcoin ETF (3042.HK) verlor zwei Prozent, der Bosera HashKey Bitcoin ETF (3008.HK) 2,3 Prozent und der Harvest Bitcoin Spot ETF (3439.HK) 2,4 Prozent. Auch Ether-ETFs verloren an Wert.

Darum ist das wichtig für Krypto

Der Unterschied zwischen Shanghai und Hongkong zeigt ein grundlegendes Problem für die Krypto-Nutzung durch chinesisches Kapital.

Chinesische Anleger vom Festland dürfen nicht direkt auf Bitcoin- und Ethereum-ETFs in Hongkong zugreifen. Mögliche Wege wie das QDII-Programm oder das Cross-boundary Wealth Management Connect in der Greater Bay Area werden von Branchenexperten diskutiert. Trotzdem gibt es noch keine festen Regeln dafür. Im Januar 2025 gab es Hoffnungen auf eine Erweiterung des GBA Wealth Connect, doch Krypto-Produkte wurden nicht ausdrücklich aufgenommen.

Während die Aktien in Shanghai steigen – auch, weil politische Unterstützung vor dem Nationalen Volkskongress erwartet wird, der am 5. März beginnt – gibt es immer weniger Gründe für chinesisches Kapital, auf andere Anlagen wie Krypto zu setzen.

Peking stützt die Inlandsbörsen regelmäßig in Krisenzeiten. Hongkong, das offen für weltweite Geldströme ist, spürt dann meist die Verluste. Am Montag war das wieder zu sehen. Das geopolitische Ereignis, das in Shanghai Energie- und Verteidigungswerte nach oben zog, drückte den Hang Seng nach unten. Krypto-ETFs gingen ebenfalls zurück. Falls der Konflikt weiter eskaliert, bleibt Gold wohl weiter die beliebte sichere Anlage für chinesische Anleger, während Bitcoin stärker unter Druck geraten könnte.

Der NPC-Faktor: Warum er jetzt wichtig für Krypto ist

Pekings jährliche Parlamentssitzung in dieser Woche ist noch ein zusätzlicher Faktor. Dort soll ein BIP-Wachstumsziel für 2026 von 4,5 bis fünf Prozent festgelegt und der Fünfjahresplan verkündet werden, mit Fokus auf heimische Nachfrage, technische Unabhängigkeit und Förderung des Konsums.

Diese Politik zeigt klar, dass Peking möchte, dass das Kapital im eigenen Finanzsystem bleibt – zum Beispiel in A-Aktien, Staatsanleihen oder staatlich gelenkten Fonds – und nicht in schwankende Auslandsanlagen fließt.

Geopolitische Krisen haben an Chinas A-Aktien bisher meist nur kurzzeitig Spuren hinterlassen. Mit Maßnahmen wie Käufen durch Staatsfonds oder Handelsbegrenzungen schützt China die eigenen Märkte vor zu viel Unsicherheit. In der Zeit kurz vor dem Volkskongress gilt das besonders.

Für den Kryptomarkt sind diese Entwicklungen negativ. Die heimischen Aktienmärkte laufen, politische Unterstützung wird erwartet, und Pekings Kapitalkontrollen bleiben streng.

Bitcoin gerät ins Kreuzfeuer

Bitcoin selbst konnte im Iran-Konflikt bisher nicht als sichere Anlage überzeugen. Nachdem der Kurs am Samstag nach den US-Israel-Angriffen auf 63.000 USD abgestürzt war, ging es nach Berichten über Khameneis Tod kurz auf mehr als 68.000 USD. Danach lag der Kurs aber wieder bei etwa 66.000 USD – also ungefähr dem Stand vor den Angriffen.

Globale Krypto-Fonds verzeichnen nun die fünfte Woche in Folge Nettoabflüsse. Insgesamt flossen laut Daten von CoinShares vier Milliarden USD ab. Allein in der letzten Woche wurden 288 Millionen USD abgezogen, und das Handelsvolumen fiel auf 17 Milliarden USD – den niedrigsten Stand seit Juli 2025. Bitcoin liegt seit Jahresanfang 23 Prozent im Minus und ist rund 48 Prozent unter dem bisherigen Höchstwert von 126.000 USD aus Oktober 2025.

Da chinesische Aktien weiterhin das eigene Geld anziehen, die Märkte in Hongkong unter Druck stehen und Krypto sich eher wie eine riskante Anlage als wie digitales Gold verhält, ist ein starker Einstieg von chinesischem Kapital in Krypto sehr unwahrscheinlich – zumindest im Moment.

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