Erneut sind die globalen Finanzmärkte unter Druck. Der Auslöser ist eine erhebliche Verschärfung der wirtschaftspolitischen Spannungen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten. In den Kryptomärkten wurden parallel dazu massive Liquidationen verzeichnet, während On-Chain-Daten bei Bitcoin auf eine mögliche Marktbereinigung hinweisen. Der Schlüssel liegt im Zusammenspiel von Makroökonomie, Marktpsychologie und Krypto-Struktur.
Wirtschaftskonflikt zwischen EU und USA eskaliert
Berichten zufolge plant die EU Strafzölle und Marktrestriktionen gegen die Vereinigten Staaten im Umfang von etwa 93 Milliarden US-Dollar. Diese Aktionen werden als Antwort auf die immer aggressivere Handelspolitik aus Washington interpretiert. Der Zeitpunkt ist besonders brisant, da die USA stark von internationalen Kapitalströmen abhängen.
BREAKING:
🇪🇺 EU Declares ECONOMIC WAR on America, prepares 93 billion in tariff to US & market restrictions on US companies in retaliation to Trump arrogance.
USA debt held by:
– 🇬🇧 UK: $888.5 billion
– 🇧🇪 Belgium: $481.0 billion
– 🇨🇦 Canada: $472.2 billion
– 🇱🇺…— World updates (@itswpceo)
Die größten europäischen Halter von US-Staatsanleihen zu betrachten, verdeutlicht, wie empfindlich die Situation ist. Allein Großbritannien besitzt fast 900 Milliarden US-Dollar an US-Schulden. Auch Belgien, Luxemburg, Frankreich und Deutschland kommen mit ebenfalls signifikanten Beträgen dazu. Eine Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen kann also direkte Auswirkungen auf Anleihemärkte, Währungen und die globale Liquidität haben.
Für Risikoassets wie Kryptowährungen bedeutet das zunächst einmal Unsicherheit. Kurzfristig bewirken zunehmende geopolitische Spannungen oft eine Risikoaversion, doch mittelfristig können sie auch dazu führen, dass alternative, nichtstaatliche Wertspeicher wie Bitcoin neu bewertet werden.
Der Kryptomarkt wird durch massive Liquidationen erschüttert.
Während die politischen Spannungen zunahmen, erlebten die Kryptomärkte eine heftige Bereinigung. Long-Positionen im Wert von etwa 763 Millionen US-Dollar wurden innerhalb von nur zwölf Stunden liquidiert. Ereignisse dieser Art sind charakteristisch für Perioden, in denen die Unsicherheit steigt und überhebelte Marktstrukturen bestehen.
🚨 REKT: The market wiped out $763M in longs in the past 12 hours.
— Cointelegraph (@Cointelegraph)
Liquidationen in dieser Größenordnung sind kurzfristige Verstärker von Abwärtsbewegungen, wirken aber auch oft reinigend. Zu viel Leverage wird aus dem Markt entfernt, was die Grundlage für stabilere Preisstrukturen schaffen kann. In der Geschichte sind vergleichbare Ereignisse oft von volatilen Seitwärtsphasen oder sogar Trendfortsetzungen nach oben gefolgt worden.
Bitcoin SOPR zeigt, dass die schwachen Hände kapituliern
In diesem Kontext ist die Entwicklung des Short-Term Holder SOPR bei Bitcoin besonders spannend. Mit diesem Indikator lässt sich erkennen, ob die kurzfristigen Marktteilnehmer ihre Coins mit Gewinn oder Verlust verkaufen. In den letzten Wochen war der SOPR deutlich unter 1,0, was darauf hindeutet, dass viele Käufer mit Verlust verkauft haben.
Der Rückgang bis etwa 0,95 wird von On-Chain-Analysten als eine klassische Kapitulationsphase angesehen. In genau diesen Phasen ziehen emotional getriebene Marktteilnehmer ihre Konsequenzen und verlassen den Markt. Wichtig ist jedoch, was danach geschehen ist.
BTC SHORT-TERM SELLERS ALREADY PANICKED — AND THE MARKET ABSORBED IT
Short-term holder SOPR spent weeks below 1.0, meaning recent buyers were selling at a loss. That’s not strength, that’s stress.
Then it got worse, we dipped toward ~0.95, which historically lines up with…
— CryptosRus (@CryptosR_Us)
Der SOPR hat sich wieder über 1,0 erholt und bleibt nun dort. Das zeigt, dass der Verkaufsdruck aufgenommen wurde und frische Käufer höhere Preise akzeptieren. Solange dieser Bereich nicht verlassen wird, deuten die Daten eher auf eine Akkumulation als auf eine Distribution hin.
Die Stimmung wird von Angst dominiert, nicht von der Struktur.
Der Crypto Fear and Greed Index ist mit einem Wert von 44 kürzlich gefallen und hat damit den Bereich von neutral zu Angst betreten. Diese Verschlechterung der Stimmung korreliert mit den aktuellen Liquidationen und den geopolitischen Nachrichten. Im Gegensatz dazu sind solche Phasen oft weniger gefährlich, als sie sich anfühlen.
Selten drehen Märkte nach oben, wenn die Euphorie groß ist. Nachhaltige Aufwärtsbewegungen entstehen oft dann, wenn Unsicherheit herrscht, Verkäufer erschöpft sind und sich im Hintergrund eine strukturelle Nachfrage bildet. Dieses Muster ist derzeit zumindest bei Bitcoin zu beobachten.
Makro-Risiken bestehen weiterhin, doch das Setup wird interessanter
Natürlich sind Risiken vorhanden. Eine weitere Eskalation zwischen der EU und den USA könnte die globalen Märkte erneut belasten. Zinspolitik, Staatsverschuldung und geopolitische Machtverschiebungen sind Elemente, die auch im Jahr 2026 entscheidend sein werden.
Aber es wird auch deutlich, dass der Kryptomarkt immer robuster auf externe Schocks reagiert. Die schnelle Absorption des Verkaufsdrucks, die stabilen On-Chain-Daten und das zunehmende Interesse von Institutionen deuten darauf hin, dass Rücksetzer eher Umschichtungsphasen als Trendbrüche sind.
Fazit? Unsicherheit an der Spitze, Bereinigung an der Basis
Die Schlagzeilen dröhnen, die Märkte sind nervös, aber jenseits dieser Oberfläche sind konstruktive Signale zu erkennen. Obwohl Politik und Makroökonomie für Volatilität sorgen, deuten On-Chain-Daten auf eine abgeschlossene Bereinigung bei Bitcoin hin. Genau in solchen Phasen erkennen erfahrene Marktteilnehmer oft strategische Chancen. Die Zukunft wird zeigen, ob sich die geopolitischen Spannungen verschärfen oder die Märkte beruhigen.
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