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Powell platzt der Kragen: Was das für Bitcoin und Co. bedeutet

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Bitcoin startet holprig in die neue Woche. Erst ein schneller Anstieg, dann ein ebenso zügiger Abverkauf. Ein klassischer Pump-and-Dump zum Wochenauftakt. Auffällig dabei: Zumindest blieb der Markt diesmal von einer neuen CME-Gap unter dem Kurs verschont. Trotzdem bleibt das Gesamtbild angespannt. Genau diese unruhigen Bewegungen sorgen aktuell dafür, dass sich viele Marktteilnehmer zurückziehen.

Sinkendes Interesse und müder Markt

Die Datenlage spricht eine klare Sprache. Das Interesse an Bitcoin- und Krypto-Content ist stark gefallen. Plattformübergreifend liegen die Aufrufzahlen auf dem niedrigsten Stand seit Januar 2021, also kurz vor der letzten großen Rallye-Phase.

Wenig Interesse an Krypto, Quelle: Analyse von “RobynHD” auf https://www.youtube.com/watch?v=KdUhak6t_J8

Besonders seit dem Flash Crash im Oktober 2025 ging es deutlich bergab. Viele Trader wurden aus dem Markt gedrängt, vor allem im hochriskanten Futures-Handel. Dazu kommen Scams, leere Versprechen und ein Kursverlauf, der kaum Fortschritte zeigt.

Der Effekt ist sichtbar. Retail verliert die Geduld. Kapital wird abgezogen, Risiko reduziert. Das zeigt sich auch bei den Kapitalflüssen digitaler Anlageprodukte. In der vergangenen Woche flossen rund 454 Millionen US-Dollar ab. Insgesamt gab es vier Tage mit Abflüssen von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar. Die Zuflüsse aus der Woche zuvor wurden damit komplett neutralisiert. Aus den USA kamen mit 569 Millionen US-Dollar die größten Abflüsse, während Deutschland, Kanada und die Schweiz kleinere Zuflüsse verbuchten.

Bitcoin selbst führte die Statistik mit Abflüssen von 405 Millionen US-Dollar an. Auch Ethereum-Produkte verloren Kapital, ebenso Multi-Asset-Produkte. Auffällig: Selbst Short-Produkte auf Bitcoin verzeichneten Rückgänge. Das zeigt weniger eine klare bärische Erwartung, sondern eher einen generellen Rückzug aus Risikoanlagen.

Politischer Druck auf die Fed

Zusätzliche Unruhe brachte Jerome Powell. Der Chef der US-Notenbank steht politisch massiv unter Druck. Hintergrund sind Ermittlungen wegen einer 2,5 Milliarden US-Dollar teuren Renovierung des Fed-Hauptsitzes. Lange kein Thema, jetzt plötzlich hochbrisant. Der Zeitpunkt ist auffällig, denn Donald Trump fordert seit Wochen lautstark niedrigere Zinsen und attackiert Powell öffentlich.

Video message from Federal Reserve Chair Jerome H. Powell: https://t.co/5dfrkByGyX pic.twitter.com/O4ecNaYaGH

— Federal Reserve (@federalreserve) January 12, 2026

Powell reagierte ungewohnt deutlich und veröffentlichte eine Videobotschaft. Darin sprach er von politischer Einschüchterung und machte klar, dass geldpolitische Entscheidungen nicht aus Wahlkampfgründen getroffen werden. Zinsentscheidungen müssten im Interesse der Bevölkerung stehen, nicht im Interesse einzelner Machtspiele. Die nächste Fed-Sitzung am 28. Januar rückt damit stärker in den Fokus. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung liegt aktuell bei nur 5 Prozent, eine Zinspause gilt als sehr wahrscheinlich.

Nervosität statt Panik

Die Märkte reagierten mit erhöhter Nervosität, aber ohne echte Eskalation. Im Futures-Markt kam es zeitweise zu stärkeren Bewegungen, insgesamt blieb der Schaden überschaubar. Auch Wettmärkte sehen aktuell nur eine geringe Chance für eine formelle Anklage gegen Powell. Die Unsicherheit bleibt dennoch ein Belastungsfaktor, gerade für Risikoassets wie Bitcoin.

Makroökonomisch gibt es wenig Druck für schnelle Zinssenkungen. Die US-Wirtschaft zeigt weiterhin solides Wachstum, der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Die Arbeitslosenquote liegt mit rund 4,4 Prozent historisch niedrig. Gleichzeitig ist die Inflation noch nicht vollständig unter Kontrolle. Aus Sicht der Notenbank gibt es daher wenig Spielraum für aggressive Lockerungen.

Bitcoin zwischen Liquiditätszonen

Technisch bleibt Bitcoin gefangen in einer Seitwärtsphase. Über dem aktuellen Kurs sammelt sich Liquidität ab etwa 92.350 US-Dollar, darunter vor allem unterhalb von 89.200 US-Dollar. Solche Zonen erhöhen die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Ausschläge in beide Richtungen. Das Open Interest ist leicht gestiegen, die Funding Rates bleiben positiv. Trader zeigen sich vorsichtig optimistisch, auch wenn klare Impulse fehlen.

Bitcoin Chart des letzten Monat, Quelle: https://coinmarketcap.com/currencies/bitcoin/

Die kommenden Tage bringen zusätzliche Spannung. Inflationsdaten, Arbeitsmarktzahlen und politische Aussagen aus den USA könnten jederzeit für Bewegung sorgen. Hinzu kommen große Token-Unlocks mit einem Gesamtvolumen von rund 1,69 Milliarden US-Dollar. In einem ohnehin nervösen Markt reicht das oft für spürbare Ausschläge.

Unterm Strich bleibt das Umfeld schwierig. Viel Unsicherheit, wenig klare Richtung. Genau das sorgt aktuell dafür, dass Bitcoin und der gesamte Kryptomarkt eher durchhalten als durchstarten.

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