Coin Metrics hat für das Jahr 2026 bis zur August-Auswertung ein angepasstes $USDC-Transfervolumen von 32 Billionen Dollar ermittelt. Gleichzeitig weist Circles Quartalsbericht aus, dass von den 701,3 Millionen Dollar an Gesamtumsatz und Reserveerträgen im zweiten Quartal 667,7 Millionen Dollar – also 95,2 Prozent – aus Reserveerträgen stammten. Wer aus dem gigantischen Transfervolumen auf ein diversifiziertes Geschäftsmodell schließt, liegt falsch: Volumen ist ein Nutzungssignal, kein Umsatzhebel.
Was die 32 Billionen Dollar tatsächlich zeigen
Die annualisierte bereinigte Umlaufgeschwindigkeit von $USDC lag laut Coin Metrics bei 741x – jeder im Umlauf befindliche Dollar wechselte im Schnitt 741-mal den Besitzer. Wichtig dabei: Die 32 Billionen Dollar sind kein Jahresgesamtwert, keine Verbraucherzahlungen und keine eindeutige wirtschaftliche Abwicklung, sondern ein angepasstes Transfervolumen bis zur August-Messung.
Die Zusammensetzung entlarvt die Zahl weiter: Auf Base entfielen 69 Prozent des $USDC-Volumens auf DEX-Liquiditätsbereitstellung und 23 Prozent auf Flash Loans, auf Ethereum machten Flash Loans allein 65 Prozent aus. Solche Bewegungen halten Krypto-Märkte funktionsfähig, erzeugen aber massenhaft Bruttotransfers ohne entsprechenden Anstieg an Nettokapital oder Gebühren für Circle. Etwa 8 Prozent des Base- und 33 Prozent des Ethereum-Volumens blieben unkategorisiert – dieser Rest darf nicht pauschal als kommerzielle Zahlungen gelten. Mehr zur Rolle von $USDC in der breiteren Stablecoin-Nutzung zeigt, wie stark sich Netzwerkaktivität und tatsächliche Zahlungsströme unterscheiden können.
Circles eigene Kennzahl liefert eine andere Referenz: Das $USDC-Onchain-Transaktionsvolumen stieg im Q2 um 151 Prozent auf 14,8 Billionen Dollar – definiert als natives und kanonisch gebridgtes $USDC auf unterstützten Chains außer Solana. Coin-Metrics- und Circle-Zahlen sind nicht austauschbar, beide implizieren aber nicht, dass Circle bei jedem Transfer eine Gebühr kassiert. Die Transaktionserlöse lagen im Quartal bei gerade 5,3 Millionen Dollar, während allein die Distributions- und Transaktionskosten 410,4 Millionen Dollar erreichten, davon 324,6 Millionen Dollar an Coinbase-bezogenen Kosten.

Warum Zirkulation mehr zählt als Geschwindigkeit
Circle führte rund 147,4 Millionen Dollar des Anstiegs der Reserveerträge im Jahresvergleich auf eine um 25,2 Prozent höhere durchschnittliche tägliche $USDC-Zirkulation zurück. Ein Rückgang der Durchschnittsrendite um 66 Basispunkte kostete etwa 113,9 Millionen Dollar, sodass unter dem Strich nur rund 33,5 Millionen Dollar Nettoanstieg blieben. Mehr ausstehendes $USDC vergrößert die Reservebasis, die Zinsen abwirft – dasselbe $USDC, das sich hunderte Male bewegt, erzeugt dagegen keine hunderte Umsatzereignisse.
Die Zinssensitivität bleibt die größere kurzfristige Gefahr. In einem hypothetischen Szenario modellierte Circle eine Bewegung von 100 Basispunkten gegenüber der Juni-Durchschnittsrendite: Über die folgenden zwölf Monate hätte das die Reserveerträge um rund 737 Millionen Dollar und die Distributions- und Transaktionskosten um rund 360 Millionen Dollar verändert. Das war keine Prognose, zeigt aber die Größenordnung, in der Circle noch von Zinsentscheidungen abhängt statt von Transaktionsgebühren. Wie sich diese Abhängigkeit auf die Bewertung der Circle-Aktie auswirkt, bleibt ein zentraler Punkt für Anleger.
Arc als Testfall für eine echte Gebührenquelle
Arc, Circles Blockchain-Infrastruktur, befand sich laut den Aussagen vom 5. August im privaten Mainnet mit über 100 Buildern, der öffentliche Start war für den 16. September vorgesehen und hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden. Arcs Gas- und Gebührensystem denominiert Transaktionsgebühren direkt in $USDC – eine sichtbarere Gebührenstruktur als gewöhnliche $USDC-Transfers auf Drittketten.

Ob daraus wiederkehrender Umsatz für Circle wird, ist offen: Weder Arcs Dokumentation noch die Builder-Liste belegen Transaktionsvolumen, kommerzielle Nachfrage oder Margen nach dem Start. Entscheidend wird sein, ob Arc-Aktivität künftig in Circles Transaktions- und Serviceerlösen auftaucht – und nicht nur in Netzwerkstatistiken, die sich, wie die 32 Billionen Dollar zeigen, leicht von echtem Umsatz entkoppeln lassen. Im breiteren Kontext des Wettbewerbs zwischen Stablecoins und tokenisierten Bankeinlagen wird diese Frage zusätzlich an Bedeutung gewinnen.
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