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Ex-Bürgermeister Eric Adams lanciert NYC-Token: 80 Prozent Crash innert 30 Minuten

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Der frühere New Yorker Bürgermeister Eric Adams stellte am 12. Januar 2026 am Times Square den NYC-Token vor. Der auf Solana basierende Memecoin erreichte eine Marktkapitalisierung von 540 Millionen Dollar, bevor er innert 30 Minuten um über 80 Prozent auf 87 Millionen Dollar abstürzte.

Adams verliess sein Amt am 31. Dezember 2025 und präsentierte den Token als gemeinnütziges Projekt gegen Antisemitismus und Anti-Amerikanismus. Die On-Chain-Daten zeigen jedoch ein anderes Bild. Die zehn grössten Wallets kontrollieren 98.73 Prozent aller Token, 70 Prozent liegen in einer einzigen Adresse. Blockchain-Analysten dokumentierten einen Liquiditätsentzug von mindestens 2.5 Millionen Dollar durch eine Wallet, die mit dem Token-Deployer verbunden ist.

Blockchain-Analysen dokumentieren Liquiditätsentzug

Die Blockchain-Analysefirma Bubblemaps identifizierte verdächtige Aktivitäten der Wallet 9Ty4M. Diese Adresse steht mit dem Token-Deployer in Verbindung. Sie erstellte einen einseitigen Liquiditätspool auf der Meteora-Plattform. Am Markthöhepunkt zog sie rund 2.5 Millionen USDC ab. Nach einem Preisrückgang von 60 Prozent führte dieselbe Wallet 1.5 Millionen Dollar wieder zu.

Der Krypto-Analyst Rune Crypto meldete auf X: Mindestens 3.4 Millionen Dollar seien aus dem Projekt abgezogen worden. Emperor Osmo, ein weiterer On-Chain-Analyst, kam zum gleichen Schluss. Beide dokumentierten das Muster, das dem kontroversen LIBRA-Token-Launch ähnelt. Jener wurde wegen Liquiditätsmanipulation kritisiert.

Der Token startete mit 80 Millionen handelbaren Einheiten bei einem Gesamtangebot von einer Milliarde. Laut der Projektwebsite sollte die Umlaufmenge auf 300 Millionen wachsen. Die Tokenomics sehen 40 Prozent für Community-Belohnungen vor, 25 Prozent für Liquidität, 15 Prozent für Entwicklung sowie je 10 Prozent für Marketing und Team. Dennoch widersprechen diese Angaben der dokumentierten Zentralisierung: Eine einzelne Wallet hält 70 Prozent.

Entwicklung der Marktkapitalisierung des NYC-Token (5min) / Chart: Geckoterminal

Adams' Krypto-Engagement: Von Bitcoin-Gehältern zum Memecoin

Eric Adams positionierte sich seit seiner Amtsübernahme als Krypto-Befürworter. Er liess seine ersten drei Gehälter in Bitcoin und Ethereum umwandeln. New York werde "das Zentrum der Kryptowährungsindustrie", erklärte er damals. Arbeitsmarktregulierungen verhinderten jedoch die direkte Auszahlung in Krypto. Die Stadt zahlte Adams zunächst in Dollar aus, woraufhin er die Beträge über Coinbase konvertierte.

Der FTX-Zusammenbruch Ende 2022 dämpfte sein öffentliches Engagement für die Branche. Adams mied das Thema weitgehend. Im Mai 2025 veranstaltete er dennoch einen Krypto-Gipfel in der Bürgermeisterresidenz Gracie Mansion. Auf der Bitcoin 2025-Konferenz versprach er Bitcoin-gedeckte Anleihen für New York City. Er löste dieses Versprechen nie ein. Im Oktober 2025 gründete Adams per Exekutivanordnung das Office of Digital Assets and Blockchain Technology. Sein Nachfolger Zohran Mamdani machte alle Adams-Verordnungen nach Amtsantritt rückgängig. Somit werden die angekündigten Blockchain-Projekte nicht fortgeführt.

Der Krypto-Enthusiasmus brachte Adams den Spitznamen "Bitcoin Mayor" ein. Allerdings leidet die Glaubwürdigkeit dieser Positionierung unter dem NYC-Token-Debakel. Adams behauptet, kapitalkräftige Unterstützer zu haben. Bei der Pressekonferenz lehnte er jedoch ab, deren Namen zu nennen. Er schloss explizit den früheren Kinderstar und Bitcoin-Milliardär Brock Pierce aus, der ihn zuvor finanziell unterstützt hatte.

Politische Memecoins: Ein risikoreiches Muster

Der NYC-Token reiht sich in eine Serie politischer Memecoins ein. Donald Trumps TRUMP-Token und Melania Trumps MELANIA-Token stehen ebenfalls unter Manipulationsverdacht. Eine Sammelklage beschuldigt das MELANIA-Team, "Berühmtheit zu nutzen, um Sorgfaltspflicht zu umgehen". Anonyme Trader kauften MELANIA-Token kurz vor dem öffentlichen Launch. Dabei erzielten sie angeblich einen Gewinn von 100 Millionen Dollar.

Der TRUMP-Token verlor zwischen dem Inaugurationstag 2024 und Ende November 2025 86 Prozent seines Werts. MELANIA verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 99 Prozent. Demokratische Kongressabgeordnete forderten Regulierungsbehörden auf, die Trump-Memecoins zu untersuchen.

Adams' Token unterscheidet sich rhetorisch durch seinen gemeinnützigen Anspruch. Die Erlöse sollten Bildungsprogramme gegen Antisemitismus finanzieren. Zudem sollten sie Blockchain-Bildung fördern und Stipendien für benachteiligte New Yorker Studenten bereitstellen. Allerdings nennt die Projektwebsite weder Partner noch ein Whitepaper. Adams gab an, derzeit kein Gehalt aus dem Projekt zu beziehen. Er liess jedoch offen: "Später werden wir eine Entscheidung darüber treffen." Die Zentralisierung widerspricht dem proklamierten "Community-driven"-Ansatz. StarPlatinum warnte auf X: Der Token sei "extrem zentralisiert und hochriskant". Bubblemaps verglich das Liquiditätsmuster mit bekannten Betrugsfällen.

Regulatorische Grauzone und Anlegerrisiken

Politische Memecoins operieren in einer regulatorischen Grauzone. Die US-Börsenaufsicht SEC äusserte sich zu einzelnen Token nicht. Dennoch warnte sie wiederholt vor Prominenten-beworbenen Krypto-Projekten. Der Zusammenbruch des NYC Token illustriert die Risiken derartiger Launches: Fehlende Transparenz, extreme Token-Konzentration und intransparente Liquiditätsverwaltung.

Adams' rechtliche Situation erschwert die Einordnung zusätzlich. Ende 2024 klagte ihn die Justiz wegen Korruption an. Er soll Geschenke im Wert von 100'000 Dollar angenommen haben, darunter Luxusreisen. Ein Bundesrichter stellte das Verfahren im April auf Antrag des Justizministeriums unter Präsident Trump ein. Die Entlassung erfolgte "with prejudice". Folglich kann die Anklage nicht erneuert werden. Die Kombination aus politischer Prominenz, undurchsichtiger Governance und dokumentiertem Liquiditätsentzug macht den NYC Token zu einem Lehrstück für Memecoin-Risiken. Anleger, die nahe dem Höchststand kauften, erlitten Verluste von über 80 Prozent. Angesichts der On-Chain-Daten bleiben die versprochenen gemeinnützigen Zwecke fragwürdig.

Die Transparenzlücken widersprechen den Mindeststandards seriöser Token-Launches: keine genannten Partner, kein Whitepaper, anonyme Finanzierer. Der schnelle Liquiditätsentzug unmittelbar nach dem Markthöhepunkt deutet auf koordiniertes Handeln hin. Dieses entspricht den klassischen Mechanismen eines Rug Pulls, wobei die Unschuldsvermutung gilt.

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