In einem Jahr, in dem Kryptowährungen bewiesen haben, dass sie immer noch stark fallen und schnell wieder steigen können, war die beständigste Erfolgsgeschichte weder ein neues Meme noch eine auffällige Kette oder das neueste AI-Token-Angebot. Es war ein Produkt, das auf einer Krypto-Konferenz fast schon beleidigend klingen würde: US-Staatsanleihen, die als Token verpackt und auf öffentlichen Blockchains gehandelt werden.
Die »Financial Times« beschrieb den Wandel ganz klar: Krypto-Investoren stürzten sich auf tokenisierte Treasury- und Geldmarktfonds, um Rendite, Geschwindigkeit und zunehmend auch Sicherheiten zu erzielen. Die Vermögenswerte in diesen tokenisierten Fonds stiegen laut FT im Jahr 2025 um 80 % auf 7,4 Milliarden US-Dollar. Dieses Wachstum kam nicht aus einer einzigen Ecke des Marktes, sondern wurde von Händlern, Krypto-Firmen und Institutionen vorangetrieben, die nach etwas Stabilem suchten, das sich noch auszahlt.
Bis Ende Dezember war diese »langweilige« Kategorie gewachsen. Laut RWA.xyz, einem wichtigen Tracker für tokenisierte reale Vermögenswerte, hatten tokenisierte US-Staatsanleihen einen Gesamtwert von etwa 9,02 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl ist wichtig, aber noch wichtiger ist die Entwicklung: Tokenisierte Staatsanleihen haben sich von einem interessanten Pilotprojekt zu einem messbaren Markt mit erkennbaren Marktführern, Produktdifferenzierung und einem klaren Anwendungsfall entwickelt. Dieser übersteht sogar Rückgänge.
Um zu verstehen, warum dies 2025 still und leise gewonnen hat, muss man bei dem beginnen, was Stablecoins von Natur aus nicht bieten. Stablecoins eignen sich zwar hervorragend für die Abwicklung, geben den risikofreien Zinssatz aber nicht automatisch an die Inhaber weiter. Tokenisierte T-Bills hingegen schon. In einer Welt, in der der Leitzins der Fed das Jahr im Bereich von 3,50 bis 3,75 % beendet hat, ist »Cash, das Zinsen bringt« keine Nischenpräferenz mehr, sondern wird zur Treasury-Strategie.
Ein weiterer Grund ist die psychologische Komponente, die untrennbar mit dem »gebrochenen« Quartal verbunden ist. Nach einem Herbst, der von Leverage-Liquidationen und Risikoaversion geprägt war, rückte die Qualität der Sicherheiten wieder in den Fokus. In diesem Zusammenhang bieten tokenisierte Staatsanleihen ein einfaches Versprechen: Man kann Wert in einem Instrument parken, das die Menschen bereits verstehen, Renditen erzielen und dennoch die Programmierbarkeit des Vermögenswerts beibehalten: Es ist rund um die Uhr beweglich, potenziell als Sicherheit nutzbar und in Krypto-Workflows integrierbar.
Im März waren die Fortschritte dieser Kategorie bereits in Meilensteinen sichtbar. So berichtete CoinDesk unter Berufung auf Daten von RWA.xyz, dass tokenisierte US-Staatsanleihen erstmals einen Marktwert von 5 Milliarden US-Dollar überschritten hatten. Das Wachstum wurde dabei in den Zusammenhang mit der Nachfrage nach blockchainbasierten, realen Sicherheiten gestellt. Etwa zur gleichen Zeit stellte CoinGecko in seinem RWA-Bericht 2025 fest, dass tokenisierte Staatsanleihen zwischen März und April einen großen Sprung verzeichneten: Die Marktkapitalisierung stieg um 2,3 Milliarden US-Dollar (+67,1 %), da sich die globalen Aussichten verschlechterten und die US-Handelszölle zu einem Stressfaktor wurden.
Dieses Detail ist mehr als nur eine Kleinigkeit. Es zeigt, dass tokenisierte Staatsanleihen keine rein risikoreiche Neuheit sind. Sie können eine Flucht in die Qualität innerhalb der Kryptowährung selbst darstellen: Kapital wird bei steigendem Makrorisiko von volatilen Vermögenswerten in ein renditeträchtiges Instrument umgeschichtet.
Der gleiche CoinGecko-Bericht zeigte, wie schnell sich eine Rangliste herausbildete. Bis April 2025 hatten sich BlackRock und Securitizes BUIDL mit einem Marktanteil von etwa 44 %, als die größten Anbieter von tokenisierten Treasury-Produkten etabliert. Auf den weiteren Plätzen folgten Ondo und Franklin Templeton sowie die neueren Marktteilnehmer Superstate und Hashnote. In gewisser Weise entspricht diese Konzentration den Erwartungen an die Finanzbranche: Vertrauen und Vertrieb sind Schutzwälle. Andererseits handelt es sich um eine sehr krypto-native Dynamik: Die ersten Produkte, die zu »Standard-Sicherheiten« werden, neigen dazu, eine Lawine auszulösen. Denn sobald etwas überall integriert ist, hinterfragen die Menschen es nicht mehr.
Mehr als die Ideologie war der Vertrieb dafür verantwortlich, wer frühzeitig gewann. Vermögensverwalter und Fondsplattformen brachten Glaubwürdigkeit und Compliance-Pakete mit. Krypto-native Unternehmen wiederum sorgten für die Integration in Börsen, Prime Services und On-Chain-Handelsplätze. Und die Banken witterten still und leise die Chance, die sich ihnen bot: Tokenisierte Besicherungssysteme ermöglichen schnellere Margin-Berechnungen und effizientere Abwicklungen. Die FT wies darauf hin, dass tokenisierte Fonds als Sicherheiten für Krypto-Derivate verwendet werden und stellte fest, dass Unternehmen wie JPMorgan und spezialisierte Infrastrukturunternehmen tokenisierte Besicherungssysteme erforschen, die Margin- und Zahlungsprozesse rationalisieren könnten.
Das ist der Teil, den viele Schlagzeilen übersehen: Tokenisierte Treasury-Anleihen zielen nicht darauf ab, Stablecoins zu ersetzen, sondern ungenutzte Guthaben. Ein Händler, der zwischen seinen Positionen »in Dollar« bleiben möchte, will keine Dollar, sondern Dollar plus Rendite, ohne die Möglichkeit zu verlieren, schnell Sicherheiten zu hinterlegen. Ein Protokoll-Treasurer, der Reserven hält, möchte keine Volatilität, sondern einen konservativen Vermögenswert, der nicht einfach nur herumliegt. Ein Market Maker, der Margen verwaltet, will keine Reibungsverluste, sondern Sicherheiten, die sich in Echtzeit bewegen. Tokenisierte Staatsanleihen erfüllen all diese Funktionen.
Natürlich wurde 2025 auch die Einschränkung klargestellt: »Tokenisiert« bedeutet nicht automatisch »liquid«. Ein Großteil dieses Marktes unterliegt nach wie vor Transferbeschränkungen und Whitelists und selbst bei einer hohen Marktkapitalisierung kann die sekundäre Liquidität gering sein. Dies ist jedoch weniger ein Mangel als vielmehr ein Merkmal der Verlagerung regulierter Instrumente auf öffentliche Schienen. Es braucht Zeit, bis Handelsplätze, Compliance-Standards und Sicherheitenrahmen ausgereift sind.
Dennoch lässt die Dynamik dieser Kategorie die Richtung erkennen. Würde man den Markt visuell darstellen, müsste man drei Dinge zeigen. Erstens steigt die Wachstumskurve vom Meilenstein von 5 Milliarden Dollar im März auf etwa 9 Milliarden Dollar Ende Dezember. Dies spiegelt eher eine Akzeptanz als einen Hype wider. Zweitens wäre eine Momentaufnahme der Marktanteile im April 2025 sinnvoll, die die Führungsposition von BUIDL und die Verfolgergruppe zeigt. Dies verdeutlicht, wie schnell sich die Verteilung konzentriert hat. Drittens wäre ein Vergleich unter dem Motto »Warum Rendite gewinnt« sinnvoll — tokenisierte Treasury-Renditen im Vergleich zum vorherrschenden Zinsumfeld —, um zu erklären, warum dieses Produkt auch dann funktionierte, als die Spekulationslust nachließ.
Während das vierte Quartal daran erinnerte, dass sich Kryptowährungen immer noch wie gehebelte Risikoanlagen verhalten können, waren tokenisierte Staatsanleihen die gegenteilige Lektion: Kryptowährungen können auch langweilige, nützliche Finanzprodukte hervorbringen, die die Menschen auch dann weiterhin nutzen, wenn der Markt keinen Spaß mehr macht. Die wahre Geschichte des Jahres 2025 könnte also sein, dass die bedeutendste Akzeptanz nicht die lauteste war. Es war das Kapital, das sich für einen einfachen Handel entschied — glaubwürdige Rendite plus programmierbare Abwicklung — und es so in Infrastruktur verwandelte.
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