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Setzt El Salvador jetzt auf Stablecoins anstatt auf Bitcoin?

source-logo  blocktrainer.de 01 Oktober 2026 07:15, UTC
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Bloomberg sieht Kurswechsel zu Stablecoins

Gestern erschien ein Bloomberg-Artikel mit dem Titel „Bukele setzt auf Stablecoins, da sich Bitcoin-Zahlungen nicht durchsetzen“. Der Artikel suggeriert, dass Bitcoin in El Salvador als Zahlungsmittel gescheitert sei.

Vor fünf Jahren hat El Salvador Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Dabei sollte die größte Kryptowährung nicht nur als staatliche Reserve dienen, sondern auch im alltäglichen Zahlungsverkehr und insbesondere bei den für das Land bedeutenden Auslandsüberweisungen zum Einsatz kommen. Im vergangenen Jahr flossen rund 9 Milliarden US-Dollar an Auslandsüberweisungen nach El Salvador, vor allem aus den Vereinigten Staaten.

Doch der Internationale Währungsfonds (IWF) stellte anhand von Daten der salvadorianischen Zentralbank fest, dass im Jahr 2024 durchschnittlich nur 1,75 % der Auslandsüberweisungen über Krypto-Wallets abgewickelt wurden. Zudem ergab eine Umfrage der Universidad Centroamericana (UCA), dass im Jahr 2024 lediglich 8,1 % der befragten Salvadorianer Bitcoin zum Kaufen oder Bezahlen genutzt hatten. Weitere 15,7 % erklärten, Bitcoin noch nie genutzt zu haben.

Im Rahmen eines 1,4 Milliarden US-Dollar schweren Kreditprogramms mit dem IWF änderte El Salvador Anfang 2025 schließlich sein Bitcoin-Gesetz. Dabei schaffte die Regierung unter anderem die verpflichtende Bitcoin-Akzeptanz für Unternehmen ab und kündigte an, die staatliche Beteiligung an der Chivo-Wallet zu beenden.

Somit sei der Ansatz, Bitcoin als Zahlungsmittel zu etablieren, laut Bloomberg gescheitert, sodass sich das Land nun von Bitcoin ab- und Dollar-basierten Stablecoins zuwende.

Im Mittelpunkt des Bloomberg-Berichts steht die neue App Sivar, die vom US-Technologieunternehmen Modveon entwickelt wurde und seit Ende September landesweit in El Salvador verfügbar ist.
Salvadorianische Nutzer können über die App unter anderem:


  • ihre Identität über das staatliche Login-System und das Personenregister RNPN verifizieren,
  • lokalen Communitys beitreten,
  • Beiträge veröffentlichen,
  • miteinander kommunizieren,
  • an Umfragen und Kommunalwahlen teilnehmen sowie

  • Zahlungen versenden und erhalten (insbesondere Auslandsüberweisungen).

Für die Zahlungsfunktion erhalten die Nutzer innerhalb der Sivar-App eine Non-Custodial-Wallet. Die US-Krypto-Börse Coinbase stellt die technische Infrastruktur für Einzahlungen und Transfers bereit. Dabei kommen Stablecoins zum Einsatz, die über Base, das Layer-2-Netzwerk von Coinbase, übertragen werden.

Während Nutzer innerhalb El Salvadors untereinander kostenlos Geld versenden können, verlangt Sivar für Auslandsüberweisungen eine pauschale Bearbeitungsgebühr von 2 US-Dollar. Zudem sind Bargeldauszahlungen über mehr als 1.000 Auszahlungsstellen möglich, wobei zusätzliche Gebühren anfallen können.

Verbindungen zur Regierung

In einer Pressemitteilung zum landesweiten Start von Sivar ist bereits in der Überschrift von einer Partnerschaft zwischen Präsident Nayib Bukele, der Regierung El Salvadors und Modveon die Rede.

Auf seiner Website bezeichnet Modveon die App zudem als sein erstes landesweites Projekt, das im Rahmen eines im September begonnenen fünfjährigen Abkommens mit der Regierung von El Salvador betrieben werde.

Das Abkommen wurde konkret mit der Agencia Administradora de Fondos Bitcoin (AAB), einer öffentlichen Institution des Landes, geschlossen. Modveon soll Sivar im Rahmen dieser Vereinbarung entwickeln, betreiben und um weitere digitale Dienste erweitern.

Die AAB gehört laut Bloomberg neben Coinbase Ventures, Firebolt Ventures und weiteren Geldgebern auch zu den Investoren von Modveon. Insgesamt hat Modveon 10 Millionen US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt.

Die von Bloomberg beschriebene Verbindung von Sivar zur Bukele-Regierung kommt daher nicht von ungefähr: Sivar nutzt staatliche Infrastruktur, basiert auf einem Abkommen mit einer öffentlichen Institution, die zugleich zu den Investoren von Modveon gehört, und wird von Regierungsvertretern öffentlich unterstützt. Auch Modveon-CEO Nana Murugesan bedankte sich öffentlich bei Präsident Bukele, dessen Regierung und den Partnern vor Ort für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Sivar.

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Bitcoin Office spricht von „Fake News“

Das Bitcoin Office reagierte kurz nach Veröffentlichung des Bloomberg-Berichts und widersprach dessen Darstellung.

Die Regierung von El Salvador habe keine Pläne, eine Bitcoin-, Krypto- oder Stablecoin-Wallet zu starten oder zu betreiben. Mit dem Verkauf der staatlichen Chivo-Wallet an einen privaten Betreiber sei die staatliche Beteiligung an Wallets offiziell beendet worden.

In einem weiteren Beitrag bezeichnete das Bitcoin Office die Berichterstattung als „Fake News“.

Stacy Herbert, Leiterin des National Bitcoin Office und Beraterin von Präsident Bukele in Bitcoin-Fragen, äußerte sich anschließend in einem Interview bei „Simply Bitcoin“ ausführlicher und stellte klar, dass „El Salvador ein Bitcoin-only-Land“ bleibe. Dabei verwies sie unter anderem auf die Bitcoin-Bildungsoffensive sowie die vom Bitcoin Office kommunizierten täglichen Bitcoin-Käufe El Salvadors für die nationale Reserve.

Darüber hinaus betont Herbert, dass die Sivar-App ohne die Beteiligung des Bitcoin Office, sondern auf Initiative einer anderen staatlichen beziehungsweise kommunalen Stelle entstanden sei. Die Interpretation, Bukele gebe dadurch die nationale Bitcoin-Strategie zugunsten von Stablecoins auf, weist Herbert entschieden zurück.

The Government of El Salvador has no plans to launch or operate any bitcoin, crypto or stablecoin wallet.

With the recent sale of Chivo Wallet to a private operator, all state involvement has officially ended. https://t.co/RuTQPIDWhY

— The Bitcoin Office (@bitcoinofficesv) September 29, 2026

BREAKING: Stacy Herbert and Max Keiser DEBUNK the recent Bloomberg article about El Salvador moving away from Bitcoin:

"El Salvador is Bitcoin country. It is Bitcoin only country." pic.twitter.com/6y0iArt88P

— Simply Bitcoin (@SimplyBitcoin) September 29, 2026

Damit stehen sich zwei unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Fest steht, dass die Sivar-App keine neue, vom Staat selbst betriebene Chivo-Wallet ist, sondern ein Produkt von Modveon, das die Zahlungsinfrastruktur von Coinbase nutzt. Wie oben beschrieben, bestehen zugleich deutliche Verbindungen zum salvadorianischen Staat. Eine generelle Abkehr El Salvadors von seiner Bitcoin-Strategie lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Sivar zeigt zunächst, dass El Salvador neben Bitcoin auch Stablecoins und andere Blockchain-Technologien für konkrete Anwendungen zulässt. Die App nutzt Stablecoins nicht als staatliches Reserve-Asset oder als unmittelbaren Ersatz für Bitcoin, sondern zur technischen Abwicklung digitaler Dollartransfers.

So unterscheidet auch Modveon-CEO Nana Murugesan, der zuvor für Samsung, Snap Inc. und Coinbase tätig war, zwischen verschiedenen Anwendungsfällen von Kryptowährungen.

El Salvador setzt weiterhin auf Bitcoin für seine Reserven und als Wertanlage. Was jedoch den Geldverkehr angeht, setzt Präsident Bukele ganz auf die schnellste, kostengünstigste und zuverlässigste Art des Geldtransfers – und da sind Stablecoins unübertroffen.
Nana Murugesan

Nayib Bukele selbst hat sich bislang nicht öffentlich zu dem Bloomberg-Bericht beziehungsweise zur Kontroverse um Sivar geäußert. In der Vergangenheit sorgten allerdings Äußerungen des Bitcoin Office und fehlende Details zur Bitcoin-Strategie des Landes bereits für offene Fragen.

Bitcoin Office sorgt für Verwirrung

El Salvadors BTC-Bestand (30. September 2026); Quelle: bitcoin.gob.sv

Es ist nicht das erste Mal, dass unterschiedliche Aussagen zur Bitcoin-Politik El Salvadors für Verwirrung sorgen.

Obwohl sich El Salvador gegenüber dem IWF verpflichtet hatte, keine zusätzlichen Bitcoin durch den öffentlichen Sektor zu akkumulieren, wuchsen die vom Bitcoin Office ausgewiesenen Bestände weiter. Das Bitcoin Office vermittelte dabei mit Meldungen über weitere „Bitcoin-Käufe“ den Eindruck, dass das Land seinen bekannten Kaufplan trotz der Vereinbarung mit dem IWF fortsetzte.

Laut einem Anfang September veröffentlichten Bericht des IWF sollen die zusätzlich akkumulierten Bitcoin jedoch nicht aus öffentlichen Mitteln stammen, sondern aus privaten Spenden. Der IWF erklärte, entsprechende Dokumente erhalten zu haben, die dies bestätigen. Bukele selbst hat sich zu dieser Darstellung bislang nicht öffentlich geäußert und auch keine näheren Angaben zur Herkunft der entsprechenden Bitcoin gemacht.

Auch bei der Chivo-Wallet ist die Situation differenzierter, als die aktuelle Formulierung des Bitcoin Office zunächst vermuten lässt. Der IWF bestätigte Anfang September, dass die operative Kontrolle und die Mehrheitsbeteiligung zwar an einen privaten Betreiber übertragen wurden, jedoch eine Minderheitsbeteiligung sowie bestimmte Verwahrungsaufgaben für Kundenvermögen beim Staat verblieben.

Die aktuelle Debatte um Sivar zeigt damit erneut, dass El Salvadors Bitcoin-Politik komplexer erscheint, als es einzelne öffentliche Aussagen suggerieren, und wie wichtig die Unterscheidung zwischen staatlichem Betrieb, staatlicher Beteiligung und der Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen für die Einordnung von El Salvadors Bitcoin- und Krypto-Politik ist.

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