Bloomberg sieht Kurswechsel zu Stablecoins
Gestern erschien ein Bloomberg-Artikel mit dem Titel „Bukele setzt auf Stablecoins, da sich Bitcoin-Zahlungen nicht durchsetzen“. Der Artikel suggeriert, dass Bitcoin in El Salvador als Zahlungsmittel gescheitert sei.
Vor fünf Jahren hat El Salvador Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Dabei sollte die größte Kryptowährung nicht nur als staatliche Reserve dienen, sondern auch im alltäglichen Zahlungsverkehr und insbesondere bei den für das Land bedeutenden Auslandsüberweisungen zum Einsatz kommen. Im vergangenen Jahr flossen rund 9 Milliarden US-Dollar an Auslandsüberweisungen nach El Salvador, vor allem aus den Vereinigten Staaten.
Doch der Internationale Währungsfonds (IWF) stellte anhand von Daten der salvadorianischen Zentralbank fest, dass im Jahr 2024 durchschnittlich nur 1,75 % der Auslandsüberweisungen über Krypto-Wallets abgewickelt wurden. Zudem ergab eine Umfrage der Universidad Centroamericana (UCA), dass im Jahr 2024 lediglich 8,1 % der befragten Salvadorianer Bitcoin zum Kaufen oder Bezahlen genutzt hatten. Weitere 15,7 % erklärten, Bitcoin noch nie genutzt zu haben.
Im Rahmen eines 1,4 Milliarden US-Dollar schweren Kreditprogramms mit dem IWF änderte El Salvador Anfang 2025 schließlich sein Bitcoin-Gesetz. Dabei schaffte die Regierung unter anderem die verpflichtende Bitcoin-Akzeptanz für Unternehmen ab und kündigte an, die staatliche Beteiligung an der Chivo-Wallet zu beenden.
Somit sei der Ansatz, Bitcoin als Zahlungsmittel zu etablieren, laut Bloomberg gescheitert, sodass sich das Land nun von Bitcoin ab- und Dollar-basierten Stablecoins zuwende.
Im Mittelpunkt des Bloomberg-Berichts steht die neue App Sivar, die vom US-Technologieunternehmen Modveon entwickelt wurde und seit Ende September landesweit in El Salvador verfügbar ist. Salvadorianische Nutzer können über die App unter anderem:
- ihre Identität über das staatliche Login-System und das Personenregister RNPN verifizieren,
- lokalen Communitys beitreten,
- Beiträge veröffentlichen,
- miteinander kommunizieren,
- an Umfragen und Kommunalwahlen teilnehmen sowie
- Zahlungen versenden und erhalten (insbesondere Auslandsüberweisungen).
Für die Zahlungsfunktion erhalten die Nutzer innerhalb der Sivar-App eine Non-Custodial-Wallet. Die US-Krypto-Börse Coinbase stellt die technische Infrastruktur für Einzahlungen und Transfers bereit. Dabei kommen Stablecoins zum Einsatz, die über Base, das Layer-2-Netzwerk von Coinbase, übertragen werden.
Während Nutzer innerhalb El Salvadors untereinander kostenlos Geld versenden können, verlangt Sivar für Auslandsüberweisungen eine pauschale Bearbeitungsgebühr von 2 US-Dollar. Zudem sind Bargeldauszahlungen über mehr als 1.000 Auszahlungsstellen möglich, wobei zusätzliche Gebühren anfallen können.
Verbindungen zur Regierung
In einer Pressemitteilung zum landesweiten Start von Sivar ist bereits in der Überschrift von einer Partnerschaft zwischen Präsident Nayib Bukele, der Regierung El Salvadors und Modveon die Rede.
Auf seiner Website bezeichnet Modveon die App zudem als sein erstes landesweites Projekt, das im Rahmen eines im September begonnenen fünfjährigen Abkommens mit der Regierung von El Salvador betrieben werde.
Das Abkommen wurde konkret mit der Agencia Administradora de Fondos Bitcoin (AAB), einer öffentlichen Institution des Landes, geschlossen. Modveon soll Sivar im Rahmen dieser Vereinbarung entwickeln, betreiben und um weitere digitale Dienste erweitern.
Die AAB gehört laut Bloomberg neben Coinbase Ventures, Firebolt Ventures und weiteren Geldgebern auch zu den Investoren von Modveon. Insgesamt hat Modveon 10 Millionen US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt.
Die von Bloomberg beschriebene Verbindung von Sivar zur Bukele-Regierung kommt daher nicht von ungefähr: Sivar nutzt staatliche Infrastruktur, basiert auf einem Abkommen mit einer öffentlichen Institution, die zugleich zu den Investoren von Modveon gehört, und wird von Regierungsvertretern öffentlich unterstützt. Auch Modveon-CEO Nana Murugesan bedankte sich öffentlich bei Präsident Bukele, dessen Regierung und den Partnern vor Ort für die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Sivar.
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