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Krypto-Winter in Zürich: Was die Halbjahreszahlen von 21Shares wirklich verraten

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Ein Zwischenbericht klingt erstmal nach Pflichtübung – Paragrafen, Bilanzpositionen, Compliance-Sprache. Aber wer sich durch den am 25. August 2026 veröffentlichten Halbjahresbericht der Zürcher 21Shares AG gräbt, findet darin eigentlich die ganze Geschichte des Krypto-Marktes im ersten Halbjahr 2026 im Kleinformat: einen Bärenmarkt, der ordentlich wehtut, einen Übernehmer aus der institutionellen Ecke, und ein Unternehmen, das trotz einbrechender Erträge munter weiter expandiert.

21Shares ist kein Nobody: Das Zürcher Unternehmen brachte 2018 mit dem HODL das weltweit erste Krypto-ETP an die SIX Swiss Exchange und zählt seither zu den grössten Anbietern von krypto-besicherten Exchange Traded Products überhaupt. Umso interessanter, was der Blick in die Bücher zeigt.

Die Zahlen: Halbiert, aber nicht am Boden

Der Bruttoumsatz brach im ersten Halbjahr 2026 auf USD 31,48 Millionen ein – ein Minus von 45,8 % gegenüber den USD 58,08 Millionen im Vorjahreshalbjahr. Der Hauptgrund liegt nicht in wegbrechenden Kundengeldern, sondern schlicht in tieferen Bewertungen: Die Management-Fee-Erträge (die Haupteinnahmequelle, berechnet auf Basis des Nettoinventarwerts der ETPs) fielen von USD 40,20 Millionen auf USD 24,64 Millionen. Auch die Staking-Erträge – Belohnungen aus der Teilnahme an Blockchain-Netzwerken – sanken von USD 12,11 Millionen auf USD 6,47 Millionen.

Noch deutlicher zeigt sich der Marktdruck beim verwalteten Vermögen (Assets under Management, AUM): Es schmolz von USD 3,68 Milliarden per Ende 2025 auf USD 2,36 Milliarden per 30. Juni 2026 – ein Rückgang um rund 36 %, fast ausschliesslich preisgetrieben, nicht durch Mittelabflüsse.

Der Grund dafür lässt sich leicht benennen: Bitcoin fiel im ersten Halbjahr 2026 auf ein 21-Monats-Tief von rund USD 58’000. Ausgelöst wurde der Rutsch durch einen Energie-Schock infolge des Nahost-Konflikts, der die Kerninflation (PCE) anheizte und die Disinflationsphase beendete, die noch bis Ende 2025 angehalten hatte. Die Notenbanken reagierten prompt: Die US-Notenbank unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh hielt die Zinsen, während EZB und Bank of Japan angesichts geopolitisch getriebener Inflation sogar restriktiver wurden. Bemerkenswert am Rande: Laut 21Shares folgt Bitcoin damit weiterhin seinem historischen Rhythmus – der Einstieg in einen Bärenmarkt rund zwei Jahre nach dem letzten Halving.

Trotz der schwierigeren Marktlage blieb die Marge robust: Der Bruttogewinn lag bei USD 26,27 Millionen (Vorjahr: USD 50,71 Millionen) – das margenstarke, gebührenbasierte Geschäftsmodell zeigt hier seine Widerstandsfähigkeit auch unter widrigen Bedingungen.

Expansion mitten in der Flaute

Während die Erträge schrumpften, wuchs das Produktportfolio weiter: von 57 aktiven ETPs Ende 2025 auf 60 per Ende Juni 2026. Highlight des Halbjahres war der Launch des ersten Equity-ETP von 21Shares im Februar 2026, notiert an der London Stock Exchange – ein Schritt weg vom reinen Krypto-Fokus hin zu einem breiter aufgestellten, „digital-nativen Multi-Strategie-Vermögensverwalter“, wie es das Unternehmen selbst formuliert.

Auch geografisch ging es weiter: ein erfolgreicher Handelsstart an der Euronext Mailand Anfang 2026, sechs Produkte via Brazilian Depositary Receipts an der brasilianischen B3-Börse, und für die zweite Jahreshälfte stehen Lateinamerika sowie die nordischen Länder als nächste Wachstumsmärkte auf der Liste. Frankreich rückt ebenfalls ins Blickfeld, nachdem die Finanzaufsicht AMF ihre Doktrin gelockert hat und komplexe krypto-verknüpfte Schuldtitel künftig auch Privatanlegern unter bestimmten Bedingungen zugänglich macht.

Der Elefant im Raum: FalconX

Ein Detail im Kleingedruckten dürfte für Marktbeobachter besonders spannend sein: Im November 2025 wurde 21Shares – respektive dessen Mutterfirma Jura Pentium AG und die 21co Holdings Limited – von FalconX Holdings Limited übernommen, einem führenden institutionellen Prime-Broker für digitale Assets. Das Unternehmen operiert nun als Teil der „21co Group“. Im Ausblick des Berichts macht das Management deutlich, worauf es hinausläuft: Man wolle die operativen und Vertriebssynergien mit FalconX‘ institutionellem Liquiditätsnetzwerk nutzen, um anspruchsvollere Produktstrukturen für professionelle Investoren zu entwickeln. Die ETP-Schmiede aus Zürich positioniert sich damit zunehmend als institutioneller Zugangspunkt zu digitalen Assets – nicht mehr nur als Retail-nahes ETP-Haus.

Bilanz-Kuriositäten eines „SPV“

Wer die Bilanz genauer liest, stösst auf ein paar Eigenheiten, die typisch sind für 21Shares‘ Struktur als sogenannte Special Purpose Vehicle (SPV): Das Unternehmen hat offiziell null Mitarbeitende – operative Aufgaben übernehmen die Konzernmutter Jura Pentium AG und weitere Gruppengesellschaften. Die liquiden Mittel beliefen sich per Stichtag auf gerade einmal USD 0,25 Millionen, weil das Geschäftsmodell keine nennenswerte eigene Liquidität benötigt: Jedes ETP ist vollständig physisch mit den zugrunde liegenden Krypto-Assets, Gold oder Aktien besichert, verwahrt bei mehreren Custodians. Die Zertifikatsverbindlichkeiten – de facto die Verpflichtungen gegenüber den ETP-Anlegern – sanken im Gleichschritt mit dem AUM von USD 3,68 Milliarden auf USD 2,35 Milliarden.

Auffällig ist zudem ein Buchhaltungseffekt: Der ausgewiesene Bilanzverlust („accumulated deficit“) sprang von USD 261,47 Millionen auf nur noch USD 38,01 Millionen – nicht etwa, weil das Geschäft plötzlich viel profitabler wurde, sondern wegen einer Umbuchung im Rahmen der Neubewertungsmethodik für digitale Vermögenswerte nach IAS 38. Ein gutes Beispiel dafür, wie kompliziert die Bilanzierung von Krypto-Assets nach heutigem Rechnungslegungsstandard nach wie vor ist – das Unternehmen selbst schreibt, man erwarte langfristig eine Annäherung von IFRS und US-GAAP hin zu einer einheitlichen Fair-Value-Bilanzierung.

Regulatorik: Fortschritt mit Bremsspuren

Der Bericht liefert auch einen kompakten Rundumblick auf die regulatorische Grosswetterlage, die für jeden Schweizer Krypto-Anleger relevant ist:

  • EU: Die MiCA-Übergangsfrist lief am 1. Juli 2026 endgültig aus. Wer als Krypto-Dienstleister ohne MiCA-Lizenz EU-Kunden bedient, verstösst seither gegen geltendes Recht.
  • UK: Die britische FCA veröffentlichte am 30. Juni 2026 ihre finalen Regeln zum Krypto-Regulierungsfahrplan. Das Bewilligungsfenster öffnet am 30. September 2026, das vollständige Regime greift ab Oktober 2027.
  • Schweiz: Die neuen Lizenzkategorien für Zahlungs- und Kryptoinstitute im Rahmen des revidierten Finanzinstitutsgesetzes (FINIG) werden frühestens 2027 in Kraft treten – die Schweiz hinkt Brüssel und London also etwas hinterher.
  • USA: Der CLARITY Act, der eine umfassende bundesrechtliche Marktstruktur für digitale Assets schaffen soll, steckt weiter im Senat fest. Immerhin veröffentlichten SEC und CFTC eine gemeinsame Richtlinie mit einer Fünf-Kategorien-Taxonomie zur Einordnung von Token.

21Shares selbst stuft das regulatorische Risiko – mit Ausnahme der als „tief“ bewerteten operativen Risiken – als „hoch“ ein, was angesichts der grenzüberschreitenden Zersplitterung wenig überrascht.

Der Ausblick: Erholung eingepreist

Das Management bleibt für die zweite Jahreshälfte 2026 vorsichtig optimistisch. Das Ziel: ein AUM von rund USD 3,00 Milliarden bis Jahresende – eine Erholung, die primär auf einer erwarteten Stabilisierung der Krypto-Bewertungen fusst, nicht auf spektakulären Neuzuflüssen. Beim Umsatz rechnet man für das Gesamtjahr mit rund USD 58 Millionen, was in etwa dem Vorjahresniveau entspräche und implizit ein deutlich stärkeres zweites Halbjahr voraussetzt.

Als strukturellen Rückenwind nennt der Bericht das anhaltende Wachstum des Stablecoin-Marktes, dessen Gesamtvolumen mittlerweile die Marke von USD 320 Milliarden überschritten hat – ein Hinweis darauf, dass die „Konvergenz zwischen Blockchain und traditioneller Finanzwelt“, wie es 21Shares nennt, strukturell weitergeht, auch wenn die kurzfristigen Preisausschläge bei Bitcoin und Co. weiterhin für Nervosität sorgen.

Fazit

Für Schweizer Krypto-Anleger liefert der 21Shares-Zwischenbericht ein Lehrstück in Miniaturform: Ein hartes Halbjahr für die Bewertungen, aber keine Panik in der Struktur. Das physisch besicherte ETP-Modell hat sich auch im Abschwung als robust erwiesen, das Unternehmen expandiert munter weiter mit neuen Produkten und Börsenplätzen, und im Hintergrund formt sich mit der FalconX-Übernahme ein neuer, deutlich institutionellerer 21Shares-Konzern. Ob die für Jahresende avisierten USD 3 Milliarden AUM tatsächlich erreicht werden, hängt am Ende – wie so oft in dieser Branche – vor allem von einer Grösse ab: dem Bitcoin-Kurs selbst.

Hinweis: Die genannten Zahlen stammen aus dem ungeprüften („unaudited“) konsolidierten Halbjahresbericht der 21Shares AG per 30. Juni 2026, veröffentlicht am 25. August 2026. Der vollständige Bericht ist unter 21shares.com/en-ch/product-documents/financials abrufbar.

Die Schweiz verzeichnet einen Rückgang von rund 70 % gegenüber dem Vorjahr (!!)https://t.co/4FWKHbosQm @thecryptovalley pic.twitter.com/y0HecfNV5V

— Bitcoin News Switzerland (@bitcoinschweiz) August 15, 2026

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