In der traditionellen Finanzbranche wächst das Interesse an Stablecoins rasant. Bemerkenswert ist, dass diese digitalen Coins immer häufiger auch außerhalb des Kryptohandels genutzt werden. Das geht aus einer neuen Studie der internationalen Großbank Standard Chartered hervor.
Stablecoins wechseln schneller den Besitzer
Laut Standard Chartered wechseln Stablecoins zunehmend schneller den Besitzer. Dies geht aus einer Mitteilung von Geoffrey Kendrick, Leiter der Forschung für digitale Vermögenswerte bei der Bank, hervor, die von The Block eingesehen wurde.
Analysten bezeichnen diese Umlaufgeschwindigkeit als ‚Velocity‘. Damit wird angegeben, wie oft ein Coin verwendet wird. Diese Geschwindigkeit liegt derzeit bei etwa sechs Mal pro Monat. Das ist ungefähr eine Verdopplung im Vergleich zu vor zwei Jahren.
Kendrick kommentiert: „Die Geschwindigkeit hat kürzlich zugenommen, obwohl wir dachten, dass sie stabil bleiben würde.“ Damit gerät eine wichtige Annahme der Bank unter Druck.
Auf den ersten Blick scheint das ein kleines Detail zu sein, doch die Auswirkungen könnten erheblich sein. Wenn Stablecoins häufiger verwendet werden, sind weniger neue Coins erforderlich, um dieselbe Menge an Transaktionen abzuwickeln.
Neue Anwendungen treiben das Wachstum an
Der Anstieg ist laut der Bank darauf zurückzuführen, dass Stablecoins zunehmend außerhalb des Kryptohandels eingesetzt werden. Sie spielen beispielsweise eine größere Rolle bei grenzüberschreitenden Zahlungen und anderen finanziellen Anwendungen.
Laut Kendrick ist dies eine bedeutende Verschiebung. „Stablecoins werden nicht mehr nur für Handel und Ersparnisse genutzt, sondern auch als Ersatz für bestehende Finanznetzwerke.“
Dieser Trend zeigt sich auch bei großen Zahlungsdienstleistern. So hat das Fintech-Unternehmen SoFi einen eigenen Stablecoin im Mastercard-Netzwerk eingeführt. Damit können Banken und Unternehmen weltweit schneller, kostengünstiger und jederzeit Zahlungen abwickeln.
Auch Visa setzt stark auf diese Entwicklung. Das Unternehmen integriert Stablecoins in sein Zahlungssystem, wodurch internationale Transaktionen rund um die Uhr abgewickelt werden können, ohne Verzögerungen durch traditionelle Banken.
Prognose von 2 Billionen Dollar bleibt bestehen
Für die kommenden Jahre erwartet Standard Chartered, dass Stablecoins weiter wachsen werden. Die Bank hält an der Prognose fest, dass der Markt bis 2028 auf etwa 2 Billionen Dollar ansteigen könnte. Zum Vergleich: Derzeit liegt die gesamte Marktkapitalisierung dieser Coins bei rund 319,4 Milliarden Dollar.
Diese Vorhersage stimmt mit Aussagen von Minister Scott Bessent im Sommer 2025 überein. Er sagte in einem Interview, dass der Stablecoin-Markt auf etwa 2 Billionen Dollar wachsen kann, sofern klare Gesetze diese Entwicklung unterstützen.
Mit dem GENIUS Act, der um dieselbe Zeit eingeführt wurde, kam bereits mehr Klarheit über die Regelungen für Stablecoins. Der CLARITY Act könnte jedoch für noch größere Veränderungen sorgen, da dieses Gesetz festlegen soll, wie der breitere Kryptomarkt reguliert wird.
Dieses Gesetzesvorhaben verzögert sich jedoch. Es ist noch unklar, wie die Regeln genau für Kryptounternehmen ausfallen werden. Banken befürchten, dass Zinsen auf Stablecoins Ersparnisse aus dem traditionellen Bankensystem abziehen könnten. Gleichzeitig ist Coinbase mit dem aktuellen Vorschlag, Belohnungen auf Stablecoins zu begrenzen, nicht einverstanden.
Ripple-CEO Brad Garlinghouse bleibt trotz der Verzögerungen optimistisch. Er rechnet damit, dass der CLARITY Act spätestens bis Ende Mai 2026 verabschiedet wird.