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Bitcoin-Kurs kopiert legendäres Wyckoff-Muster: Steht jetzt die Trendwende bevor?


kryptoszene.de 23 Juni 2021 15:00, UTC
Lesezeit: ~6 Min.

Es ist passiert: Der Bitcoin-Kurs hat am gestrigen Handelstag die psychologisch enorm wichtige Unterstützungszone bei 30.000 Dollar nach unten hin durchbrochen und ist auf bis zu 28.800 Dollar gefallen. Doch in diesem Bereich hat der Kurs eine extrem starke Unterstützung erhalten und ist binnen weniger Stunden wieder über die Marke von 30.000 Dollar geklettert.

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In den folgenden Stunden konnte BTC/USD seine Erholung fortsetzen und notiert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Bereich von 34.000 Dollar. Gegenüber dem Tiefpunkt hat BTC/USD damit bereits wieder mehr als 18 Prozent an Wert gewonnen.

Anleger von Bitcoin stellen sich nun die Frage, ob es sich um eine kurzzeitige Erholung nach dem Preisrutsch handelt und mit noch tieferen Kursen zu rechnen ist oder ob nun BTC/USD seinen Boden gefunden hat und eine Trendwende mit deutlich höheren Preisen bevorsteht.

Wirft man nur ein Blick auf die technischen Indikatoren, sind diese weiterhin überwiegend bärisch.

Tradingview

Diese Anzeichen im Bitcoin-Kurs sind bärisch

  • Death Cross: Wie Kryptoszene.de bereits am 17. Juni prognostiziert hat, ist auf dem Bitcoin-Chart nun das sogenannte Todeskreuz zu sehen. Dieses Ereignis findet statt, wenn die Linie für den Kursdurchschnitt der vergangenen 50 Tage die Linie für den Mittelwert der zurückliegenden 200 Tage von oben nach unten durchkreuzt. Das Death Cross gilt in der technischen Analyse als bärischer Indikator. Allerdings ist das Death Cross mit gewisser Vorsicht zu betrachten. So zeigen sich in der Bitcoin-Historie zwar einige Beispiele in denen auf dieses Event eine stärker und länger anhaltende Preiskorrektur stattfand, aber es gibt auch gegenläufige Entwicklungen. In manchen Fällen folgte kurz nach dem Death Cross das bullische Golden Cross, bei dem die 50-Tage-Linie die 200-Tage-Linie wieder von unten nach oben durchkreuzt.
  • EMA Ribbons (Bänder): Der exponentielle Kursdurchschnitt für verschiedene Zeiträume wie etwa 20-Tage, 30-Tage, 40-Tage etc. kann mithilfe von Chartanalyse-Tools wie Tradingview in Form der EMA Ribbons dargestellt werden. Befindet sich der aktuelle Bitcoin Kurs unterhalb dieser Bänder ist das in der Regel ein bärischer Indikator. Auf dem 1-Stunden-Chart ist es BTC/USD aktuell gelungen bei rund 32.000 Dollar über die EMA Ribbons zu klettern und damit ein bullisches Signal zu erzeugen. Anders sieht es allerdings auf den 4-Stunden-Kerzen und den Tageskerzen aus. Hier ist Bitcoin noch unterhalb der Bänder und damit in bärischem Terrain. Für die langfristige Kursentwicklung am wichtigsten sind jedoch die EMA-Bänder auf den Wochenkerzen. Und hier kämpft der Bitcoin-Kurs aktuell nicht unter das letzte Band zu fallen. Sollte BTC/USD mit einer Wochenkerze darunter schließen wäre dies ein weiteres Signal für die Oberhand der Bären.
  • 21 Week EMA: Ein weiter wichtiger technischer Indikator ist der exponentielle 21-Wochendurchschnitt des Bitcoin-Kurses. Im Bullenmarkt 2017/2018 war diese Linie eine extrem wichtige Unterstützungszone für BTC auf dem Weg zum damaligen Allzeithoch von knapp 20.000 Dollar. Etwa sieben bis acht Mal hat BTC/USD im Laufe seine parabolischen Anstieges diesen Support getestet ohne auch nur eine Wochenkerze darunter abzuschließen. Ein anderes Bild im aktuellen Zyklus. Im Mai ist BTC/USD bei rund 45.000 Dollar unter diese wichtige Linie gefallen und hat es seitdem nicht mehr geschafft, diese wieder zu erreichen. Aktuell befindet sich der Mittelwert der vergangenen 21 Wochen bei rund 42.000 Dollar. Will Bitcoin den Bullenmarkt fortsetzen, muss der Kurs unbedingt wieder über diese Linie klettern.

Die genannten Indikatoren erwecken insgesamt eher den Eindruck, dass die Bären aktuell den Takt am Kryptomarkt vorgeben. Doch es gibt ein legendäres Kurschart, das eine baldige Trendwende ankündigen könnte.

YouTuber MMCrypto lag falsch

Der berühmte Schriftsteller und Analyst Richard Wyckoff hat bis heute vielbeachtete Kursmodelle entwickelt. Dazu zählt auch das sogenannte Wyckoff Accumulation Schematic #1. Dieses Modell beschreibt zunächst eine starke Preiskorrektur auf die eine Phase der Konsolidierung und schließlich eine Trendwende mit starken Kursanstiegen folgt.

Das dieses Szenario für den Bitcoin-Kurs eintreten könnte, hat Kryptoszene.de bereits am 10. Juni berichtet. Gleichzeitig wurde im damaligen Artikel die Theorie des bekannten Krypto-Influencers MMCrypto infrage gestellt, dass der sogenannte Spring, der Tiefpunkt des Kursmodells, bereits erreicht wurde.

Mit dem gestrigen Kursrutsch auf 28.800 Dollar hat sich gezeigt, dass MMCrypto tatsächlich falsch lag als er in diesem Video bei rund 31.000 Dollar bereits das Spring-Event für den Bitcoin-Kurs verkündete.

Inzwischen hat MMCrypto seinen Fehler eingeräumt und nun auch den gestrigen Tiefpunkt bei 28.800 Dollar als wirklichen „Spring“ des Wyckoff Modells bewertet. Er geht davon aus, dass der Bitcoin-Kurs damit nun seinen Boden gefunden hat und bald höhere Preise erzielt werden können.

Folgt BTC/USD weiter exakt dem Wyckoff-Modell?

In der Tat ist es verblüffend, welche starken Parallelen die Kursentwicklung von BTC/USD in den vergangenen Wochen mit dem Wyckoff Accumulation Pattern zeigt.

Folgt man dem Modell hat BTC in Phase A Mitte Mai den Bereich PS (Prelimanary Support) erreicht. Nach einer ersten starken Verkaufsphase findet der Kurs zunächst Unterstützung und kann den Abwärtstrend stoppen. Das Handelsvolumen steigt wieder etwas an.

Es folgt der Punkt SC (selling climax), an dem die Spreadausweitung und der Verkaufsdruck einen Höhepunkt erreicht. Anleger verkaufen  in großen Mengen und bisweilen panisch ihre Assets was den Kurs in starker Volatilität nach unten führt. Dann folgt jedoch eine schnelle Gegenbewegung in der neue Käufer die niedrigen Preise zum Einstieg nutzen und die Kurse schnell wieder ansteigen lassen.

Im nächsten Schritt AR (automatic rally) steigen die Preise weiter, weil der starke Verkaufsdruck zunächst nachgelassen hat und neue Käufer weiter die Gunst der niedrigen Kurse nutzen wollen.

Dann folgt jedoch ST (secondary test) bei dem der Kurs erneut stark fällt und die Unterstützung in tiefen Preisregionen testet. In der Regel fällt der Kurs in diesem Stadium jedoch nicht ganz so tief wie bei SC.

Die Phase B des Wyckoff-Modells ist von einer Seitwärtsbewegung mit vielen kleinen Aufs und Abs geprägt in der mehrfach die Widerstandszonen und Unterstützungsbereiche getestet werden. Diese Zone ist relativ lange und entspricht der Kursentwicklung des Bitcoin in den vergangenen Wochen.

Mit der gestrigen Korrektur auf 28.800 Dollar könnte BTC/USD jetzt allerdings Phase C bereits erreicht haben und der so genannte „Spring“ hat stattgefunden. Ein Tief unterhalb des Tiefs von SC.

Weitere Korrektur laut Wyckoff wahrscheinlich

Doch was heißt das nun? Wird der Bitcoin-Kurs jetzt explosionsartig steigen?

Die Antwort lautet eher (noch) nicht. Denn laut dem Wyckoff-Modell ist ein erneuter Retest vorherigen Unterstützungslevels nötig, bevor in Phase D und E die Trendwende mit stark steigenden Kursen stattfindet. Entsprechend müssen Anleger damit rechnen, dass die Kurse ein weiteres Mal in den Bereich von 30.000 Dollar fallen könnten. Allerdings sollte dabei das vorherige Tief von 28.800 Dollar nicht mehr erreicht werden. Sonst wäre das Wyckoff Modell nicht mehr gültig.


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