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Celsius Network gerät verstärkt unter medialen Druck


bitcoin-kurier.de 13 Juni 2022 05:30, UTC
Lesezeit: ~4 Min.

  • Es häufen sich Medienberichte, dass Celsius Network in eine Krise steuern könnte.
  • Im letzten Jahr verlor das Unternehmen eine hohe Geldsumme beim Hack der BadgerDAO.
  • Insbesondere die Investition in Staked Ether (stETH) könnten aktuell ein Risiko darstellen.

Celsius Network geriet in den letzten Tagen verstärkt in die Kritik. Demnach wird diskutiert, ob die Gefahr besteht, dass der Anbieter in Zahlungsschwierigkeiten geraten könnte. Kritische Stimmen warnen gar vor einem Bankrun, der bittere Konsequenzen haben könnte, die sich auch jenseits von Celsius bemerkbar machen dürften.

Celsius verlor im letzten Jahr signifikante Geldsummen. Rund 35.000 ETH sollen im Mai 2021 bei Stakehound verloren gegangen sein. Bislang wurde der Verlust nicht durch das Unternehmen bestätigt, ist aber Gegenstand diverser Medienberichte.

Ein weiterer Verlust entstand während des Hacks der BadgerDAO. CEO Alexander Mashinsky bestätigte zwar, dass Celsius dabei Geld verloren hatte, nannte aber während eines AMA keine konkrete Summe. Analysen der involvierten Adressen legen nahe, dass es sich um einen Verlust von rund 51 Millionen US-Dollar gehandelt hat.

Wird stETH zum systemischen Risiko?

Celsius hat laut einem Bericht von Cointelegraph ungefähr 1 Millionen Ether, die ausstehend sind. Rund 288.000 ETH befinden sich demnach im Staking und können erst ausgelöst werden, wenn der Merge stattgefunden hat. Dieser wurde jedoch zunächst verschoben. Weitere 445.000 ETH sollen in stETH umgewandelt worden sein und lediglich 268.000 Ether sind liquide.

Bei stETH handelt es sich um ein Staking-Derivat. Anleger zahlen 1 ETH in den Smart Contract ein und erhalten im Gegenzug 1 stETH zurück. Dieser Token ist ihr Anspruch auf den eingezahlten Betrag in Ether, der sich dann im Staking befindet. Allerdings kann dieser Anspruch nur eingelöst werden, wenn der Merge stattgefunden hat.

In der Zwischenzeit bleibt stETH aber liquide, weshalb man auch von Liquid Staking spricht. Denn die Token können beliebig gehandelt oder als Einsatz verwendet werden, beispielsweise in Liquiditätspools.

Das Problem für Celsius besteht in der Tatsache, dass stETH keine Preisbindung an Ethereum erfährt, sondern von Nachfrage und Angebot abhängig ist. In der Regel entspricht der Preis ungefähr dem gleichen Wert wie Ethereum, kann aber davon abweichen. Sollte also ein Bankrun auf stETH stattfinden, dann wäre das indirekt auch ein Bankrun auf Celsius Network, weil dort theoretisch Engpässe entstehen könnten. Gleichermaßen könnten Celsius-Kunden zusätzlichen Druck ausüben, wenn sie ihre Einlagen abheben, weil das Unternehmen dann ggf. dazu gezwungen ist, stETH zu verkaufen.

Weil Staked Ether aber besonders beliebt im DeFi-Space ist, gibt es zusätzliche Bedenken, dass ein Crash von stETH auch andere Unternehmen und Protokolle mitreißen könnte. Zum Redaktionsschluss wird stETH rund 4 % unter dem Wert von ETH auf Curve gehandelt.

HODL Mode in der Kritik

Um zusätzliche Sicherheit für die Nutzerkonten zu gewährleisten, führte Celsius den sogenannten Hodl Mode ein. Damit sperren Anleger ihre Accounts freiwillig. Einmal aktiviert, verhindert der Modus jedweden Abfluss der eigenen Mittel. Deaktiviert man den Modus wieder, dann muss man laut Celsius 24 Stunden abwarten, um die Transfers wieder anstoßen zu können.

Via Twitter gab es in den letzten Wochen jedoch von Kunden Rückmeldung, dass der Hodl Mode auch ohne ihre Zustimmung aktiviert worden sei. Andere berichten, dass sie wesentlich länger als 24 Stunden warten mussten, um das Feature zu deaktivieren. Überprüfen lassen sich diese Behauptungen jedoch nicht.

In einem Blogpost legt Celsius nahe, dass der Hodl Mode ebenfalls in Fällen zum Tragen kommt, wenn es aus Gründen der Compliance, rechtlichen oder regulatorischen Anforderungen angebracht sei. Ansonsten diene das Feature nur zum Schutz der Kunden. Außerdem verweist das Unternehmen darauf, dass es bisher zu keinen Verzögerungen gekommen sei, wenn Kunden Transfers angestoßen haben.

Terra hat das Vertrauen der Anleger zerstört

Angesichts der Tatsache, dass Terra einen bisher nie dagewesenen Crash hingelegt hat, löst die Debatte um die Zuverlässigkeit von Celsius bei dem ein oder anderen Anleger sicherlich Ängste aus. Was erschwerend hinzukommt, ist der Kommunikationsstil, der damals von Do Kwon gewählt wurde, während sich das Debakel entfaltete.

Auch er warb um Zuversicht und Vertrauen der Anleger und damit steuerten all jene, die ihm glaubten, direkt in den Ruin. Dies versetzt Anleger, die ihr Geld bei Celsius geparkt haben, in eine emotionale Zwickmühle, denn selbstverständlich wirbt das Unternehmen für seine Dienstleistung und weist die Darstellung diverser Medienberichte zurück und verweist darauf, dass man genügend Liquiditätsreserven besitzt.

Teilweise ist diese Selbstdarstellung sogar auf Anhieb glaubwürdig, weil die involvierten Quellen in den jeweiligen Berichten sich über lange Zeit hinweg auf Celsius eingeschossen haben. Eine neutrale Berichterstattung sieht definitiv anders aus.

Es lässt sich also nicht von der Hand weisen, dass auf Celsius immenser medialer Druck ausgeübt wird und damit auch auf die Anleger. Wer in dem Streit zwischen „FUDstern“ und „Celsians“ sichergehen will, nicht auf der falschen Seite zu stehen, der dürfte seine Assets lieber auf dem eigenen Wallet verwahren, bis sich der Rauch gelegt hat.


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