Wenn Krypto auf Rohstoffe trifft
Die Entscheidung von Elemental Royalty ist mehr als nur eine technische Neuerung; sie ist Teil einer breiteren Strategie von Tether, den eigenen Einflussbereich über reine Dollar-Stablecoins hinaus zu erweitern. Das Unternehmen nutzt seine gewaltigen Gewinne längst nicht mehr nur zur Deckung von $USDT. Wie wir kürzlich berichteten, baut Tether eine neue Krisen-Reserve auf und hält mittlerweile rund 140 Tonnen physisches Gold in der Schweiz. Diese Reserven bilden das Rückgrat für Produkte wie XAUT.
Der Trend, klassische Wertspeicher mit der Effizienz der Blockchain zu verknüpfen, gewinnt branchenweit an Fahrt. Ähnlich wie der neue Bitwise ETF, der Bitcoin und Gold kombiniert, zielt auch der Vorstoß von Elemental darauf ab, Anlegern einen hybriden Schutz vor Geldentwertung zu bieten. Für Tether bedeutet dies den direkten Zugriff auf Gold-Förderstrukturen und Lizenzgebühren.
Tokenisierte Dividenden: Wie das Modell funktioniert
Technisch gesehen fungiert Tether Gold (XAUT) als Brücke. Jeder Token repräsentiert eine Feinunze Gold auf einem Londoner Good Delivery Barren. Durch die Wahl der Dividende in XAUT erhalten Anleger direkten Zugang zu physisch hinterlegtem Gold, ohne sich um Lagerung oder Logistik kümmern zu müssen. Aktuell dominiert XAUT bereits 60 % des Marktes für Gold-Stablecoins.
Juan Sartori, Executive Chairman von Elemental, bezeichnete diesen Schritt in einem Interview als „Weltpremiere für ein Royalty-Unternehmen“. Das Ziel sei es, Aktionären eine nahtlose Exposition gegenüber physischem Gold zu ermöglichen. Paolo Ardoino, CEO von Tether, sieht darin die Lösung eines alten Problems: Gold transportabel und teilbar zu machen. Die Details zur Ausschüttung zeigen, dass hier Web3-Infrastruktur auf klassisches Corporate Finance trifft.
Dabei ist die regulatorische Komponente nicht zu unterschätzen. Gerade in Europa schauen Behörden genau hin, wie solche hybriden Instrumente klassifiziert werden. Die Compliance-Fortschritte großer Player sind hierbei wegweisend – etwa der Fakt, dass Binance entscheidende Schritte Richtung EU-Compliance unternimmt, zeigt, dass der regulierte Rahmen für solche Innovationen, inklusive Stablecoins, unter MiCA enger gesteckt, aber auch rechtssicherer wird.
Ausblick: Was bedeutet das für Anleger?
Für Krypto-Investoren signalisiert dieser Schritt eine zunehmende Verschmelzung der Anlageklassen. Tether wandelt sich vom reinen Infrastruktur-Dienstleister zum diversifizierten Rohstoff-Akteur. Die Akzeptanz von Stablecoins in der Realwirtschaft wächst indes weiter globally. Man sieht dies nicht nur bei Dividenden, sondern auch auf staatlicher Ebene, wo beispielsweise Irans Zentralbank auf $USDT setzt, um internationale Handelsbeschränkungen zu umgehen.
Sollte das Modell von Elemental Royalty Schule machen, könnten weitere Unternehmen folgen und Token als Dividenden-Option anbieten. Für Anleger bedeutet dies mehr Flexibilität, bringt aber auch die Notwendigkeit mit sich, die steuerlichen und regulatorischen Implikationen solcher „Krypto-Dividenden“ genau zu prüfen.
coin-update.de